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Das neue Gesicht Tibets: der Karmapa
Der 24-jährige Mönch Ogyen Trinley Dorje ist ein möglicher Nachfolger des Dalai Lama: ein Flüchtling, ein Politikum - und die große Hoffnung der Tibeter
Der indische Polizist schaut mürrisch unsere Dokumente an. Auf dem mönchsroten Briefpapier Seiner Heiligkeit steht umständlich: "Request for taking pictures of His Holiness the Karmapa during a day course of his schedule"; Anfrage zu einer Fotoerlaubnis für Bilder von seiner Heiligkeit, dem Karmapa, während eines Tagesablaufs. Der Polizist schüttelt den Kopf. Dieser Karmapa, ein 24-jähriger Flüchtling, und seine rätselhafte Popularität scheinen ihm den Nerv zu rauben.
"Karmapa, Karmapa, Karmapa!", ruft er und stolziert mit unseren Pässen durchs Amtsgebäude, als hätten wir ihm einen unsittlichen Antrag gemacht. Dann dreht und wendet er die Kameras des Fotografen in den Händen. "Was wollt ihr da überhaupt fotografieren?" Ganz einfach: Das neue Gesicht des tibetischen Buddhismus - das im Westen noch kaum jemand kennt.
Auf Ogyen Trinley Dorje, besser bekannt als Seine Heiligkeit der 17. Gyalwang Karmapa Lama, Oberhaupt eines der vier großen Orden des tibetischen Buddhismus, ruht die Hoffnung eines ganzen Volkes. Nur er kann Tibet im 21. Jahrhundert Kopf und Stimme geben. Nur auf ihn kann die Aufgabe übergehen, künftig über die Zukunft seiner Heimat zu verhandeln. Nur er kann ein neuer Dalai Lama sein. Der Karmapa weiß das. Seine Entourage weiß es auch. Eigentlich wissen es alle - auch wenn es offiziell nie ausgesprochen werden würde. Längst hängen Karmapa-Porträts in den Geschäften von Dharamsala, wo mit etwa 20 000 Flüchtlingen die größte tibetische Exilgemeinde lebt, gleich neben Bildern des Dalai Lama.
Noch mehr Verwirrung?
"Er ist noch unverbraucht, vielleicht kann er eine Lösung im Tibet-Konflikt finden", sagt eine tibetische Journalistin. "Schlechter als in der jetzigen festgefahrenen Lage kann es ja nicht laufen", sagt ein alter Buchhändler. "Ich hoffe nur, der Karmapa trägt nicht noch mehr zur Verwirrung bei." Das hoffen alle Beteiligten - tibetische Diplomaten, indische Gastgeber, chinesische Besatzer. Denn an der Karmapa-Frage ist so ziemlich alles heikel.
Schon allein das religiöse Problem: Der Karmapa steht einer buddhistischen Linie vor, die mit der des Dalai Lama über Jahrhunderte verfeindet war. Erst im Exil haben sich die beiden Orden einander angenähert. Aber was sollen die Tibeter tun, wenn der Dalai Lama stirbt? Seine Wiedergeburt in einem Kleinkind suchen, wie die Tradition es vorsieht - und dann ihrem nächsten Anführer 15 Jahre beim Heranreifen zusehen? Während die Chinesen alles tun werden, um den Jungen für sich zu gewinnen - oder ihm gleich einen eigenen Wiedergeborenen entgegensetzen? Und das alles, obwohl doch ein bestens ausgebildeter Lama von vergleichbarem Rang bereitsteht, das Volk hinter sich zu versammeln?
Noch halten sich alle zurück
Die Inder versuchen, den Karmapa auf ihrem Boden abzuschotten - jedes falsche Wort könnte einen Konflikt auslösen. Auch die Tibeter wollen verhindern, dass er vorschnell auf die politische Bühne gezerrt wird. Die Chinesen ignorieren ihn vorerst. Und der Dalai Lama bleibt vage. Immerhin hat er dem Karmapa ein Kloster nahe seiner Residenz zur Verfügung gestellt. Er trifft sich regelmäßig mit ihm. Und er redet davon, dass der junge kraftvolle Karmapa die "angefangene Arbeit fortführen solle".
Niemand kann zu diesem Zeitpunkt sagen, was das genau bedeutet. Klar ist nur: Der Dalai Lama ist 74 Jahre alt. Und der Karmapa ist der einzige Plan B, den die Tibeter haben. Ein Gott in Einarbeitung. Wir wollen die ersten Reporter sein, die ihn eine Woche lang begleiten. Aber was heißt schon "begleiten" - bei einem lebenden Buddha, bei einem heiligen Politikum?
