GEO Magazin Nr. 05/01 - Astrologie Seite 1 von 1
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Artikel vom 14.5.2001

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Medizin: Egelsaft fürs Herz

Statt des gerinnungshemmenden, aber allergische Reaktionen auslösenden Heparins könnte ein gentechnisch produziertes Blutegelsekret bei Herzoperationen helfen


Es war ein Notfall: Sechs Tage nach einer Krampfaderoperation verschloss ein Blutgerinnsel die Lungenschlagader einer Patientin fast vollständig. Die Lungenfunktion wurde immer schwächer, das Herz drohte zu versagen. Die Frau musste wiederbelebt und von Herzchirurgen notoperiert werden. Wie üblich war der Patientin nach ihrer Krampfaderoperation über mehrere Tage ein so genanntes Antikoagulans gespritzt worden, damit sich in den Beinvenen kein Blutgerinnsel bildete. Das verabreichte Mittel enthielt als Wirksubstanz Heparin, das aus der Leber oder dem Darm von Schweinen gewonnen wird und eigentlich dem Verklumpen von Blutplättchen - der Bildung so genannter Thromben - vorbeugen soll.


Doch bei dieser Patientin löste das Heparin eine heftige Allergie aus, weil ihr Organismus Antikörper gegen einen Komplex aus Heparin und dem Plättchenfaktor 4 entwickelte. Dadurch waren, statt dass sie verhindert wurden, erst recht Thromben in den Beinvenen entstanden und über das venöse System bis ins Herz transportiert worden. Nunmehr drohten die Blutklümpchen, die Lungenschlagader zu verschliessen. Erkannt wurde die Allergie schliesslich dadurch, dass im Blut der Frau zugleich mit der Verklumpung von Gerinnungszellen ein charakteristischer Mangel an freien Thrombozyten entstanden war, eine so genannte "heparininduzierte Thrombozytopenie" (HIT). Den Chirurgen gelang es, das Leben der Patientin zu retten - aber nur, weil sie bei der Notoperation statt eines heparinhaltigen Mittels Hirudin einsetzten, ein Antikoagulans, das nach dem Vorbild des Speicheldrüsensekrets des Blutegels (Hirudo medicinalis) gentechnisch erzeugt worden war.


Die gerinnungshemmenden Eigenschaften von Hirudin sind seit der Antike bekannt. Und bereits in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat der Giessener Arzt Georg Haas Blutegelextrakte für die Blutwäsche beim Menschen verwendet. Allerdings hat sich diese Methode bei grösseren Eingriffen nicht durchgesetzt - wegen mehrerer Nebenwirkungen, insbesondere Blutungen. Diese Komplikationen wurden jedoch, wie man heute weiss, nicht durch das Hirudin ausgelöst, sondern durch die "Begleitmasse" - die ausgequetschten Blutegel. 1955 gelang es dem Mediziner Fritz Markwardt, die molekulare Struktur des gerinnungswirksamen Blutegelsekrets zu entschlüsseln. Das Molekül erwies sich im Vergleich zu Heparin als derart einfach strukturiert, dass es dank der modernen Gentechnik seit Mitte der achtziger Jahre möglich ist, gereinigtes Hirudin zu synthetisieren. Damit begannen dann auch schon zahlreiche Studien beispielsweise in der Herzchirurgie. Bereits seit 1988 studiert der im Albertinen-Krankenhaus in Hamburg tätige Herzchirurg Friedrich-Christian Riess in Zusammenarbeit mit Medizinern vom Max-Planck-Institut für Hämostaseologie und Thrombose in Bad Nauheim den Einsatz des künstlichen Hirudins bei Herzoperationen mit der Herz-Lungen-Maschine. Für die Herzchirurgie ist der Ersatzstoff von besonderer Bedeutung. Denn hier sind Patienten relativ häufig von HIT betroffen, weil während der Operation das Blut durch die Herz-Lungen-Maschine, also über grosse körperfremde Oberflächen, geleitet wird und deshalb grosse Mengen an Antikoagulantien eingesetzt werden müssen.


Allerdings erkennen auch heute noch viele Ärzte eine Thrombose nicht gleich als heparininduziert. Erst seit wenigen Jahren wird auch auf Beipackzetteln davor gewarnt, und entsprechend vage ist bislang die Risikoabschätzung. Danach wären zwischen 0,5 und zehn Prozent aller Herzpatienten gefährdet.


Links zum Thema

http://www.biomedicus.de/behandlung/blutegel.htm Darstellung der alten Behandlungsformen mit Hilfe von Blutegeln. In der Linkliste gibt es einen Blutegel-Versand - aber nur für die Schweiz.

http://www.naturheilkundelexikon.de/Hirudin.htm Hirudin und Blutegelbehandlung.





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