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Kindererziehung: Gebärden für Babys
Wenn sie noch nicht reden können, kommunizieren Babys mit Gesten. Wiebke Gericke bringt deshalb Eltern und Kindern die Gebärdensprache bei. Mit Erfolg: Die Kleinen können sich mitteilen und sind zufriedener. Ein Interview
Mit Babys per Zeichensprache zu kommunizieren gilt in Deutschland als exotisch. Dabei sind "Baby Sign Classes" in den USA und Großbritannien schon so selbstverständlich wie hier die "Krabbelgruppe". Die Pädagogin Wiebke Gericke erklärt in ihrem Buch "babySignal – Mit den Händen sprechen", wie sich Kinder mit Hilfe der deutschen Gebärdensprache verständigen können, lange bevor sie die ersten Wörter sprechen können. Wozu das gut ist, hat sie GEO.de in einem Gespräch erzählt - einem mündlichen.
GEO.de: Frau Gericke, wenn Sie ohne ein Wort zu sprechen zeigen sollten, dass Sie etwas essen wollen…
Gericke: …dann schließe ich die Hand locker zur Faust und tippe mit Daumen und Zeigefinger dieser Hand locker an den Mund. Dabei spreche ich, was ich möchte. Ich betone jedoch nur das Schlüsselwort: Essen.
In Ihrem Buch "Baby Signal – Mit den Händen sprechen" erklären Sie, wie Eltern mit Hilfe der Gebärdensprache mit Kleinkindern kommunizieren können. Wozu ist das gut?
Gebärden sind einfach für Babys. Sie können sie leicht nachmachen. Vergleichen Sie mal: Wenn Sie eine Fremdsprache lernen, verstehen Sie die Sprache sehr viel eher, als sie Sie sprechen. In der Sprachentwicklung von Babys ist das genauso: Sie hören die Wörter immer wieder, verstehen sie dann und irgendwann können sie diese auch sprechen. Mit Hilfe von Gebärden kann ein Kind zum Beispiel so ein schweres Wort wie Giraffe zeigen, lange bevor es den Begriff artikulieren kann. Schon Babys können kommentieren, was sie sehen, und ausdrücken, was sie haben möchten - obwohl sie noch nicht richtig sprechen können.
Und wie alt sind die Kinder?
In meinen Kursen sind sie zwischen sechs und 24 Monaten alt, in meinem Buch sind jedoch auch Gebärden für kleinere Babys. Das sind dann aber eher einfache Gesten, wie zum Beispiel "Komm hoch!" oder "Warte!". Viele Kinder fangen im Alter von acht bis zwölf Monaten an, selber zu gebärden. Das hängt auch davon ab, wann Eltern die Gebärden zu zeigen begonnen haben. Es ist nie zu spät, damit anzufangen.
Aber in diesem Alter entwickelt sich die Motorik der Babys noch. Ist es für das Kind nicht genauso schwierig die Gebärden richtig zu gestikulieren wie Wörter korrekt zu artikulieren?
Nein, es ist leichter grobmotorische Bewegungen mit den Händen zu zeigen als feinmotorische mit dem Mund. Außerdem: Es muss nicht perfekt sein. Ich zeige die richtige Gebärde und das Kind zeigt sie so gut es kann. Die Motorik entwickelt sich dann, und im Kontext weiß man, was gemeint ist.
