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Olympia: Sport, Bestechung und Skandale
Die modernen olympischen Spiele sind verdorben und korrupt - während im antiken Olympia edle Jünglinge hehre Ideale verfolgten? Nicht ganz. GEO-Autor Harald Martenstein klärt auf
Sportfeste und Wettkämpfe gehörten bei den Griechen zum Leben. Es gab sogar einen Wettstreit im Wollkämmen für Mädchen. Agone, Sportfeste, waren immer mit einem Kult verbunden und fanden in einem Heiligtum statt. Sie dienten gleichzeitig dem Gottesdienst, der Geselligkeit und der Unterhaltung. Vier Sportfeste unter den rund 300, die man heute noch kennt, galten als besonders wichtig: die von Delphi, Isthmia, Nemea und Olympia. Bei diesen vier "Kranzspielen" gab es für den Sieger nur einen Kranz, keinen Geldpreis wie anderswo üblich. In Delphi war der Kranz aus Lorbeer, in Olympia aus Olivenzweigen, in Isthmia aus Fichte und in Nemea, besonders reizvoll, aus Sellerie. Wer alle vier Spiele gewonnen hatte, sozusagen den Grand Slam, durfte sich periodonike nennen.
Sportfest seit dem 8. Jahrhundert vor Christus
Weshalb gerade Olympia das wichtigste Sportfest wurde, wissen wir nicht genau. Hing es mit dem olympischen Frieden zusammen? Mit dem geschickten Management der Eleer? Eine Siegerliste existiert seit 776 v. Chr., aber sie ist wohl eine Fälschung. Wahrscheinlich sind die Spiele einige Jahrzehnte jünger. Angefangen hat es wohl als regionale Veranstaltung. Zunächst gab es auch nur eine Disziplin, den Stadionlauf, der erste Sieger soll ein Koch gewesen sein. Dann wurde das Programm schrittweise ausgeweitet, und die Spiele wurden so attraktiv, dass sie sogar Sportler aus den griechischen Überseegebieten anzogen.
Die meisten Sportler waren Adlige
Zehn Monate vor dem großen Fest wurden die Kampfrichter durch das Los ermittelt. Gelegentlich tauchten auch Gerüchte über ihre Bestechlichkeit auf.30 Tage vor den Spielen trafen die Sportler ein, um gemeinsam zu trainieren, vor Publikum. Das war Vorschrift. In dieser Zeit machten sich die Kampfrichter ein Bild von den Bewerbern, stellten fest, wer olympiatauglich war und wer nicht. Weil sich nur wenige 30 Tage Verdienstausfall leisten konnten, hielt sich die Zahl der Teilnehmer in Grenzen, erst recht die Zahl der untauglichen. Wer nach Olympia kam, war meist ein Spitzenathlet. Am Anfang dominierte der Adel, weil nur Adelige genug Zeit zum Trainieren hatten. Später förderten manche Städte talentierte Athleten aus dem einfachen Volk mit Zuschüssen: Sporthilfe. In der späteren Zeit traten praktisch nur noch Profis an. Zwar bekam der Olympiasieger lediglich einen Kranz auf den Kopf gedrückt, aber bei anderen großen Sportfesten konnte er in den folgenden Jahren kräftig abkassieren, genau wie heute.
Spitzenathleten kassierten kräftig ab
Startgelder für prominente Sportler sind zumindest in einem Fall belegt. Der Boxer und Kampfsportler Theogenes war 22 Jahre lang Profi, erzielte 1300 Siege, davon 24 bei den Kranzspielen, und war immer unterwegs. Wie viel er verdiente, können wir ahnen, weil er einmal in Olympia wegen Passivität zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Die Summe entsprach 33 Jahreseinkommen einer Tagelöhnerfamilie. Das Wort "Amateur" gab es überhaupt noch nicht. Der Gedanke des Amateursports ist erst im 19. Jahrhundert entstanden.
Reges Treiben am Rande der Wettkämpfe
Rund um die Sportstätten herrschte Gedränge. Leise war es bestimmt nicht. Die Besucher schliefen in Gästezimmern, von denen es immer zu wenige gab, in einfachen oder prächtigen Zelten, in Laubhütten, unter provisorischen Schutzdächern. Wer es sich leisten konnte, nahm ein Apartment im edlen leonidaion, einer Herberge mit Garten und Restaurants. Es gab Badehäuser, fliegende Händler, Schänken, Imbissbuden, einen Markt. Dichter, Gaukler und Wahrsager traten auf. An einem bestimmten Tag der Spiele wurden dem Zeus 100 Stiere geopfert. Das heißt: Zeus bekam nur die Schenkel, der Rest des Fleisches wurde an die Festgäste verteilt und an unzähligen Feuerstellen gebraten.
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Kommentare zu "Olympia: Sport, Bestechung und Skandale"
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