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Qatna: Sensationsfund im Königspalast
Archäologen entdeckten im Königspalast von Qatna, im heutigen Syrien, ein unberührtes Grab mit kostbarem Inhalt. GEO-Reporter Jürgen Bischoff war dabei. Hier erzählt er, was er beim Blick in die Gruft zu sehen bekam
Eine spektakuläre Entdeckung machte im August 2009 ein syrisch-deutsches Ausgräberteam unter Leitung des Tübinger Archäologen Peter Pfälzner im syrischen Tell Mishrife: Bei Grabungen in den Fundamenten des bronzezeitlichen Palastes von Qatna stießen die Forscher auf eine unberührte Felsengruft, schätzungsweise rund 3500 Jahre alt. "Wir fanden in der Gruft die Gebeine von mindestens 30 Personen sowie zahlreiche kostbare Grabbeigaben", sagt Pfälzner. Ihr Alter datiert er auf die Zeit zwischen 1600 und 1400 vor Christus.
Es war Sonntag, der 16. August 2009. Ich war gerade aus Damaskus gekommen: zweieinhalb Stunden Fahrt auf der hitzeflimmernden Autobahn, vorbei an verdurstenden Bäumen und den einheitlich graubraunen Bergen der syrischen Halbwüste. Zum Schluss ein paar Beduinenzelte mit zerrissenen Planen. Dann Qatna, das Grabungsgelände.
Ich ahnte, was mich erwartet. Peter Pfälzner, leitender Archäologe der deutschen Mission, und mein Kollege Marc Steinmetz hatten jeweils Nachrichten geschickt: eine antike Gruft, zeitgleich mit Ägyptens Pharaonen, mit den Minoern auf Kreta. Und unberaubt. Eine Entdeckung, so selten wie ein Nugget in der Mosel.
Als ich die Leiter hinabstieg in den ausgegrabenen Raum mit der Bezeichnung DA, vorbei an Lehmziegelmauern, die Arbeiter hier vor Jahrtausenden errichtet haben, saßen sie müde und erschöpft am Boden: Peter Pfälzner und seine Frau und Kollegin Heike, Archäologen aus dem Team, die syrischen Vorarbeiter, alle auf der Suche nach ein bisschen Schatten. An der Westseite von Raum DA klaffte im Fußboden ein Loch. "Da unten ist es,", sagte Peter Pfälzner, "wirf am besten gleich einen Blick hinein." Es, das Grab.
Eine zweite Leiter führte in die Vorkammer, links eine Öffnung. "Vorsicht", warnte Heike Dohmann-Pfälzner, "die braunen Stellen an der Wand sind Holzreste." Oder was eben nach 3500 Jahren von einer Türzarge noch übrig ist.
Ich streifte mir die weiße Schutzmaske über, bevor ich den Kopf in die Gruft steckte - Pilzsporen, Bakterien, wer weiß schon, was sich in Jahrtausenden in einem Grab ansammelt.
Dann dauerte es eine Weile, bis sich die Augen an das Dämmerlicht gewöhnt hatten. So nahm zuerst die Nase wahr: Die Luft roch feucht, etwas modrig. Uralt. Schließlich schälten sich Umrisse aus dem Dunkel: ein Oberschenkelknochen, Schädel, Beckenknochen, von herabgefallenem Geröll bedeckt. Und die Grabbeigaben: alabasterne Gefäße, mit grauem Staub überzogen, ein Goldreif im Schutt, rechts in einer Nische ein Öllämpchen.
Das Bewusstsein, dass sich hier nichts mehr verändert hat, seit irgendwann um 1400 vor unserer Zeitrechnung diese Gruft endgültig verschlossen worden war, vermittelte das Gefühl, auf einer Zeitreise zu sein. Als wäre plötzlich der Vorhang geöffnet worden, der sonst das Fenster in die Vergangenheit verhängt.
Was mögen das für Menschen gewesen sein, denen diese Knochen einst gehörten? Worüber unterhielten sich jene, die ihnen den Schmuck ins Grab legten? Wie sah ihr Alltag aus? "Als Archäologen", sagte Peter Pfälzner später, "versuchen wir, den Film rückwärts laufen zu lassen, um in diese Welt vorzudringen." Als Suchender, nicht als Eindringling.
Der Bericht von Marc Steinmetz und Jürgen Bischoff über die versunkene Königsstadt Qatna erscheint im GEO Magazin Nr. 11/2009. Das Heft ist ab 16. Oktober im Handel.

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