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Kommentare zu "Das neue Gesicht Tibets: der Karmapa"
Warte ab was die Zeit bringt,wie der Baum mit seinem Früchte tut:))))))Alles braucht seinen Zeit. Hab Geduld ist ein Buddhistischer Weisheit.
Ich kann kaum glauben dass ich jahrelang Geo gelesen habe, Nach diesem oberflächlichen, schon fast dummen Karmapa Bericht, steige ich aus. Leute das war jämmerlich, oberflächlich und wirklich schwach. GEO nie wieder
GEO hatte für mich immer den Anspruch eines gut recherchierten, informativen Heftes. Da muss ich mich wohl gründlichst (!) getäuscht haben. Hier wird alles in einen Topf geworfen, ohne überhaupt den Versuch zu starten, Fakten an das Thema zu bringen. Es ist schon sehr jämmerlich, wenn auf der Wikipedia bessere und objektivere Informationen zu finden sind. Hier wird Buddhismus und Politik vermischt und keine klare Grenze gezogen. Ein außen stehender, uninformierter Leser erhält ein Bild von der Situation in Tibet und einen Eindruck über den - augenscheinlich politisierten - Buddhismus in Tibet, wie er mit der Realität gar nichts zu tun hat. Offensichtlich wurde von der Redaktion maximal eine Quelle zur "Recherche" (lächerlich, es so bezeichnen zu wollen) verwendet. Ich bin sehr enttäuscht von GEO. Ich empfehle, die Wikipedia zu lesen (Stichworte: Gelugpa, Dalai Lama, Karmapa, Karmapa-Konflikt) oder andere Quellen als GEO heranzuziehen. Fazit: BILD-Niveau. Setzen, sechs!
Schade, ich hätte mehr Journalismus erwartet. Z.B. über den echten 17. Karmapa (Thaye Dorje), von Shamarpa 1994 bestätigt. Denn die Bestätigung des Karmapa liegt weder in der Macht des Dalai Lama (das wäre in etwa so, als wenn Frau Merkel den Papst bestätigt) noch der chin. Regierung. Jeder der sich mehr für das Thema interessiert, dem empfehle ich das Buch "Rüpel in Roben" von Tomek Lehnert. Und von der GEO erhoffe ich mir bessere Recherche; gerade bei so zwiespältigen Themen. Was wir aus dem Artikel sinnvolles erfahren konnten, ist nur, das die chin. Regierung auch hier ohne Ende zensiert und die Menschen unwissend halten will und das Urgyen Trinley ein Gefangener im goldenen Käfig ist. Ansonsten ist es ein leerer Artikel, der keinerlei Fragen beantwortet (z.B. die Überschrift Was ist der Karmapa wirklich).
Wie stellt sich das der liebe Dalai-Lama vor wenn der Karmapa zum Oberhaupt der Gelugpas wird. Sind dann alle Gelugpas Kagyüs, oder alle Kagyüs die Orgyen Thrinle Dorje folgen Gelugpas? Thrinle Thaye Dorje hat es da schon gut, dass er nicht als politisches Werkzeug missbraucht wird. Die Zukunft wird Klarheit bringen.
Lesen Bildet auch im Geo Jetzt weiss ich endlich was ein Buddha ist also ein "Gott" mit chinesischem Gütesiegel und angehäuftem 1000 Jährigem Wissen. Wissen im Geo taucht im Artikel in der Form von Gerüchten zur mystischen Tibetik auf. Er (Karmapa) sei der nächste Dalai Lama. "Eigentlich wissen es alle - auch wenn es offiziell nie ausgesprochen werden würde". Wie wenn ein refomierter Christ auch zum katholischen Papst gewählt werden könnte. "Politik sei eine vorübergehendes Phänomen" man solle dem nicht allzuviel Bedeutung beimessen - aber in diesem Fall schreit es zwischen den Zeilen sehr wohl laut Politik! Er warnt vor der Verwirrung den Gefahren durch das Internet und meidet jeden Mailverkehr. Das kommt mit vor wie das Mantra der chinesischen Internetzensur. Der arme Karmapa hat mein Mitgefühl zwischen Stuhl und Bank.
Paten gesucht für tibetische Flüchtlinge in Indien und für Kinder in Tibet, eine Patenschaft von nur 18 Euro/Monat sichert einem tibetischen Kind durch Bildung eine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben:: www.tibetzentrum-berlin.de/aktionen