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Fotogalerie: Fotogalerie: "Deutschland von oben"

Der Kinofilm, entstanden aus der gleichnamigen ZDF-Fernsehreihe, ist ein opulentes Porträt Deutschlands aus der Vogelperspektive. Und eine Hommage an ein Land, das "Schwierigkeiten damit hat, sich selbst gut zu finden", wie Freddie Röckenhaus sagt. Wir sprachen mit dem Produzenten und Regisseur über das neue Bild von Deutschland.

Interview:
2/11 |
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Produzent und Regisseur Freddie Röckenhaus (Foto von: imago/Horst Galuschka)
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Produzent und Regisseur Freddie Röckenhaus

GEO.de: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Deutschland von oben zu porträtieren?
Röckenhaus: Sich die Welt von oben anzusehen, wie ein Vogel, ist eine uralte Sehnsucht. In jeder Sprache gibt es ein Wort für "Vogelperspektive". Das ist ein Indiz dafür, dass uns Menschen das sehr interessiert. Was den Film betrifft: Wir waren uns schon während der Arbeiten an der Fernsehreihe einig, dass diese Bilder auf einen größeren Schirm gehören. Oder auf eine Leinwand. Weil sie sich erst da entfalten können.

Was ist Ihre Botschaft? "So schön ist unsere Heimat"?
Ich bin ein Kind einer Generation, die ein bisschen deutschlandkritisch ist. Allerdings identifiziere ich mich sehr mit diesem Land, wenn auch auf eine ziemlich unpatriotische Art. Ich glaube, dass man das dem Film anmerkt. Es ist eine Ode an ein Land, das Schwierigkeiten damit hat, sich selbst gut zu finden.


Was finden Sie denn gut?
Deutschland ist ein dicht besiedeltes Land, in dem die Naturräume stark durch Straßen zerschnitten sind. Das sieht man von oben besonders gut. Trotzdem haben wir in den relativ kleinen Lebensräumen oft einen hohen Bestand von Wildtieren. Das haben andere Länder nicht. Völlig undenkbar, dass die Briten so ein Naturleben hätten wie wir in Deutschland. Das liegt wohl auch daran, dass wir in Deutschland vor etwa 20 Jahren - man könnte darauf kommen, dass das mit dem Auftreten einer bestimmten politischen Kraft zu tun hat - angefangen haben, gegen bestimmte negative Entwicklungen anzuarbeiten.

Ein Beispiel?
Nehmen Sie den Seeadler. Vor gut 20 Jahren gab es noch zwei Paare in Deutschland. Dann verbesserte sich die Wasserqualität der Seen und Flüsse. Die Pestizide verschwanden, gerade östlich der Elbe. Und plötzlich explodierte die Seeadler-Population regelrecht. Das ist, ganz generell, die Marschrichtung des Films.

Sie setzen also auf Naturschutz-Erfolgsstories?
Wir haben uns hauptsächlich Tierarten vorgenommen, die noch vor wenigen Jahren auf einem wesentlich niedrigeren Stand waren. Die Robben auf Helgoland sind wiedergekommen - dank der Fischereischutzzone. Kaum gab es wieder Heringe und Dorsche um Helgoland, waren auch die Robben wieder da. In den Alpen wurden die Steinböcke erfolgreich wieder angesiedelt. Jetzt gibt es allein in Oberstdorf wieder 150 von ihnen. Man kann sagen, das ist wenig. Man kann aber auch sagen: immerhin!

Nach dem Motto "think positively"?
Wenn man nur zeigt, wo wieder etwas im Argen liegt, führt das nach unserer Einschätzung dazu, dass gerade jüngere Leute denken: "Wenn sowieso alles kaputt ist, gehe ich mal lieber weiter nach Kalifornien oder Florida oder Australien." Da ist übrigens auch einiges kaputt, das merkt man nur nicht so. Wir möchten die Leute staunen machen, was es alles gibt und was alles geht auf so engem Raum. Über die Freude daran erreicht man viel mehr als über den hyperkritischen Ansatz, den die Naturschützer in den 60-er, 70-er Jahren verfolgt haben - mit voller Berechtigung, übrigens. Aber mittlerweile sind wir so weit, dass sogar eine konservative Regierung den Atomausstieg beschließt. Die Fronten haben sich verändert. Die ganze Art, wie Naturschutz diskutiert wird, hat sich verändert. Ich glaube, dass der Film das sehr stark reflektiert.

Positivbeispiele sind ja schön, aber wird Ihr Ansatz der Komplexität des Naturschutzthemas gerecht?
Wir zeigen auch den Zank zwischen Nationalpark-Biologen und Naturschützern auf der einen und Tourismus-Vertretern und Alpenverein auf der anderen Seite. Die einen wollen den Borkenkäfer schalten und walten lassen, ohne einzugreifen. Das sei halt Natur. Die anderen sagen: "Ihr habt nicht alle Tassen im Schrank. Wir können die Natur nicht sich selbst überlassen, sondern müssen auf so engem Raum Kompromisse eingehen und an einigen Stellen regulierend eingreifen." Auch solche Themen ziehen sich durch den Film.

Wie haben Sie gemerkt, dass Sie mit dem Film einen Nerv treffen?
Viele von denen, die irgendwie mit dem Film beschäftigt waren, haben uns gesagt: "Das wusste ich gar nicht, dass es so etwas in Deutschland gibt." Vor zwei Tagen erzählte mir die Koloristin aus dem Kopierwerk, sie wolle jetzt mal mit ihrem 12-jährigen Sohn nach Helgoland fahren. Um sich die Robben anzusehen. Da habe er sie mit großen Augen angesehen und gesagt: "Robben? In Deutschland?" Viele wissen einfach nicht, was Deutschland alles zu bieten hat. Übrigens musste ich schmunzeln, als ich das GEO Special "Natur-Erlebnis Deutschland" am Kiosk sah. Es ist frappierend, wie ähnlich die Themen sind.

Wo hat Ihnen persönlich Deutschland am besten gefallen?
Am meisten hat mich die Elbtalaue beeindruckt. Ich kenne die Gegend, seit ich 19 bin, Hitzacker, Schnackenburg, Gorleben. Damals gab es die Grenze noch, und alles wurde überschattet von der Merkwürdigkeit dieser Grenze. Jetzt habe ich die Gegend seit der Wiedervereinigung zum ersten Mal wieder erlebt, nicht nur am Boden, sondern auch aus der Luft. Die Weite und die relative Unberührtheit dort ist einfach kolossal. Ich bin gerne in den Bergen, seit ich klein bin. Aber die Elbtalaue rührt mich besonders.

Der Filmstart ist am 7. Juni.
Mehr Infos zum Film: www.deutschland-von-oben.com



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