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Energieeffizienz: Das Haus als Kraftwerk

Die meisten Gebäude sind noch immer Energiefresser. Dabei könnten sie mehr Strom liefern, als sie verbrauchen. Die Firma juwi aus Wörrstadt zeigt, wie's geht

Text von Carina Braun

Ende Dezember 2009 fiel in Wörrstadt der Strom aus, etwa eine halbe Stunde lang. Der Ort liegt in Rheinhessen, flaches Land, viel Sonne, es war um die Mittagszeit, Bildschirme wurden schwarz, Herdplatten kalt, nichts ging mehr. Nur bei der Firma juwi lief der Betrieb ganz normal weiter. Das Gebäude hatte sich einfach abgekoppelt vom Netz.


Die sogenannte Energiekabine bündelt und optimiert die Energieversorgung und den Energiebedarf der juwi-Gebäude (Foto von: juwi Holding AG)
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Die sogenannte Energiekabine bündelt und optimiert die Energieversorgung und den Energiebedarf der juwi-Gebäude

Firmenvorstand Matthias Willenbacher, 42, sportlicher Typ, kein Anzug, steht im Keller seiner Firma. Stolz. Er deutet auf eine Reihe unscheinbarer Kästen auf dem Boden und dann auf orangefarbene Apparate an der Wand. "Das ist es", sagt er. Das Sunny-Backup-System. Ein bisschen saubere Autarkie. Die grauen Kästen sind Batterien, und in diesen Batterien: die Sonne. Hauseigene Photovoltaik-Module speisen solare Energie ein, die bei Bedarf von den orangefarbenen Inselwechselrichtern in Wechselstrom umgewandelt wird. Bei einem Stromausfall wird der Solarstrom dann nicht wie sonst ins öffentliche Netz geschickt, sondern das Gebäude baut automatisch ein "Inselnetz" auf. Durch die Batterien lassen sich auch sonnenlose Zeiten überbrücken; bisher für einige Stunden.


Noch ist das System nur auf den Notfall ausgelegt, doch es steht für ein großes Ziel: die komplette Umstellung auf erneuerbare Energie. Während Politik und Wirtschaft noch feilschen, wie sich Stromlücken nach dem Ende der Atomkraft schließen lassen, basteln andere längst an der Energiewende von unten - dort, wo es am nächsten liegt: beim eigenen Haus.

40 Prozent der Energie verbrauchen Haushalte
In den Industrienationen verbrauchen Gebäude rund 40 Prozent der Energie - für Heizung, Kühlung, Strom. Damit stehen sie noch vor Verkehr und Industrie. Für den Weltklimarat IPCC ist der Bereich der Wohn- und Gewerbegebäude der Sektor, auf dem CO2-Ausstoß am stärksten reduziert werden kann. Durch Sanierung und energiesparende Neubauten ließe sich bis zum Jahr 2020 ein Drittel sparen, so die Idee. Die Europäische Union fordert von den Mitgliedsstaaten, bis dahin einen Niedrigstenergiestandard für alle neuen Gebäude verbindlich zu machen. Steigende Rohstoffpreise haben die Bauindustrie bereits auf den richtigen Weg gezwungen: Solarzellen, Dämmmaterialien und moderne Kühl- und Heizsysteme machen Häuser immer umweltfreundlicher und effizienter.

Für Willenbacher ist das Gebäude seiner Firma Versuchslabor und Marketinginstrument zugleich. Juwi baut Solarparks, Windkraft- und Biogasanlagen. 1996 gegründet, wuchs der Zwei-Mann-Betrieb in den ersten zehn Jahren zu einer Firma mit 300 Mitarbeitern. Ein neues Gebäude musste her - eines, das zeigen sollte, was technisch und ökologisch möglich ist.

