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GEO Magazin Nr. 10/13 Seite 1 von 2


Lebensstil: Ein Hoch auf das Stadtleben

Warum das Leben in der Stadt viel mehr als das Leben auf dem Land für Lebensqualität und Naturschutz steht

Text von Katja Trippel

Die Sehnsucht nach dem Leben auf dem Land, umgeben von Wald und Hühnergegacker - sie boomt wie nie. Autoren, die vom Rückzug aus der City in die Pampa schwärmen, landen Bestseller. TV- und Printmagazine feiern Quoten- und Auflagenrekorde mit Geschichten vom Idyll im Grünen, vom Leben im Einklang mit der Natur.

Was für eine Märchenwelt! In Wahrheit ziehen viel mehr Menschen vom Land in die Stadt - überall. Und das ist gut so! "Städte machen uns reicher, klüger, grüner, gesünder und glücklicher" - so bilanziert der Harvard-Professor Edward Glaeser sein Buch "Triumph of the City". Ich füge hinzu: Vor allem die Umwelt profitiert von der Stadtlust. Denn das Haus im Grünen vernichtet genau das: das Grüne. Je urbaner dagegen der Lebensstil, umso besser - für die Natur, das Klima und die Zukunft der Menschheit.


Hotspot der Artenvielfalt: In Berlin leben 20.000 Tier- und Pflanzenarten, darunter auch seltene (Foto von: travelstock44/LOOK-foto)
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Hotspot der Artenvielfalt: In Berlin leben 20.000 Tier- und Pflanzenarten, darunter auch seltene

New York - ein Modell in Sachen Nachhaltigkeit

Reisen wir zur Anschauung kurz an den "ökologischsten Ort der USA": New York City! David Owen, preisgekrönter Autor des Buches "Green Metropolis", nennt die Metropole gar "ein Modell für Nachhaltigkeit". Über 80 Prozent der Einwohner fahren mit der Subway oder per Bus zur Arbeit, steigen aufs Fahrrad oder gehen zu Fuß. So liegt der Benzinverbrauch eines New Yorkers auf dem Niveau eines Durchschnittsamerikaners von anno 1920 - und ist acht Mal geringer als etwa der im breit gewucherten Los Angeles. Auch die Energiebilanz der kompakt gebauten Hochhäuser aus braunem Ziegel oder Glas und Stahl schneidet im Vergleich zu Suburbia besser ab, allen undichten Fenstern, Boller-Heizungen und Klimaanlagen zum Trotz.

Würden die 1,6 Millionen Einwohner Manhattans statt eines Apartments ein Haus mit Rasen, Basketballkorb und Carport beziehen - es wäre eine gigantische Verschwendung von Landschaft, Energie, Benzin und anderen Ressourcen. So aber beträgt der CO2-Fußabdruck eines New Yorkers mit 7,1 Tonnen pro Jahr weniger als ein Drittel desjenigen eines Durchschnittsamerikaners (24,5 Tonnen). Und ist auch niedriger als der eines Deutschen!

Günstige Klimabilanz der Hochhauscity
Berliner, Kölner, Leipziger und andere deutsche Großstädter emittieren ebenfalls weniger CO2 als der Bundesbürger-Durchschnitt. Und das, obwohl in den urbanen Zentren - mit Ausnahme der Grundnahrungsmittel - fast alles produziert wird, was unser Land am Laufen hält. Frankfurt am Main fällt aus der Reihe, schuld sind der Flughafen und energieintensive Rechenzentren, von denen gleichwohl die halbe Republik profitiert. Andererseits ragen in Frankfurt einige der energieeffizientesten Bürohäuser der Welt gen Himmel. Man kann "Mainhattan" schön finden oder nicht - die Klimabilanz der Hochhauscity ist besser als die jedes ländlichen Fachwerkdorfes.

Damit kommen wir zu zwei Wahrheiten:
1. Es ist ein Irrtum anzunehmen, wer aufs Land zieht, tue der Natur etwas Gutes, und sei die Lebensweise noch so ökologisch. Das Verhältnis Mensch-Natur ist keine gegenseitige Liebesbeziehung. Die Natur braucht den Menschen nicht. Edward Glaeser: "Der Natur wäre es am liebsten, alle Menschen würden in der Stadt leben und sie in Ruhe lassen."
2. Nicht die kompakt gebauten Großstädte mit ihren Straßenschluchten, Kanal- und U-Bahn-Tunneln, Müllhalden und Fabriken sind ein ökologisches Desaster, sondern: die Neubauviertel außerhalb, wo Pendler mit Doppelgaragen leben, in Paradiesen der Landlustigen.



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Mehr zu den Themen: Stadtflucht, Landflucht, Landleben

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