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Zoom: Stau-Räume
Ein Autofahrer verbringt Monate seines Lebens festgesetzt auf der Straße

Die deutschen Autofahrer legen, alles zusammengerechnet, jedes Jahr eine astronomische Distanz zurück: 528 000 000 000 Kilometer. Das entspricht etwa 3500-mal der mittleren Entfernung zwischen Erde und Sonne. Täglich zu den Hauptverkehrszeiten und besonders in den Urlaubsperioden wird der Blechstrom regelmäßig zäh – und erstarrt oft vollends.
Der Stillstand schlägt dabei nicht nur auf die Nerven, sondern auch kräftig zu Buche: Nach Schätzungen aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung kosten Staus auf Deutschlands Straßen die Volkswirtschaft jährlich 97 000 000 000 Euro. Experten vom Kölner Institut für Verkehrwissenschaft taxieren den entstehenden Schaden zwar deutlich zurückhaltender, aber sie kommen immer noch auf 25 000 000 000 Euro. Da erreichen Pendler zu spät ihren Schreibtisch, werden Waren nicht pünktlich angeliefert, platzen wichtige Konferenzen, werden Arbeitsessen kalt...und so weiter – Staus sind schuld daran, dass die Deutschen jährlich 4 700 000 000 Stunden im Stillstand auf Straßen verbringen. Dazu trägt die ungeheure Fahrzeugdichte bei: Im Jahr 2001 waren 53 305 930 Personenwagen, Omnibusse, Lastwagen, Traktoren und Motorräder in Deutschland gemeldet. Im Stand und beim Stop-and-go verbrauchen die Fahrzeuge dabei täglich insgesamt 30 000 000 Liter mehr Benzin und Diesel als bei flüssigem Verkehr.Theoretisch könnte der Stau auf den deutschen Autobahnen auf 11 712 000 Meter anschwellen, also die Gesamtlänge des Netzes erreichen; im Durchschnitt stehen die Räder pro Tag aber "nur"“ auf 209 000 Meter für mindestens eine Stunde still. In Spitzenzeiten sind – statistisch gesehen – ständig 160 000 Fahrzeuge auf den Expresswegen unterwegs, im Mittel sind es immerhin noch 50 000.
Die meisten Fahrzeuglenker sind über die kritische Masse auf den Straßen durch den Verkehrsfunk gut informiert. Allein in Baden-Württemberg gab der Warndienst im vergangenen Jahr 14 008 Meldungen an den Rundfunk heraus, 2000 waren es
Trotz einschlägiger Tipps, zu Beginn von Schulferien die Autobahnen möglichst zu meiden, machen sich gerade dann besonders viele Urlauber auf den Weg. Im Reisesommer 2000 summierten sich die Blechschlangen auf 10 000 Kilometer. 2001 dürfte die Situation ähnlich gewesen sein, allerdings fiel eine genaue Statistik in dem Jahr aus.
4000 Verkehrsmelder an Autobahnbrücken liefern inzwischen permanent Daten über den Verkehrsfluss. Und allein in Nordrhein-Westfalen erfassen 2500 Induktionsschleifen im Asphalt ständig das Geschehen auf den Fernstraßen. Aber auch die moderne Sensorik kann den zeitweiligen Kollaps nicht verhindern. Und so steckt ein Autofahrer in Deutschland in 50 Jahren am Steuer durchschnittlich 200 Tage seines Lebens fest. Die Chancen sind daher gut, dann einem der 140 Stauberater des ADAC zu begegnen: Die sind auf Motorrädern zwischen Alpen und Nordsee unterwegs, um den Geplagten in Megastaus Gutes zu tun. Wie am 11. August 2001, als die A 8 in Bayern auf 120 Kilometer Länge verstopft war.
Auch in diesem Sommer werden die "gelben Engel" wieder auf ihren Maschinen ausrücken – und auspacken: 100 Cappuccino-Bonbons hat jeder von ihnen unter anderem im Gepäck, dazu 25 Malhefte nebst Stiften. Die Helfer können 15 Wiener Würstchen servieren sowie 2,5 Liter Eistee und 1,5 Liter Cola ausschenken. Vielleicht wird damit so manche Stunde im Stau zu einem unvergesslichen Erlebnis.
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