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GEO Magazin Nr. 05/10 Seite 1 von 1


Fotogalerie: Meeresschildkröten

Invasion im Morgengrauen: Jedes Jahr im Juli erklimmen Tausende von Oliv-Bastardschildkröten den Strand von Ostional, Costa Rica - zur Eiablage. Ein riskantes Unterfangen

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Meeresschildkröte
© Solvin Zankl
Meeresschildkröte
Diese Meeresschildkröte ist auf dem Weg in den Kreißsaal. Kein sonderlich intimer Ort. Denn ihre Eiablage am Strand von Ostional, Costa Rica, wird die werdende Mutter gemeinsam mit einigen Hunderttausend Artgenossinnen hinter sich bringen. Innerhalb weniger Tage. Und unter Zeugen, die Hunger haben ...
Eiablage am Strand von Ostional
© Solvin Zankl
Eiablage am Strand von Ostional
Sieben Kilometer misst der Strand von Ostional; noch am Vorabend ist er leer gewesen. Dann, meist an einem Morgen irgendwann im Juli, schwemmt Welle um Welle die erste Flut von Oliv-Bastardschildkröten an. Arribada, Ankunft von See, nennen die Einheimischen dieses verlässliche Massenauftauchen der Reptilien
Meeresschildkröten schlüpfen
© Solvin Zankl
Meeresschildkröten schlüpfen
Nach einer Brutzeit von rund 50 Tagen schlüpfen die Schildkröten. Sämtliche Tiere eines Geleges schlitzen zum selben Zeitpunkt ihre Eischale auf. Etwa 30 Zentimeter tief im Sand vollzieht sich der Schlupf einer neuen Generation
Waldstorch frisst Schildkröte
© Solvin Zankl
Waldstorch frisst Schildkröte
Tausend Tode kann eine junge Schildkröte sterben, bevor sie auch nur den wenige Meter entfernten Pazifischen Ozean erreicht. Waldstörche, zum Beispiel, warten schon auf die Leckerbissen
Eiersammeln am Strand von Ostional
© Solvin Zankl
Eiersammeln am Strand von Ostional
Die Gelege der Meeresschildkröten enthalten jeweils etwa 100 Eier, die sich durch ihre elastische, robuste Schale ohne besondere Vorsicht in Säcken einsammeln lassen
Eiersammeln am Strand von Ostional
© Solvin Zankl
Eiersammeln am Strand von Ostional
Nur die Bewohner Ostionals haben das Recht, die Gelege aufzulesen - und das auch nur während der ersten 36 Stunden einer Arribada
Schildkröte beim Eierlegen
© Solvin Zankl
Schildkröte beim Eierlegen
Vermarktet werden die Eier in ganz Costa Rica; sie gelten im Land als Delikatesse
Junge Meeresschildkröte
© Solvin Zankl
Junge Meeresschildkröte
Überleben ist für die wehrlosen, frisch geschlüpften Schildkröten Glückssache
Fressfeinde: Hunde und Raben
© Solvin Zankl
Fressfeinde: Hunde und Raben
Warten, zupacken, fressen: Auch Hunde und Rabengeier lauern den frisch geschlüpften Schildkröten auf
Tote Jungschildkröten
© Solvin Zankl
Tote Jungschildkröten
Den Geiern erlaubt ihr schmaler Schlund nicht, die Reptilien im Ganzen zu schlucken. Oft beißen sie nur deren Köpfe ab
Junge Meeresschildkröte im Wasser
© Solvin Zankl
Junge Meeresschildkröte im Wasser
Aber Hunderttausende kommen doch durch! Jetzt paddeln. Zwei Tage schwimmt eine Schildkröte ununterbrochen weg von der Küste in die offene See. Dort verliert sich ihre Spur. Wo die Jungtiere leben, wovon sie sich ernähren, wenn ihr Dottersack verzehrt ist - noch immer weiß es niemand
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Oliv-Bastardschildkröten sind die am häufigsten vorkommende Meeresschildkrötenart - mit schätzungsweise 800 000 ausgewachsenen Weibchen. Diese hohe Zahl nistfähiger Tiere ist die Voraussetzung für eine Fortpflanzungsstrategie, die zu den außergewöhnlichsten im Tierreich zählt: Bastardschildkröten produzieren innerhalb kurzer Zeit derart viel Nachwuchs, dass sich irgendwann auch der ärgste Feind an Eiern und jungem Fleisch satt gefressen hat: Krabben, Geier und Störche zu Lande, Fregattvögel und Raubfische zu Wasser. Zu den größten Vernichtern des Nachwuchses aber zählen die Schildkröten selber.

Während des Massennistens werden die zuerst angelegten Nester von nachrückenden Weibchen oft zerdrückt oder wieder freigegraben. An diesem Punkt setzt ein Projekt an, das versucht, Naturschutz und Interessen der heimischen Bevölkerung unter einen Hut zu bringen. Der Grundgedanke: Wenn die früh gelegten Eier ohnehin keine Chance haben, sich zu einer Schildkröte zu entwickeln, sollte deren Sammeln und Vermarkten den Menschen erlaubt sein.

Die Eier der Bastardschildkröte sind in Costa Rica ein beliebter Snack. Viele Bars bieten ihn an. Früher wurden die Nester am Strand von Ostional unkontrolliert geplündert. Dann, im Jahr 1983, wurde die Gegend zum Schutzgebiet erklärt. Seither dürfen die Schildkröteneier eingesammelt werden, allerdings nur von den Einheimischen. Und: Auch ihnen ist es nur während der ersten 36 Stunden einer Arribada erlaubt, die Nester auszuräumen.

Das Projekt gilt als Paradebeispiel für die nachhaltige Nutzung von Wildtierprodukten. Tatsächlich schützt die Bevölkerung nun - im eigenen Interesse - den Strand vor fremden Plünderern. Als fraglich gilt aber, ob auch die Selbstkontrolle funktioniert und sich das Sammeln der Eier auf die ersten 36 Stunden der Massenankunft der Schildkröten beschränkt. Fest steht, dass der Erfolg der besonderen Fortpflanzungsstrategie der Schildkröten vom Räuber-Beute-Verhältnis abhängt. Veränderte sich dieses zugunsten der Räuber, stünde der Bestand der Art auf dem Spiel.


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