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Text von
Tobias Haberl
Das älteste Wohlfühlrezept der Welt
Ayurveda trifft den Zeitgeist: Fitnesszentren und Thermen haben die 3000 Jahre alte Lehre vom Leben im Gleichgewicht für sich entdeckt. Wellness-Fans sind begeistert - Kritiker befürchten eine Verwässerung der indischen Heilkunde durch westlichen Kommerz
Bildunterschrift: Die Ayurveda-Massage: Entspannung pur
59 Euro für eine Ölmassage, 74 Euro für einen einstündigen Stirnguss aus warmem Öl: So viel können ayurvedische Behandlungen in deutschen Bädern, Spas und Wellnesstempeln schon mal kosten. Das Wohlergehen steigern solche Preise nicht unbedingt. Trotzdem interessieren sich mehr und mehr Menschen für diese traditionellen indischen Vorsorge- und Therapiemethoden. Sie vertrauen der ganzheitlichen Philosophie von Ayurveda und sehen sie als sinnvolle Ergänzung zur westlichen Schulmedizin.
Ursprung und Entwicklung
Die traditionelle indische Medizin Ayurveda (ayus = Leben, veda = vollständiges Wissen) ist mehr als 3000 Jahren alt. Sie basiert auf drei medizinischen Lehrbüchern (Samhita). Eines davon, die Caraka-Samhita, beschreibt die ayurvedische Grundidee so: "Alles Leid wurzelt in Unwissenheit, alles Glück in reinem Wissen." Erste Ansätze der Lehre finden sich schon in den Veden, altindischen Schriften über Philosophie, Religion und Naturwissenschaften, um ca. 5000 v. Chr. Ayurveda ist damit die älteste Heilkunde der Menschheit. Sie beeinflusste sowohl die antike griechische als auch die traditionelle chinesische Medizin.
Neun Jahre bis zum "Ayurveda-Arzt"
Im 20. Jahrhundert haben sich sowohl in Indien als auch im Westen verschiedene Schulen und Interpretationen des Ayurveda etabliert. In Deutschland verbreitet ist vor allem der Maharishi-Ayurveda. Die Maharishis nehmen für sich in Anspruch, den authentischen, traditionellen Ayurveda wieder belebt und auf westliche Bedürfnisse ausgerichtet zu haben. Kritiker der Maharishi-Bewegung grenzen diese allerdings klar vom medizinischen Ayurveda Indiens ab. Die Gleichsetzung ayurvedischer Therapien mit spirituellen Aussagen sei so, wie es die Maharishi-Anhänger betreiben, nicht zulässig.
Seinen Ursprüngen nach ist Ayurveda alles andere als esoterische Spielerei. Da die Bezeichnung "Ayurveda" nicht geschützt ist, können heutzutage Missbrauch und falsche Anwendung jedoch nicht verhindert werden. Schwierigkeiten entstehen, weil hier eine traditionelle Medizin auf eine industrialisierte, kommerzorientierte Gesellschaft trifft: Theoretisch kann jede Kosmetikerin Ayurveda-Behandlungen anbieten. In Indien braucht ein Medizinstudent sechs Jahre bis zum Staatsexamen, weitere drei Jahre klinischer Arbeit bis zum "Doctor of Ayurveda". Bis heute erhalten dort jährlich rund 4.000 Ayurveda-Ärzte ihre Zulassung an Universitäten und Ausbildungszentren.
Bildunterschrift: Auch der Kopf kommt bei Ayurveda-Massagen nicht zu kurz
Die drei Doshas
Zentraler Grundgedanke der ayurvedischen Medizin ist die Lehre von den drei Lebensenergien, den Doshas: Vata, Pitta und Kapha. Im Körper jedes Menschen sind Vata-, Pitta- und Kapha-Eigenschaften in unterschiedlicher Ausprägung vorhanden. Köperbau, Temperament, Talente und viele andere individuelle Eigenschaften jedes Menschen werden laut Ayurveda vom Mischverhältnis der Doshas im Körper beeinflusst.
Bei einem vollständig gesunden Menschen stehen die Doshas in einem dynamischen Gleichgewicht. Diesen individuellen Soll-Zustand nennt die ayurvedischen Lehre Prakruti. Bei vielen Menschen ist dieses Dosha-Gleichgewicht aber durch Stress, falsche Ernährung oder Umwelteinflüsse gestört. Dieser Ist-Zustand wird im Ayurveda Vikruti genannt.
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