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Wie das Wissen in den Kopf kommt
Durch die Neurobiologie hat sich unser Wissen über unser Denkorgan explosionsartig vermehrt. Lesen Sie im ersten Teil der GEO-Serie, wie das Gehirn Gelerntes festschreibt - und was sich davon für die Schule ableiten lässt
Was fruchtbares Lernen ausmacht, wusste bereits der griechische Historiker Plutarch: "Der Geist ist kein Schiff, das man beladen kann, sondern ein Feuer, das man entfachen muss." Diese Weisheit ist knapp 2000 Jahre alt, kann aber noch heutigen Pädagogen als Leitmotiv dienen. Doch wie lässt sich das geistige Feuer entfachen? Was ist gelungener Unterricht? Worin erweist sich ein guter Lehrer? Darüber zerbrechen sich zurzeit landauf, landab Pädagogen und Eltern, Politiker und Journalisten den Kopf.
Neurobiologen melden sich zu Wort
In der aufgeregten Diskussion melden sich neuerdings Fachleute zu Wort, zu deren Beruf es gehört, Mäusen zu Experimentierzwecken Elektroschocks zu verabreichen, Katzen Elektroden ins Gehirn zu piksen oder geschädigte Denkorgane von Menschen zu analysieren: Neurobiologen. Sie äußern sich zu Schule und Lernen, und ihre Beiträge finden Beachtung. Manfred Spitzer etwa, Professor für Psychiatrie in Ulm, hat bei seinen Vorträgen oft Tausende von Zuhörern.
Die Macht des Mandelkerns "Menschen lernen besser, wenn sie mit Freude lernen", ist ein wichtiges Fazit aus Spitzers Beschäftigung mit dem Gehirn. Ein menschenfreundlicher Satz, dem wohl die meisten Pädagogen ohne weiteres zustimmen würden, nicht ohne den Seufzer anzuschließen: Ja, wenn das so einfach wäre! Doch braucht man für diese Einsicht wirklich die Gehirnforschung? In der Tat legen neurobiologische Erkenntnisse nahe, dass genussvolles und ängstliches Studieren tief greifend unterschiedlich verlaufen. Der Unterschied besteht nicht nur darin, dass freudiges Lernen eher unserem Humanitätsideal genügt und dass enthusiastische Schüler beharrlicher bei einem Thema bleiben. Vielmehr entsprechen unterschiedlichen Emotionen unterschiedlich arbeitende neuronale Systeme.
Lernen im "Angstmodus"
Im "Angstmodus" steht das Gehirn unter dem besonderen Einfluss der Amygdala, zu Deutsch: des Mandelkerns, eines murmelgroßen, zum limbischen System gezählten Hirnteils. Genau genommen gibt es zwei Mandelkerne, in jeder Hemisphäre einen. "Die Aktivität der Amygdala begünstigt einen eingeengten kognitiven Stil, der ausschließlich darauf ausgerichtet ist, den Quellen der Angst zu entkommen", erläutert Spitzer. "Kreatives und freies Denken sind stark behindert, da das Gehirn sich möglichst an die simpelsten, irgendwie funktionierenden Schemata hält."
Unterricht muss Spaß machen
Doch Unterricht, der Spaß macht, ist nicht allein schon deshalb guter Unterricht. Der Chemielehrer, der Knalleffekte und verblüffende Farbspiele inszeniert, unterhält seine Schüler. Wenn diese sich einerseits an der Zauberei des Lehrers erfreuen, andererseits aber langweilig finden, was dabei molekular geschieht, hat er verloren. Mit Freude lernen heißt nicht einmal, dass Unterricht und Lernen immer ein Vergnügen sein müssen. Den Grips anzustrengen, über Hindernisse und Irrtümer hinweg ein Problem zu lösen, mag sauer und mühsam sein, doch aus der Leistung selbst und der gewonnenen Einsicht können Selbstvertrauen und tiefe Befriedigung erwachsen - und die Lust auf weitere Herausforderungen.
Zumindest lässt sich jedoch aus den Erkenntnissen, wie Emotionen im Gehirn wirken, folgern, dass Lernen, Selbstständigkeit und Kreativität vor allem in einem entspannten Klima gedeihen. Konstanter Prüfungsstress, gewürzt mit täglichen Misserfolgserlebnissen, ist Gift für das Lernen und für die Entfaltung der Persönlichkeit.
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