Seit Juli 2008 steht es nun, architektonisch unauffällig, ein rechteckiges Holzhaus, Fichte innen, witterungsbeständige Lärche außen, unbehandelt. Die Firma wuchs weiter; ein fast identisches Gebäude kam gegenüber dazu. Und mit jeder neuen Fläche sammeln sich ein paar mehr Energiefänger an: Solarzellen auf dem Dach, den Carports, den Terrassen, sogar wie kleine Kacheln in die Fenster der Mensa eingefügt. 707.000 Kilowattstunden wurden im Jahr 2011 so gewonnen.



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Kommentare zu "Das Haus als Kraftwerk"

Thomas Berg | 05.09.2012 17:01

prinzipell muss sich jeder darüber im Klaren sein, dass Engergie in verschiedenen Formen in unserer Umwelt ruht.
Das Beispiel hier zeigt eigentlich einmal wieder wie versucht wird diese so zu vermarkten. Dem Laien soll glaubhaft gemacht werden wie trendy die teure Umformung von grüner Energie ist. Wer also was auf sich hält macht da mit.
Ich persönlich halte es für äuserst bedenklich mit der benötigten Energie einen Reibach in der zur Zeit offensichtlichen Art zu erwirtschaften.
Ganz zu schweigen von den Energiebilanzen, die Beweispflicht ist bis heute nicht erbracht.
Das Bsp. Mais und Weizen in die Biogasanlage zeigt wie viel Fördergelder es unseren
Volksvertretern wert ist die entsprechende Industrie zu puschen.
Wie viel Tonnen von Diesel werden auf den Anbauflächen verfahren bis der Mais verstromt wird, was kostet die Herstellung der Anlagen ... welchen CO² Ausstoß verursacht all dieses Prozedere?
Toll finde ich das Haus, das gebundene CO² in Holz hat Zukunft...... Beitrag melden!

Daniel | 25.07.2012 14:16

Also prinzipiell ist der Ansatz zu energieeffizienten Bauten natürlich der Richtige. Dieser wird natürlich auch schon seit nunmehr 10 Jahren über die EnEV (http://www.sparkasse.de/privatkunden/baufinanzierung/energie-sparen/energieeinsparverordnung.html) geregelt, welche 2009 seine letzte Überarbeitung erfahren hat.

Es ist halt immer schwierig ein solches Produkt als wirtschaftlich sinnvoll zu verargumentieren. Subventionen hier, Fördergelder da ... und wie auch schon im Artikel beschrieben steht: nur was wirtschaftlich Sinn macht, wird auch in der breiten Masse umgesetzt.

Ähnlich wie bei den ganzen Green-IT Produkten bleibt wie immer eine Frage offen. Wie sieht es wirklich mit der Energiebilanz aus? Wieviel Energie wird dafür verwendet, die aufwändigen Bauten zu realisieren? Energiehütte ... Röhrensysteme etc. ... über diesen Aufwand wird eh nie diskutiert.

Enthaltung zum Thema Holzpellets!

In Zeiten der Energiewende kommen solche Produkt gut an ... ob sie gut sind oder nicht! Beitrag melden!

Hajo Naumann | 18.04.2012 10:22

Das sind ja mal wieder geschönte Zahlen, dass einem schwindlig wird. Wird versucht einen professionellen Artikel zu schreiben oder einem eine Versicherung zu verkaufen? Beitrag melden!

Isi | 04.04.2012 11:10

So ein Quatsch. Und die Produktion der Holzpellets für den Winter hat eine positive Energiebilanz? Dümmlicher Werbeartikel... Beitrag melden!

Rudi K. Sander | 04.04.2012 09:21

Setzen Sie sich doch mal in Verbindung mit dem Bauingenieur Theo Rehbein in Springen/Untertaunus, der hat schöne Häuser gebaut in Baden-Würtemberg und (geplant) in Wiesbaden, die Ähnliches leisten:
Theo Rehbein
Dudenstrasse 2
Tel.: 06124 / 72 10 60

Rudi K. Sander, Tel.: 06124 / 4934 Beitrag melden!


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