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Ein Kraut wirkt Wunder
500 Millionen Menschen erkranken in jedem Jahr an Malaria, allein in Afrika erliegen Hunderttausende von Kindern dem Todesfieber. Die herkömmlichen Medikamente wirken kaum noch. Doch jetzt ist Hoffnung: Eine unscheinbare Beifuß-Pflanze aus den Bergen Südchinas verspricht Heilung. Die Entdeckung von Artemisinin ist epochal wie die des Penizillins. Und zugleich ein tragisches Kapitel aus dem Ost-West-Konflikt
Nur eine halbe Stunde von Bangkok nach Mae Sot - und doch ein Flug in einen anderen Kosmos. Tropischer Bergwald, durch Brandrodung versengt, im Tal verwilderte Bananenstauden, überrannt von wucherndem Bambus, dazwischen der Fluss Moei, die Grenze zu Myanmar, früher Burma. Auf dem thailändischen Ufer steht das Feldlazarett "Shoklo Malaria Research Unit": eine Holzbaracke auf Pfählen, gegliedert in Nischen mit roh gezimmerten Pritschen, ein winziges Labor für Bluttests, zwei Latrinen und einen Ruheraum.
Ein fiebrig verschleierter Blick
Auf Bänken und dem nackten Boden lagern an diesem Morgen 54 Patienten beiderlei Geschlechts und jeden Alters, vom Säugling bis zum Greis. Es sind ausnahmslos Karen, Angehörige einer aufständischen Minderheit, in Myanmar verfolgt. Doch diese Karen erscheinen wie eine Schar lebloser Geister - teilnahmslos, mit fiebrig verschleiertem Blick: Anzeichen von Malaria tropica, einer im burmesischen Niemandsland endemischen Infektionskrankheit. Sie beginnt mit Fieber und Kopfschmerzen, führt zu Leber- und Nierenversagen und endet im Hirnkoma mit meist tödlichem Ausgang.
Die Ambulanz ist ein Außenposten des Instituts für Tropenmedizin an der Mahidol-Universität in Bangkok. Es wird fachlich und finanziell unterstützt von der britischen Stiftung "Wellcome Trust" und der University of Oxford, die sich beide für die Bekämpfung der Malaria engagieren. Ihr Programm: bei der Behandlung burmesischer Flüchtlinge ein neues "Wundermittel" zu testen - Artemisinin, einen hochwirksamen Malariakiller auf pflanzlicher Basis. Das Sagen in der Ambulanz hat Win Htay Simon, 33, die Kareni, Burmesisch, Thai und Englisch spricht. "Je nach Alter, Geschlecht und Gewicht sowie dem Zustand des Patienten bemessen wir die Dosis und die Dauer der Einnahme des Mittels", erläutert Simon. "Wir haben mit Artemisinin ausgezeichnete Erfolge erzielt, besonders bei schwangeren Frauen, unserer Risikogruppe."
Die Krankheit ist weiter auf dem Vormarsch
"Artemisinin ist hochpotent, schnell wirksam und gut verträglich", hat auch die internationale Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" festgestellt. "Bereits nach der ersten Dosis sind 90 Prozent der Erreger vernichtet." Ein solches Medikament wäre eine unschätzbare Errungenschaft bei der Bekämpfung der Menschheitsgeißel Malaria. Denn die Krankheit ist weiter auf dem Vormarsch: in Lateinamerika, in Südostasien, auf dem indischen Subkontinent; in erster Linie aber in Afrika. An dieser verlustreichsten Front mit 90 Prozent der weltweit 500 Millionen Malariainfizierten sterben alljährlich zwei Millionen Menschen an der Krankheit, mit steigender Tendenz. Die meisten Opfer sind werdende Mütter und Kinder unter fünf Jahren. Standardmittel wie das seit einem halben Jahrhundert verabreichte Chloroquin sowie dessen Nachfolger Fansidar sind inzwischen gegen den Malariaerreger Plasmodium falciparum mehr oder minder unwirksam geworden und haben überdies horrende Nebenwirkungen.
Alle Hoffnung ruht nun auf dem neuen Wundermittel. Aber was ist Artemisinin und woher stammt es? Die Herkunft und Besonderheit des Wirkstoffs mit dem chinesischen Namen Qinghaosu, einer Kräuterarznei der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), sind am mittleren Jangtse zu suchen. Eine lange Reise in die Wuling-Berge südlich von Chinas mächtigstem Fluss. Nach der Passage der Achtmillionen-Metropole Chongqing taucht der Jangtse in jene Landschaft ein, die den Strom zu einem Mythos hat werden lassen: schroffe Schluchten, nebelverhangene Gipfel und schwarz gähnende Höhlen an den Flanken des Flussbetts. Hier entsprang Chinas Machtsymbol, der fabelhafte Drache - Wächter des Ostens, Sinnbild der Naturkraft und Spender des Regens. Letzteres ist er immer noch, zehn Monate im Jahr.
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Kommentare zu "Ein Kraut wirkt Wunder"
Hi ! Aber nicht so tun als wäre das die einzige ! Es gibt viele davon, beispielsweise Aronia oder Selvia ! MfG
Ihrem sehr guten Artikel geht leider am Ende die Puste aus.Es ist zwar richtig dass gegen sogenannte Kombinationspräparate Resistenzen auftreten und dagegen etwas getan gehört.Aber bitte nicht ausgerechnet von Novartis/Konsorten.Der ursprüngliche Tee aus der Pflanze artemisia annua ist hochwirksam und billig und ein nat. Kombipräparat. Ausser artemisin sind noch zahlreiche (etwa 50)weitere Stoffe wirksam und das bereits seit 2000 Jahren in denen deswegen keine Resistenzen entstanden sind. Beweis: Malariawirksam sind in der Pflanze z.B. Casticin, Cirsilineol etc. pp. Es gibt Artemisiapflanzen,die kein Artemisinin enthalten aber eine gewisse Wirksamkeit haben: A. absinthium abr. afra z.B..Jetzt ist die Pharmaindustrie zugange und hoppla -Resistenzen. Warum die indust. Kombipräp. in Wahrheit typisch Mono sind und warum es um üblen Profit geht: www. anamed.net/html/revo-artemisiatee.html. Dort schreiben ehrenamtl. Spezialisten für Menschen,die auch akt. Fehler der WHO aufzeigen. henry