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Archäologie: Die Mumie eines Kindes
Mithilfe modernster Computertomographie enthüllten US-Forscher die Züge eines vor 2000 Jahren verstorbenen ägyptischen Mädchens
Der Kieferorthopäde Eric Herbranson von der University of the Pacific in San Francisco hätte Sherit mit spätestens zwölf Jahren eine Zahnspange verschrieben, wäre sie seine Patientin gewesen. Doch so alt ist das Mädchen nicht geworden. Sie starb mit vier oder fünf Jahren, zwei Jahrtausende vor unserer Zeit - vermutlich an einer Durchfallerkrankung.
Dass Forscher wie Herbranson so detaillierte Aussagen über die Anatomie einer 2000 Jahre alten, einbalsamierten Kinderleiche treffen können, verdanken sie einem der höchstauflösenden CT-Scanner weltweit. Damit durchleuchtete ein Forscher-Team der Stanford University die Mumie, die seit 75 Jahren im Rosicrucian Egyp-tian Museum im kalifornischen San Jose liegt, virtuell in Schichten - jede mit 200 Mikrometern so dünn wie eine Visitenkarte. Durch die Anwendung einer speziellen Visualisierungs-Software erstellten mehrere Hochleistungsrechner daraus ein 3-D-Modell der sterblichen Über-reste - die besten Aufnahmen, die von einer Mumie je angefertigt worden sind.
Das Kind hatte offenbar kurze, schwarze Locken, ein fliehendes Kinn und ein kantiges Gesicht. Das Skelett ist völlig intakt, zeigt keinerlei Anzeichen von Verletzungen oder chronischen Erkrankungen. "Sherit starb plötzlich und unerwartet", sagt Lisa Schwappach-Schirriff, Direktorin des Rosicrucian-Museums. Der Name, auf den das Mädchen im Museum getauft wurde, ist altägyptisch und bedeutet "die Kleine".
Nach Sherits Tod waren ihr die Organe - bis auf das Herz - entnommen, in Tücher gewickelt und neben den Leichnam gelegt worden. Dieser wurde dann mit einem nach Weihrauch, Myrrhe und Moringa-Öl duftenden Parfum-Harz-Gemisch übergossen, Schicht um Schicht in Bandagen gewickelt und mit runden Ohrringen, einem Amulett, einer Halskette und einer vergoldeten Brustplatte und Gesichtsmaske verziert.
Und auch dieses Detail wurde enthüllt: Es war offenbar ein Rechtshänder, der vor zwei Jahrtausenden die Organe des Mädchens entnommen hat. Es muss zu Lebzeiten, da ist sich der Kieferorthopäde Eric Herbranson sicher, ein bezauberndes Lächeln gehabt haben.
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