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GEO Magazin Nr. 07/15 Seite 1 von 1


Moore: Reise in eine heile Welt

Moore sind Horte der Stabilität und federn bislang alle Umweltveränderungen lässig ab. Wie schaffen sie das nur? Eine Annäherung an ein matschiges Phänomen

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Moor-Idyll
© Marc Steinmetz
Moor-Idyll
Weiß-schwarze Stämme und helles Grün: Birken und Röhricht lassen in dieser Landschaft schaurige Moor-Gefühle gar nicht erst aufkommen
Sonnentau
© Marc Steinmetz
Sonnentau
Der Langblättrige Sonnentau (Drosera anglica) wächst nur in Moorgebieten. Seine Schönheit allerdings ist trügerisch: Er zählt zu den fleischfressenden Pflanzen
Grasfrosch
© Marc Steinmetz
Grasfrosch
Lauernder Lurch: Im Uchebnoye-Moor hat ein Grasfrosch zwischen Fieberkleeblättern seinen Posten bezogen
Spinnenweben
© Marc Steinmetz
Spinnenweben
In der feuchten Morgenluft schimmern im Gegenlicht betaute Spinnennetze in den Moorbirken
Fieberklee
© Marc Steinmetz
Fieberklee
Wie weiße Seesterne wirken die Blüten des Fieberklees. Die Pflanze ist typisch für Sumpf- und Moorgebiete
Quellmoor
© Marc Steinmetz
Quellmoor
Aufsteigendes Quellwasser transportiert aus dem darunterliegenden Gestein gelöstes Eisenoxid an die Oberfläche. In den Quelltümpeln schlägt sich das Eisenoxid in Form von rotem Schlamm nieder
Frauenhaarmoos
© Marc Steinmetz
Frauenhaarmoos
Filigrane Struktur im Hochmoor: Gemeines Frauenhaarmoos (Polytrichum commune)
Quellmoor
© Marc Steinmetz
Quellmoor
Der buntschillernde Ölfilm auf der Wasseroberfläche entsteht durch eisenzehrende Bakterien. Im flachen Wasser wächst Fieberklee oder Bitterklee (Menyanthes trifoliata).
Flechte
© Marc Steinmetz
Flechte
Mit Flechten bewachsene, absterbende Waldkiefer oder Föhre (Pinus sylvestris). Auf dem nassen Moorboden gedeihen die Bäume nicht auf Dauer
Moosbeere
© Marc Steinmetz
Moosbeere
Jeder Moortyp hat seine charakteristischen Pflanzen. So wächst die Gewöhnliche Moosbeere (Vaccinium oxycoccos) vor allem auf Kuppen in Hochmooren
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"Wo steckt mehr Wasser drin?", fragt Hans Joosten an einem dieser sonnigen Tage in Karelien. "In Bier oder in einem Moor?" "Hans, Bier, wetten?" "Du meinst wohl, weil man auf Bier nicht laufen kann." Joosten zwinkert. Er steht wadentief im Moor, ein kräftiger Mann Ende fünfzig, sein kariertes Hemd spannt ein bisschen über dem Bauch. Man sollte mit Joosten keine Wetten abschließen, selbst wenn man sich seiner Sache gewiss ist. Das Moor liegt knapp vorn - mit einem Wasseranteil von 95 Prozent.



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Seit dem frühen Morgen sind sie schon unterwegs, der Moorkundler Hans Joosten und 25 angehende Landschaftsökologen. Es ist eine große Gruppe, aber trotzdem wirkt sie verloren, hier, inmitten einer endlosen Moorlandschaft. Karelien liegt im Nordwesten Russlands; ein Fünftel der Fläche der Republik bedecken Moore. Auf ihrem Weg in diese Wildnis haben sie Zwergsträucher mit rot-weißem Absperrband markiert, um nicht vollends die Orientierung zu verlieren. Joosten legt die Hand über die Augen und lässt den Blick schweifen. "Wahnsinn!"

Moore gelten gemeinhin als Orte des Grusels, grau und verregnet. Doch dieses ist hell und heiter wie ein Gartengemälde von Monet, der Himmel so weit, als wäre man auf dem Meer. Die meisten haben die Gummistiefel ausgezogen und laufen barfuß, nach jedem Schritt gluckert Wasser in die Stapfen. Für Joosten ist ein Moor der Ort seiner Kindheit. Er wurde in einem kleinen Dorf im Südosten der Niederlande geboren, am Rand des Moorgebiets De Peel. Als eines von acht Geschwistern wuchs er auf. "Junge, lauf doch nicht immer allein rum", sorgte sich die Mutter, nachdem er einmal fast versunken war. "Ich find aber keinen, der mit mir den ganzen Tag durchs Moor zieht." Er studierte Biologie. Berufswunsch: Politiker, Popmusiker oder Professor.

Joosten lehrt am Institut für Botanik und Landschaftsökologie in Greifswald. Für zehn Tage ist er mit seinen Studenten von dort aufgebrochen, um durch die karelischen Moore zu ziehen. Es ist eine Reise in eine bemerkenswert heile Welt.

Lesen Sie die ganze Reportage von Anke Sparmann in GEO 7/2015.



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