Über Wiebke Gericke
Wiebke Gericke ist Diplom-Pädagogin und hat Deutsche Gebärdensprache studiert. Sie arbeitete elf Jahre lang mit Kindern gehörloser Eltern und hat während dieser beobachtet, dass Babys von Gehörlosen bereits mit ihren Eltern kommunizieren, wenn sie erst neun bis zwölf Monate alt sind – und zwar über Gebärden. Aufgrund dieser Erfahrung und des Erfolges der Babyzeichensprache in den USA gründete sie 2005 "babySignal". Unter dieser Marke vermittelt sie Eltern und Kindern in ihren Kursen die Babyzeichensprache auf spielerische Weise.
www.babysignal.de
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Kommentare zu "Kindererziehung: Gebärden für Babys"
Lieber Herr Dollenberg, und wann hat ihr Kind Zeit, seine eigenen Bedürfnisse und Ideen zu entdecken? Die Gebärdensprache ist ein Hilfsmittel zur Kommunikation für Babys und Familienmitgliedern. Da wir Eltern in erster Linie Vorbilder sind, kann ich Ihnen dringend empfehlen noch mal Nachhilfe in deutsch zu nehmen. Damit ihr Kind denn auch richtig buchstabieren kann und nicht etwa Italien mit ä schreibt. Meine Kinder sind ohne so einen Drill groß geworden. Trotzdem erfolgreiche Schüler und begabte Musiker. Und sie haben Spass daran, weil sie es selbst entdecken durften. Mit unserer Jüngsten gebärden wir alle wie wild, weil es der gesamten Familie Spass macht!
Hallo, ich habe gute Erfahrung mit Gebärden gemacht. Mein Kind konnte mit 7 Monaten schon Gedichte per Gebärden "aufzeigen", teilweise schon in anderen Sprachen. Jetzt ist es 54 Monate und kann schon lesen. Es spricht, wenn auch noch nicht perfekt, italiänisch, spanisch und französisch. Vor 2 Wochen haben wir mit Russisch angefangen. Zudem haben wir mit dem Klavierunterricht begonnen. Ohne Gebärden hätten wir das nie geschafft. Es sollte jedoch nicht die einzige Förderung sein. Wichtig ist auch ausgewogene Nahrung, Sport und Training und Disziplin.
@Lucia CremerDass (30.4.2009 18:01), dass viele Logopäden gegen die Gebärdensprache sind, kommt von ihrer phonozentrischer Ausbildung, die hält, Gebärden seien primitiv und nicht gleichwertig einer Lautsprache und würden den Lautsprach-Erwerb behindern, obwohl dafür keine wissenschaftlichen Beweise vorliegen. Taube Kinder wurden seit 200 Jahren Opfer dieser Anschauung. Sie wurden in den Schulen gar bestraft, wenn immer die Händen in der Luft herumfahren. Ihre Lehrer benutzen keine Gebärden. Deswegen wurden ihre Sprache und Bildung stark verzögert. Die Mehrheit der früh-tauben Kinder sind noch Semi-Analphabeten, trotz der 10 Jahren Schulung. Nur die mit tauben Eltern beherrschen im Durchschnitt grössere Kompetenz von Deutsch als die mit hörenden Eltern, und die meisten gehen an die Universitäten. Taube Eltern benutzen i.d.R. Gebärden mit ihren Kindern, seien sie taub oder hörend. Die Kinder lernen dann Deutsch in den Kindergärten, Schulen und von Verwandten und Fernsehen.
Hallo Frau Cremer! Ich bin Logopädin und habe ein Konzept zu Babygebärden sogar selbst entwickelt. Sprache entwickelt sich aus vielen Vorstufen und aufgrund unterschiedlichster Umstände. Die Möglichkeit, ein Zeichensystem zu nutzen, ist eine Vorstufe zur Lautsprache. Sie behindert diese nicht, sondern unterstützt sie sogar. Seit einiger Zeit verwende ich die Gebärden auch innerhalb der Logopädischen Therapie, um die Kinder auf wichtige Inhaltsworte aufmerksam zu machen und die Bedeutung der Worte zu illustrieren. Es gibt auch einen Therapieansatz, der explizit mit Gebärden arbeitet, um Kinder an die Sprache heran zu führen. Außerdem werden viele Eltern sich mit ihrem Kind über die Lieder und Spielchen in diesem Kurs noch intensiver beschäftigen. Blickkontakt ist eine wichtige Voraussetzung für Kommunikation, den hat man mit den Babygebärden automatisch häufiger (siehe auch der Beitrag von Frau Butz). Viele Grüße! Gyde Botsch, www.logopaedie-botsch.de
@Jani Es ist möglich, sich Babyzeichen anhand von Ratgebern anzueignen. Das o.g. Buch von Wiebke Gericke zeigt viele Gebärden, erläutert diese und klärt auf, wie die Babyzeichen in den Alltag einbezogen werden können. Ein Kursbesuch ist deshalb nicht unbedingt erforderlich, bringt aber viel Spaß. Viele Babyzeichenschulen bieten auch Workshops an, die im privaten Rahmen durchgeführt werden. Das ist vielleicht eine Alternative, wenn Sie weitere Eltern finden, die auch an Babygebärden interessiert sind.
