GEO Magazin Nr. 04/04 - Der geheimnisvolle Pharao Seite 1 von 1
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Artikel vom 22.3.2004

GEO Magazin Nr. 04/04 - Der geheimnisvolle Pharao - vergriffen - › Abonnieren

Sozialforschung: Aids in festen Beziehungen

In Afrika grassiert die Immunerkrankung Aids wie auf keinem anderen Erdteil. Das Beispiel Botswana lässt vermuten: Nicht permanent wechselnde Sexualpartner sind die Ursache, sondern stabile Parallelbeziehungen


Für afrikanische Verhältnisse geht es Botswana gut. Die Wirtschaft floriert dank reicher Diamantvorkommen; Korruption, Kriminalität und Drogenkonsum spielen kaum eine Rolle. In jüngerer Zeit war das Land nie in Kriege verwickelt. Das Bildungssystem gilt als das zweitbeste des Kontinents.


Doch ausgerechnet Botswana leidet unter der weltweit höchsten HIV-Infektionsrate: Etwa 40 Prozent der sexuell aktiven Erwachsenen sind betroffen. Dieser Anteil hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt, allen Aufklärungsprogrammen, Verhütungsmitteln und Gratismedikamenten zum Trotz.


Wie ist das zu erklären? Gemessen an der Zahl der jährlichen Sexualpartner, ist man - einschlägigen Studien zufolge - in Afrika kaum zügelloser als in Indien, Russland oder den USA. Doch in diesen Ländern wird die Infektionsrate auf nur rund ein Prozent geschätzt. Selbst Thailand mit seinem gewaltigen Drogen- und Prostitutionsproblem kommt auf kaum mehr als zwei Prozent HIV-Infizierte.


Eine besonders aggressive Virusvariante kann für Botswana wohl ausgeschlossen werden. Stattdessen belegt das Land besonders anschaulich eine Theorie der Soziologin Martina Morris von der University of Washington in Seattle, die sie ursprünglich am Beispiel von Uganda entwickelt hatte. Die Wissenschaftlerin ermit-telte bei Feldstudien, dass die Menschen dort oft mehrere dauerhafte Beziehungen neben-einander unterhalten: Gleichzeitig neben der Ehefrau einige feste Freundinnen zu haben, ist keine Seltenheit. Diese haben häufig ebenfalls Sexualkontakte zu mehreren festen Partnern. Gerade bei solchen Langzeitbeziehungen werden Kondome kaum benutzt.


In diesen Beziehungsnetzen kann sich Aids ideal ausbreiten. Weil das Virus statistisch nur bei jedem 600. Geschlechtsakt weitergegeben wird, ist das Infektionsrisiko in dauerhaften Mehrfach-Partnerschaften besonders hoch. Gerät nur ein Infizierter in ein solches Netz, kann der Sexualkontakt mit ihm eine Kettenreaktion auslösen: Aids verbreitet sich über das ganze Land.


Abhilfe scheint nur die Beschränkung auf einen Sexualpartner zu schaffen. Uganda konnte durch entsprechende Aufklärung seine Aids-Rate in den 1990er Jahren von 18 auf sechs Prozent senken. Auch Botswanas Regierung will nun die monogame Lebensführung propagieren. Ohne eine starke Frauenbewegung wie in Uganda dürfte dies jedoch schwierig werden.


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