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Ein Winter bei den Pamir-Kirgisen
Der Amerikaner Ted Callahan lebte als erster westlicher Forscher bei einem fast vergessenen Nomadenvolk. Um es zu studieren. Während der härtesten Monate des Jahres
Die kleine Gemeinschaft der Menschen, die in der unwirtlichen Bergregion Nordafghanistans ausharren, ist das Relikt einer leidvollen Geschichte. Vor 150 Jahren lebte dieses Hirtenvolk nur im Sommer in den afghanischen Pamir-Hochtälern, einer durch Gletscherbewegungen geformten Einöde zwischen Hindukusch und Pamirgebirge. Im Winter, wenn die Temperatur dort bis unter minus 50 Grad Celsius sinken kann, trieben die Pamir-Kirgisen ihre Schafherden hinab in die tiefer gelegenen Täler auf dem Gebiet des heutigen Tadschikistan.
Doch dann schnürten geopolitische Entwicklungen die Nomaden in ihrem Winterquartier ein: Die Pamirtäler liegen seit 1895 im sogenannten Wakhan- Korridor, einem 270 Kilometer langen, stellenweise nur 15 Kilometer breiten Landstreifen, der im russisch-britischen Pamir-Vertrag damals Afghanistan zugeschlagen wurde, um das britisch beherrschte Indien vom russischen Zarenreich zu trennen.
Noch vor der Invasion Afghanistans durch Sowjettruppen 1979 floh der damalige Khan mit seinen 1300 Untertanen aus dieser Enklave ins benachbarte Pakistan. Der größte Teil der Gruppe übersiedelte vier Jahre später in die Türkei, wo die Exil-Kirgisen aus dem Pamir inzwischen in Dörfern mit Kanalisation, Straßenanbindung und Elektrizität leben und ihre Kinder in Schulen und Universitäten schicken.
Eingeschlossen von mächtigen Nachbarn
Das beeinträchtigte die Kirgisen im Pamir zunächst kaum - jedenfalls solange die Staatsgrenzen nur auf dem Papier bestanden. Doch nach 1930 schloss die Sowjetunion die Grenze nach Norden. Auf der Ostseite des Korridors schottete sich das 1949 kommunistisch gewordene China ab. Und im Süden verwehrten bald die Grenzposten Pakistans den Hirten den Übertritt. Die Kirgisen fanden sich als Bewohner eines entlegenen Zipfels Afghanistans wieder, beschränkt auf zwei 100 und 60 Kilometer lange Hochtäler, eingeschlossen von drei Staatsgrenzen und 5500 Meter hohen Bergmassiven.
Leben in einer Zeitblase
Nur etwa 250 Kirgisen unter der Führung
des verstorbenen Khan Abdul Raschid
haben sich 1979 entschlossen, zurück ins
afghanische Bergland zu ziehen, um dort
ihr altes Leben wieder aufzunehmen: ein
Leben in einer Zeitblase, fernab jeder Zivilisation,
acht Tagesritte entfernt von
der nächsten Ambulanzstation. Und vier
Tagesritte von der nächsten Schule.
30 Jahre lang hat kaum ein westlicher
Anthropologe nachgeforscht, wie es dieser
Gruppe seither ergangen ist. Das will
ich nachholen, denn es gibt viele ungeklärte
Fragen: Wie organisieren die
Pamir-Kirgisen ihr Zusammenleben in
dieser lebensfeindlichen Umgebung?
Wodurch erhält der Khan, ihr Anführer, seine
Autorität? Wie vertritt er die Interessen
seiner Untertanen? Nach welchen Regeln
funktioniert die kleine Ökonomie
der Pamir-Kirgisen? Und wie haben sich
ihre Traditionen inzwischen verändert? In Bischkek, der Hauptstadt des nicht
an Afghanistan grenzenden Landes Kirgisistan,
in dem mit 5,2 Millionen Kirgisen
heute die große Mehrheit dieses
Turkvolkes zu Hause ist, habe ich deshalb
die Sprache gelernt. So konnte ich
meinen Aufenthalt in den 700 Kilometer
entfernten Bergen vorbereiten.
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Kommentare zu "Ein Winter bei den Pamir-Kirgisen"
Ich wusste schon, dass es die Pamir-Kirgisen gibt. Aber ich wusste nicht, dass sie unter "unmenschlichen" Bedingungen leben müssen. Sie kleiden sich sogar anders. Als Kirgisin weiß ich wovon spreche. Danke!
Ich wusste bis heute nicht das es die Pamir-Kirgisen gibt, sehr schöne Aufnahmen und ein interessanter Einblick in deren Leben. Danke!
Thank you very much for that interesting Video. It's very touching at all.
ice ghafch bafi vrot