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GEO Magazin Nr. 11/00 - Wie der Bauch den Kopf bestimmt - Heft vergriffen - › Abonnieren

Neurologie: Wie der Bauch den Kopf bestimmt

Geahnt haben es die Menschen schon immer: Der Sitz der Gefühle liegt im Zentrum des Körpers. Dort, wo Aufregung "Schmetterlinge flattern" lässt, wo Ärger "auf den Magen schlägt". Nun gibt die Wissenschaft ihnen allen Recht: Der Bauch mit seinem ausgeklügelten Verdauungssystem, seinem unappetitlichen Inhalt und den eher peinlichen Bekundungen seiner Existenz ist in das Interesse der Forschung gerückt

Text von Hania Luczak

Der Grund dafür", sagt der amerikanische Neurowissenschaftler Michael Gershon, Chef des Departments für Anatomie und Zellbiologie der Columbia University in New York, "ist das Gehirn in unserem Bauch.


Mögen die Eingeweide auch hässlich erscheinen und von Wissenschaft und Gesellschaft tabuisiert werden - sie sind umhüllt von mehr als 100 Millionen Nervenzellen: mehr Neuronen, als im gesamten Rückenmark zu finden sind. Dieses "zweite Gehirn", so haben Neurowissenschaftler herausgefunden, ist quasi ein Abbild des Kopfhirns - Zelltypen, Wirkstoffe und Rezeptoren sind exakt gleich.


"100 Millionen Nervenzellen umhüllen den menschlichen Verdauungstrakt; 
hier die eingefärbte Röntgenaufnahme eines Dickdarms" (Foto von: IMDM, UKE Hamburg)
© IMDM, UKE Hamburg
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"100 Millionen Nervenzellen umhüllen den menschlichen Verdauungstrakt; hier die eingefärbte Röntgenaufnahme eines Dickdarms"

Was aber macht dieses zweite Gehirn? Denkt und fühlt es, erinnert es sich?


Neueste Forschungen zeigen, dass psychische Prozesse und das Verdauungssystem weitaus inniger gekoppelt sein könnten, als man bisher gedacht habe. Das Bauchhirn spielt eine große Rolle bei Freud und Leid, doch die wenigsten wüssten überhaupt, dass es existiert, sagt der 62-jährige Gershon, den seine jüngeren Kollegen als "Entdecker" bezeichnen.


Gershon winkt ab. Nein, er habe jenes "zweite Gehirn" nicht entdeckt. Er habe es mit der Hilfe vieler anderer höchstens wiederentdeckt. Denn schließlich habe seine Zunft, die Neurogastroentrologie, eine mehr als 100-jährige Geschichte.


Das erste Kapitel spielt schon Mitte des 19. Jahrhunderts und handelt von dem deutschen Nervenarzt Leopold Auerbach. Als er ein Stückchen Gedärm zerlegte und durch ein einfaches Mikroskop genauer betrachtete, sah er etwas, das ihn stutzig machte: In die Darmwand eingebettet sind zwei Schichten eines Netzwerkes von Nervenzellen und -strängen, hauchdünn und zwischen zwei Muskellagen versteckt.



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Kommentare zu "Neurologie: Wie der Bauch den Kopf bestimmt"

Nachtrag zu "Solarplexus; Der Vergleich zwischen Ost und West" | 31.10.2011 12:44

Hier eine Berichtigung zu meinem Artikel vom 30.10. : Die Japaner statt der Chinesen prägten den Begriff Hara und maßen diesem Bereich größere Bedeutung zu (siehe auch --> japan. Kampfkünste, "Hara-Kiri" usw) Beitrag melden!

Solarplexus; Der Vergleich zwischen Ost und West | 30.10.2011 20:47

Diese wichtigen Erkenntnisse der westlichen Wissenschaftler, sollte verbunden werden mit viel älteren östlichen Erkenntnissen, die auch heute existieren, jedoch zu oft als Spinnerei, Phantasie und als "nicht Wissenschaftlich belegbar" abgestempelt werden. Die Chinesen wussten schon vor langer Zeit um das Hara/Tanden als die Mitte und das Zentrum der Kraft des Menschen. In der alten indischen Chakrenlehre (Lehre der feinstofflichen Energiezentren im Körper) wird das dritte der sieben Hauptchakren, das Solarplexus-chakra den Verdauungsprozessen, dem Verarbeiten von Gefühlen und der Willenskraft und Selbstständigkeit, zugeschrieben.

http://www.chakra.7-gates.de/nabelchakra_funktion.php#aufgaben

Also, auf zu einem ganzheitlichen Verständniss des Menschen! Beitrag melden!

Muschel | 15.08.2011 11:35

Der Artikel hat zur Klärung etlicher "stressiger"Vorgänge in meinem Körper beigetragen: Psyche-Darm-Wechselspiel. Habe dann und wann das, was man Angst-, Bangen-, Panikanfälle nennt. Wenn dieses Gefühl aufsteigt (ohne dass es einen real begründeten Anlaß gibt), meldet sich der Bauch, als sei er unter Strom, ein Striom, der sich regelrecht fortpflanzt bis zum Anus. Prompt entsteht Stuhldrang, doch ohne Dramatik, ohne Krämpfe, ohne Darmgurgeln. Ob Tag- oder Nachtzeit, aber zu 80% nachts. Der Stuhl kann alle 5 oder 10 Minuten ausgelöst werden, es schließt sich eine sofortige Ruhephase an, bis das Bangegefühl wieder ansteigt und den Stuhldrang auslöst. Der Darm reagiert nur in diesen Panikphasen derartig. Sonst ist alles vollkommen unauffällig und 'normal'. Beitrag melden!

Psycho-Freak | 14.02.2009 18:08

Prozac (=Fluoxetin) istkeine "Psycho-Droge"! Es ist ein Antidepressivum, welches bei Depressionskranken den zu niedrigen Serotoninspiegel erhöht. Es dauert mindestens zwei Wochen, bis es beginnt zu wirken, und man wird auch nicht high davon, wie Sie mit dem Begriff "Psycho-Droge" suggerieren. Vielmehr ermöglichtes lediglich ein halbwegs normales Gefühlsleben.

Eigentlich hätte ich mehr von Ihnen erwartetals B*LD-Zeitungs-Niveau. Beitrag melden!

Frohmut Fischer-Schaarschmidt | 07.09.2007 23:25

Dieser hochinteressante und einprägsame Artikel ist zu Recht in das Dossier des Themenlexikons Gesundheit übernommen worden. Ich habe ihn eben zum 3. Mal gelesen. Mir ist seit der 1. Lektüre in 2000 sehr bewußt, wie aktiv mein Bauchhirn ist, wie es streikt, sich mit mir unterhält und mir sagt: Schütze Dich, komm zur Ruhe, das war zu viel.

Merci erneut an GEO Beitrag melden!


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