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Exklusiv bei GEO: Shakespeare lebensecht
Seit dem Tod des Dichters vor 390 Jahren streiten sich die Gelehrten, wie Shakespeare wirklich aussah. Nun hat eine Mainzer Professorin erstmals den Nachweis für die Echtheit einer beispiellos ausdrucksstarken dreidimensionalen Darstellung erbracht
Wie sah Shakespeare wirklich aus? Die Antwort auf diese Frage hat jetzt die Mainzer Professorin für Englische Literatur- und Kulturwissenschaft, Hildegard Hammerschmidt-Hummel, gefunden: Die so genannte Davenant-Büste, eine Terracotta-Plastik, ist ein Meisterwerk der Renaissance, das den Dichter naturgetreu wiedergibt und wenige Jahre vor dem Tod Shakespeares (+1616) entstanden sein muss. Die Skulptur, die heute in einem noblen Londoner Club aufbewahrt wird, galt bisher als unecht, weil der Finder die Umstände verschleiert hat, unter denen er in Besitz des Kunstwerks gekommen ist. Den wahren Hergang konnte Hammerschmidt-Hummel aufgrund der Tagebuch-Notizen des Finders, William Clift, rekonstruieren.
Dass die Skulptur wirklich die Züge Shakespeares auf das Genaueste wiedergibt und dass sie nach dem lebenden Modell geschaffen ist, belegte die Forscherin in Zusammenarbeit mit Experten verschiedener Disziplinen durch Vergleiche mit anderen Bildnissen Shakespeares, deren Authentizität feststeht oder von Hammerschmidt-Hummel in ihrem in Kürze erscheinenden Buch Die authentischen Gesichtszüge William Shakespeares erhärtet wird.
Aufschlussreiche Details
Zum Beispiel stellte der hinzugezogene Sachverständige des Bundeskriminalamtes signifikante Übereinstimmungen der Gesichtszüge der Davenant-Büste mit denen der Darmstädter Shakespeare-Totenmaske, des Chandos- und Flower-Porträts, der Grabbüste des Dichters und des bekannten Droeshout-Stichs fest - Darstellungen, die für echt befunden oder den neuen Erkenntnissen zufolge unmittelbar auf Originalbildnisse des Dichters zurückgeführt werden konnten.
Als besonders aufschlussreich erwiesen sich die von Medizinern diagnostizierten Krankheitsmerkmale im Gesicht des Porträtierten. Praktisch alle Bildnisse enthalten Hinweise auf eine Verformung oberhalb des linken Augenlids, Schwellungen im linken inneren Augenwinkel und eine auffallend erhabene Stelle auf der Stirn - allesamt womöglich Symptome einer "systemischen Sarkoidose". Die naturgetreue Wiedergabe auch solch wenig ästhetischer Details war zur Zeit der Renaissance üblich. Dies ist heute für Wissenschaftler eine entscheidende Grundlage für die Zu- und zeitliche Einordnung von Bildnissen. Hammerschmidt-Hummel ist damit der Beweis gelungen, dass die Davenant-Büste tatsächlich den Dichter William Shakespeare darstellt, und zwar genau so, wie er in seinem Leben ausgesehen hat.
Das Märzheft von GEO mit Hintergrundinformationen erscheint am 20. Februar 2006. Eine allgemeine Pressekonferenz zu den neuen Erkenntnissen findet statt am 22.2.2006 um 11.00 Uhr im Magistratssaal der Stadt Darmstadt (Neues Rathaus, Luisenplatz 5 a). Dort wird die Forscherin ihr Buch Die authentischen Gesichtszüge William Shakespeares. Die Totenmaske des Dichters und Bildnisse aus drei Lebensabschnitten vorstellen, das im Georg Olms Verlag und in Kürze bei Chaucer Press in London erscheint. Ansprechpartner für die Presse: Lisette Nichtweiß, Tel. 06151-132021, E-Mail: lisette.nichtweiss@darmstadt.de. Hildegard Hammerschmidt-Hummel, Tel. 0611-521989, E-Mail: h.hammerschmidt-hummel@t-online.de. Am 2. März 2006 wird in der Londoner National Portrait Gallery anlässlich ihres 150-jährigen Bestehens die Ausstellung "Searching for Shakespeare" eröffnet. Dort wird unter anderem das Chandos-Porträt zu sehen sein und über die Forschungslage zu den Bildern berichtet.Eine Stellungnahme von Hildegard Hammerschmidt-Hummel zu dieser Ausstellung und strittigen Problemen finden Sie hier: "Echt oder nicht echt?"
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