GEO WISSEN Nr. 42 - 11/08 - Sanfte Medizin Seite 1 von 4
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Text von Susanne Paulsen

Biofeedback: Wie wir uns selbst steuern können

Computergestützte Techniken helfen vielen Patienten, ihren eigenen Körper und dessen Reaktionen besser kennenzulernen. Nicht nur Kopfschmerzen und Stresssymptome lassen sich so lindern


Wir nehmen jetzt Ihr Stressprofil auf", sagt die Psychotherapeutin Barbara Timmer. Sechs Patienten und ich sitzen im Halbkreis an Tischen. Jeder von uns ist über dünne schwarze Kabel mit einem Computer verbunden. Die Lehrerin mit dem müden Gesicht, eine der sechs, hält sich kerzengerade. Der schwergewichtige Verwaltungsangestellte vier Plätze weiter links dagegen füllt seinen Drehstuhl aus, als sei er hineingegossen worden. Alle sind ein wenig blass. Wer mag schon seine persönlichsten Körperreaktionen offenlegen, sie per Sensor und Software ausspionieren lassen? Hier, an einem der weltweit größten Zentren für Biofeedback, das zur psychosomatischen Klinik Roseneck in Prien am Chiemsee gehört, ist das Alltag.



Ein Sensor am Zeigefinger des Patienten registriert beim Biofeedback, wie schnell das Herz schlägt und wie groß der Stress ist. Diese Daten werden simultan in Messkurven umgewandelt, die der Patient auf einem Monitor sieht. In der Therapie lernt er, sie allein durch Willenskraft zu verändern (Foto von: Bryan Christie Design)
© Bryan Christie Design
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Ein Sensor am Zeigefinger des Patienten registriert beim Biofeedback, wie schnell das Herz schlägt und wie groß der Stress ist. Diese Daten werden simultan in Messkurven umgewandelt, die der Patient auf einem Monitor sieht. In der Therapie lernt er, sie allein durch Willenskraft zu verändern

Moderne Technik, altes Heilprinzip

Die Therapeuten nutzen modernste Technik, um ein sehr altes Heilprinzip zu vermitteln: Gesund bleibt und wird, wer sich selbst kennt und sinnvoll durch den Alltag lenkt. Menschen, die sich beim Yoga verknoten oder meditieren, handeln nach der gleichen Maxime. Doch Biofeedback- Therapeuten nehmen für sich in Anspruch, besonders gezielt zu arbeiten. Sie legen Patienten an verschiedenen Körperstellen Sensoren an, die Pulsfrequenz, Blutdruck, Körpertemperatur, elektrische Aktivität der Muskeln und die Leitfähigkeit der Haut messen. Computer werten die Messdaten aus und stellen sie als Bild, Grafik oder Melodie dar. Durch diese Rückmeldung ("feedback") soll der Patient lernen, sich in Zukunft besser zu "steuern". In den USA ist Biofeedback seit Jahrzehnten weitverbreitet, nun wird das Therapieverfahren auch in Europa immer beliebter.


Ist der Einsatz von Sensoren und Computern nur etwas für Technik- Verliebte? Ist es ein bequemer Service für jene, die sich lieber verkabeln lassen, statt sich auf ein Mantra zu konzentrieren, wie etwa bei einer Meditation? Oder ist es eine wirksame und zeitgemäße Erweiterung der alternativen Heilkunde? Auf dem Bildschirm vor mir erscheint die erste Aufgabe des Stresstests. "Wenn eine Uhr pro Stunde vier Sekunden nachgeht, wie viele Sekunden macht das am Tag?", lautet sie. Ich rechne so schnell wie möglich. Der Computer registriert, was dabei mit meinen Muskeln und meinem Nervensystem geschieht. Zuvor hat mir Barbara Timmer kleine runde Elektroden - eine links, eine rechts - auf die großen Muskelstränge geklebt, die seitlich am Hals Schädel und Schulterblatt verbinden.


Ein Sensor misst die Schweißproduktion

Ein schwarzes Klettband um meinen rechten Ringfinger hält einen Messfühler, der die elektrische Leitfähigkeit meiner Fingeroberfläche registriert. Bei den Rosenecker Biofeedback- Experten suchen Patienten Hilfe, die unter starker Erschöpfung leiden, unter Lärmempfindlichkeit, Rückenschmerz, Spannungskopfschmerz, Migräne oder unruhigem Schlaf. Andere quälen sich mit weitverbreiteten "somatoformen Störungen" herum, die sich organmedizinisch nicht erklären lassen - mit Übelkeit, Schwindel oder Herzrasen etwa.


Die Therapie dauert mehrere Wochen. Je nach Krankheitsbild gehören zu dem Behandlungsplan noch Ernährungsberatung, Sport, konventionelles Entspannungstraining, Krankengymnastik, Medikamente sowie Gespräche mit einem Psychotherapeuten. Nachdem Barbara Timmer reihum das Ergebnis der ersten Aufgabe abgefragt hat, sollen wir uns zwei Minuten lang entspannen. Danach folgen weitere Aufgaben. Nach etwa 20 Minuten ist der Stresstest abgeschlossen. Kann eine so kurze Messung etwas Aussagekräftiges erbringen? Wird das Ergebnis nicht viel zu stark beeinflusst von der Art der Aufgaben, von der Umgebung, der Tagesform?



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Kommentare zu "Biofeedback: Wie wir uns selbst steuern können"


ResoMed | 05.04.2009 19:07

Ja das gibt es! Ich vertreibe unter Anderem dieses System. Bei Interesse stehe ich gerne für Infos zur Verfügung unter mariomahn@t-online.de. Beitrag melden!

cordes | 25.03.2009 22:04

Ich suche eine Methode Biofeedback zuhaus auf dem PC anzuwenden. gibt es selbstnutzbare programm - ich kenne die methode seit langem aus der psychologie an der uni. herzlichen dank anne cordes Beitrag melden!

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