Hauptinhalt
GEO Magazin Nr. 09/10 Seite 1 von 1


Architektur: Wärmendes Grün

Algen an Wohnhäusern schädigen normalerweise die Bausubstanz. Ein Architektenteam will nun die Kraftpakete anzapfen und sie als Energielieferanten für ein modernes Wohngebäude einsetzen


In durchsichtigen Fassadenelementen aus Kunststoff sollen die Algen Biomasse bilden, die über Leitungen in den Keller gepumpt wird (Foto von: Höweler + Yoon Architecture/Squared Design Lab)
© Höweler + Yoon Architecture/Squared Design Lab
Foto vergrößern
In durchsichtigen Fassadenelementen aus Kunststoff sollen die Algen Biomasse bilden, die über Leitungen in den Keller gepumpt wird

Sie sind normalerweise an Häusern nicht gerade willkommen: Wo sich Algen ausbreiten, leidet die Bausubstanz. Effektiver und schneller als jede andere Pflanze nutzen sie Sonnenlicht, Feuchtigkeit und Kohlendioxid für ihr Wachstum.

Architekten aus Hamburg und weiteren Städten wollen nun die Kraftpakete anzapfen und Algen als Energielieferanten für ein modernes Wohngebäude einsetzen. Die Idee soll im Rahmen der Internationalen Bauausstellung verwirklicht werden, die im Hamburger Stadtviertel Wilhelmsburg auf der Elbinsel 2013 stattfinden wird.

In durchsichtigen Fassadenelementen aus Kunststoff sollen die Algen Biomasse bilden, die über Leitungen in den Keller gepumpt wird. Dort erzeugt ein Hauskraftwerk aus der wässrigen Materie das Gas Methan. Der flüchtige energiereiche Stoff hat die Qualität von Erdgas und kann für die Raumheizung, aber auch zur Stromgewinnung verbrannt werden. Dabei wird nur so viel Kohlendioxid an die Atmosphäre abgegeben, wie die Algen zuvor für ihr Wachstum verbraucht haben. Das von den Mikroorganismen gefütterte Kraftwerk arbeitet also klimaneutral.

Ein Problem der Algenzucht für die Energiegewinnung war bisher die für eine nennenswerte Biomasseproduktion benötigte Fläche. Die Photosynthese findet vor allem in den hellen Oberflächenregionen des Wassers statt. In der Tiefe sinkt die Produktivität der Algen drastisch. Um alle grünen Einzeller in den Fassadenelementen anzuregen, werden sie permanent durchmischt und abwechselnd zur Sonne gebracht. Das geschieht effizient durch Konvektion, also das Kreislaufprinzip: Aufsteigende Gasblasen ziehen Wasser nach oben, während gleichzeitig Wasser nach unten nachströmt.

Der Hydrobiologe Martin Kerner hat die Idee mit seiner Firma Strategic Science Consult (SSC) entwickelt. Das Verfahren funktioniert laut Kerner auch im Winter. Am besten mit der Spezies Chlorella. Aus einem Kilo Trockenmasse des Einzellers können bis zu 850 Liter Biogas gewonnen werden.


Mehr zu "Wärmendes Grün"



Kommentar verfassen

Ja, ich möchte eine Benachrichtigung per Mail erhalten, wenn es neue Kommentare zu diesem Artikel gibt.
* Bitte geben Sie einen Namen, unter dem Ihr Kommentar veröffentlicht wird, und eine gültige Mailadresse ein. Diese wird später nicht auf unseren Seiten zu sehen sein. Um Missbrauch zu vermeiden, senden wir Ihnen jedoch eine Mail mit einem Aktivierungslink - einfach anklicken und schon ist Ihr Beitrag online!

Mit der Abgabe eines Kommentars erkennen Sie die Nutzungsbedingungen an.

Momentan sind zu dem Artikel "Wärmendes Grün" keine Kommentare vorhanden.

GEO im Abo

Daten werden gesendet ...


Bitte geben Sie Ihren Namen an!


Bitte geben Sie Ihre E-Mail-Adresse an!
Die angegebene E-Mail-Adresse ist ungültig!


Bitte geben Sie eine Empfänger-Adresse an!
Die angegebene E-Mail-Adresse ist ungültig!




* Pflichtfeld

» E-Mail versenden «
Hinweis: Ihre E-Mail-Adresse und die E-Mail-Adresse des Empfängers werden ausschließlich zu Übertragungszwecken verwendet und nicht gespeichert oder an Dritte weitergeben!