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Stonehenge im Teutoburger Wald?
Während der Nazizeit galten die Externsteine bei Bielefeld als rituelle Stätte der Germanen. Reine Propaganda? Die wirkliche Sachlage ist immer noch umstritten
Wohl jede frühe Kultur hatte ihre Sternengucker, die beispielsweise den besten Zeitpunkt für die Aussaat bestimmen sollten. Seit vor vier Jahren bei Nebra in Sachsen-Anhalt eine 3600 Jahre alte Himmelsscheibe gefunden wurde, liegt der Schluss nahe, dass auch im bronzezeitlichen Mitteleuropa schon relativ fortgeschrittene Astronomie betrieben wurde.
Der Physiker und Astronom Wolfhard Schlosser von der Ruhr-Universität Bochum meint dafür einen weiteren Anhaltspunkt zu haben: Im Teutoburger Wald hätten un-sere Vorfahren während der Stein- und Bronzezeit ein Observatorium betrieben - bei den bis zu 40 Meter hohen "Externsteinen", einem Sandsteingebilde rund 30 Kilometer südöstlich von Bielefeld.
Die These von den Externsteinen als germanische Kultstätte ist relativ alt und diente speziell in der Zeit des Nationalsozialismus der völkischen Propaganda. Wissenschaftlich belegt worden sei sie indes nie, so die Berliner Archäologin Uta Halle, die sich jüngst in ihrer Habilitationsschrift mit der Archäologie während des Dritten Reiches beschäftigt hat.
Die letzte Ausgrabung an den Externsteinen fand 1934/35 statt, die von Uta Halle neu ausgewerteten Fundstücke der Grabungen lagern in den Schubschränken und Schaukästen des Lippischen Landesmuseums in Detmold. Fazit der Archäologin: Die Forscher hätten ihre Interpretation den Wünschen der Nazis angepasst. Es gebe dort keine Funde aus der Epoche zwischen Bronzezeit und Völkerwanderung.
Die Externsteine spielten Uta Halle zufolge als Kultort erst nach der Christianisierung dieser Gegend um 770 n. Chr. eine Rolle. Sämtliche Artefakte der Externsteine-Grabung sind jünger als 1000 n. Chr., die einzige Ausnahme sind Steinwerkzeuge und Feuerstein-Abschläge aus der älteren Steinzeit, die um 9000 v. Chr. datiert werden konnten. Damals lagerten Rentierjäger unter den Felsen. Dass sich 10000 Jahre lang nichts an oder in der Nähe der Externsteine abgespielt haben sollte, glaubt allerdings auch Uta Halle nicht. Denn immerhin führte ein uralter Handelsweg direkt an der Formation vorbei. Und besiedelt war die Gegend schon damals.
Auch dass es in einem Felsenturm der Externsteine eine Kammer gibt, in die genau zur Sommersonnenwende die aufgehende Sonne durch die Fensterhöhle hineinstrahlt, ist lange bekannt - wenn das auch allein kein aussagekräftiges Indiz ist. In dieser künstlich geschaffenen Kammer - rund 20 Meter über dem Boden - fanden Schlosser und der Steinmetz Ulrich Niedhorn an den Rändern der Fensterhöhle Schlagspuren, die ihrer Ansicht nach von prähistorischen Steinäxten stammen könnten.
Auf dem Falkenstein, einem den Externsteinen benachbarten Felsen, haben Schlosser und Niedhorn ferner sechs Sitzschalen mit Rückenlehnen und Fußrasten entdeckt. Dabei handelt es sich um natürliche Vertiefungen im Gestein, die bearbeitet wurden, um ein bequemeres Platznehmen zu ermöglichen. Von dort, so Schlosser, ließ sich über den sanften Hügeln des Teutoburger Waldes der Lauf der Sonne beobachten. Dieses Observationsdeck sei auf die Wintersonnenwende bezogen, da die Blickrichtung nach Südwesten ausgerichtet ist.
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