Ist ja alles schön und gut mit den Kursen und er Gebärdensprache, aber es gibt eindeutig noch zu wenig Anlaufstellen für die Kurse. Denn was ist mit Familien die gerne solche Kurse machen möchten aber viel zu weit weg Wohnen von den Hauptstädten die die Kurse anbieten??? Ich zum Beispiel wohne in Rheinland-Pfalz, bin nicht Mobil und zur nächsten Stadt wo es den Kurs gibt sind es über 100 km :-( Es werden immer als erstes nur an die großen Hauptstädte gedacht und nicht gleich bei jeder Stadt eine Umfrage gemacht, ob jemand dabei wäre sich Ausbilden zu lassen für so einen Kurs zu führen. Die Hauptstellen warten immer nur darauf das sich alle bei ihnen melden zum *schade und traurig* Somit haben deutlich zahlreiche Eltern keine möglichkeit zu solch einen Kurs zu gehen.
M.E. verzögert oder behindert das Zeichen von Babyzeichen nicht die Sprachentwicklung. Wenn ein Kind Babyzeichen zeigt, dann muß die Bezugsperson hinsehen. Sprache ist laut, die Mama kann in einem anderen Zimmer sein und hört das Kind. Ein Kind, dass Babyzeichen kennt, erkennt sehr schnell dieses Prinzip und lernt deshalb Sprechen. Ich zeige meinen Sohn Ben seit er 6 Monate alt ist Babyzeichen. Ben ist jetzt 23 Monate alt, spricht viel, benutzt Wörter mit drei und mehr Silben, bildet Zwei- und Drei-Wort-Sätze. Ich kann also eine verzögerte Sprachentwicklung überhaupt nicht feststellen. Wenn ihm etwas ganz wichtig ist, dann unterstreicht er einzelne Wörter noch mit einem Babyzeichen. Z.B. Ben ist gerutscht, das hat ihm gefallen. Er wollte "noch mal". Das sagte er mit Wort und Zeichen. Ich bin von Babyzeichen begeistert und deren Vorteilen überzeugt. Ich habe deshalb die unabhängigen, nicht kommerziellen Webseiten www.sprechende-haende.de und www.babyzeichen.blogspot.com erstellt
Ich hab´s versucht und meinen jetzt zweijähriger hat es nicht die Bohne interessiert. Er hat mir immer angesehen wie eine Ausserirdische. Hab´s gelassen und jetzt fängt er an zu sprechen und alles ist gut. Meine Freundin hat es auch gemacht und ihr Sohn hat zumindest das Wort "mehr" und "Hunger" regelmässig verwendet. Mehr war eins der ersten Wörter die meiner sagen konnte. Also, schöne Idee aber sicherlich nicht für jeden anwendbar.
Es sollte ergänzt werden, dass viele Logopäden diese Methode nicht für gut halten. Kinder lernen immer später sprechen und Gebärden können die Sprachentwicklung behindern. Wozu sollte ein Kind auch sprechen lernen, wenn Mama es mit Gesten versteht. www.tipps-rund-ums-baby.de