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Interview: Plädoyer für ein drittes Geschlecht
GEO WISSEN-Autorin Ines Possemeyer befragte den Intersexuellen Michel Reiter. Als Mitbegründer der "Arbeitsgruppe gegen Gewalt in der Pädiatrie und Gynäkologie" setzt er sich für das Recht auf körperliche Unversehrtheit von Zwittern ein
GEO: Sie haben beim Standesamt die Änderung Ihrer Geburtsurkunde beantragt. Wie soll der neue Eintrag lauten?
Reiter: Ich möchte, dass dort statt "Birgit Reiter, weiblich" wieder mein Geburtsname "Michel Reiter" steht und als Geschlecht "Zwitter". Den Begriff "intersexuell" lehne ich ab, weil er aus der Medizin stammt.
GEO: Warum nicht "männlich"?
Reiter: "Michel" steht nicht für Mannsein, sondern für die ersten acht Monate meines Lebens, als ich noch körperlich unversehrt war. Mein eigentlicher Wunsch wäre ein Strich in der Geburtsurkunde. Aber die Justiz kennt kein "Nichts". Also müsste eine dritte Geschlechtskategorie geschaffen werden. Ich hoffe auf eine Grundsatzdiskussion über das Thema: Was ist eigentlich "Geschlecht"? Der Staat orientiert sich bislang an der Medizin, an deren zwei Geschlechtskategorien. Wenn aber eine politische Entscheidung dazu führt, Hermaphroditen amtlich anzuerkennen, dann könnte sie die Medizin nicht länger pathologisieren.
GEO: Gibt es nicht ein Bedürfnis nach eindeutiger Zuordnung?
Reiter: Bei mir nicht, ich fühle mich als weder noch. Ich denke, seine Identität kann nur finden, wer nicht Folter und Gewalt ausgesetzt wird.
GEO: Folter und Gewalt?
Reiter: Ich meine psychische Folter. Aber ich glaube auch, dass die Operationen an Zwittern gegen das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit verstoßen. Man müsste die Mediziner wegen schwerer Körperverletzung belangen können und die Eltern wegen Misshandlung Schutzbefohlener.
GEO: Sie haben beim Standesamt die Änderung Ihrer Geburtsurkunde beantragt. Wie soll der neue Eintrag lauten?
Reiter: Ich möchte, dass dort statt "Birgit Reiter, weiblich" wieder mein Geburtsname "Michel Reiter" steht und als Geschlecht "Zwitter". Den Begriff "intersexuell" lehne ich ab, weil er aus der Medizin stammt.
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