GEO.de - Übergroß: Michelangelo Seite 1 von 2
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Text von Jens Rehländer

Übergroß: Michelangelo

Ein Schwergewicht aus dem Taschen-Verlag über das Renaissance-Genie sorgt für Aufsehen - und Begeisterung



 (Foto von: Taschen Verlag)
© Taschen Verlag

Dieser ehrfurcht-einflößende Wälzer kostet 150 Euro - und ist für den Preis ein echtes Schnäppchen! Die Ausstattung ist, im buchstäblichen Sinn, kolossal: fast einen halben Meter Kantenhöhe, etwa sieben Kilo Gewicht, fast kartondickes Papier im opulenten Abbildungsteil, ein cremeweißer, festlicher Leineneinband mit extrabreitem Leseband, dazu ein unzerreißbarer Schutzumschlag mit einem spannungsgeladenen Detail aus dem wohl berühmtesten Werk des Künstlers: der "Erschaffung Adams" aus der Decke der Sixtinischen Kapelle im Vatikan.

Michelangelo Buonarotti (1475-1564) erreichte ein geradezu biblisches Alter und galt schon zu Lebzeiten seinen italienischen Landsleuten als bedeutendster Künstler überhaupt. Aristokraten und Kirchenfürsten standen Schlange, um beim Meister Kunstwerke in Auftrag geben zu dürfen. Dabei brachte es Michelangelo gleich in drei Disziplinen zum Renaissance-Genie: in der Malerei, der Skulptur und Architektur.


Geld spielte keine Rolle

Michelangelo lebte bescheiden, ließ sich sein Talent aber üppig vergolden: Nach seinem Tod fand man in seinem kleinem Haus 8289 Goldmünzen. Damit hätte der Patriarch das damals pompöseste Anwesen in Florenz kaufen können, den Palazzo Pitti. Hinzu kamen beachtliche Investitionen in Immobilien. Michelangelo war also schwer reich, doch Reichtum schien ihn nicht besonders zu interessieren.


Zum Beispiel die Sixtinische Kapelle

Etwa 400 der insgesamt 770 Seiten widmen die Verfasser der Biografie Michelangelos, die von Abbildungen der Kunstwerke begleitet wird, die er in jener Zeit schuf. Aber was für Abbildungen! Das Deckenfresko in der Sixtinischen Kapelle beispielsweise lässt sich auf mehr als einen Meter Breite ausklappen und so farbenfroh bestaunen, wie es sich erst seit der Restaurierung präsentiert. Es gibt eine Weitwinkel-Raumansicht der ganzen Kapelle, ein Schema der Decken-Bildinhalte - und danach, Seite für Seite, Bild für Bild, Klapper für Klapper, eine Motiv-Inspektion der Decke. Dabei wandelt sich der Abbildungsinhalt von der entfernten Gesamtschau bis zu Details, die so dicht und groß gedruckt sind, dass man den Pinselstrich sieht, die Körnung des Deckenkalks und die Risse der Jahrhunderte.


Wie unter einer Lupe

Es sind die Fern- und Nahsichten, die voluminös gedruckten Details, die variierenden Standpunkte der Fotografen, die das Betrachten der Kunstwerke in diesem Buch aufregender machen als stünde man direkt davor – zumal man selbst dann kaum je dem Kunstwerk so nahe käme, wie es den Fotografen in diesem Buch erlaubt gewesen ist. Dass die Skulpturen in Schwarz-Weiß fotografiert wurden, befördert nur den konzentrierten Blick des Betrachters, seine Aufmerksamkeit für Details, die einem im Museumstrubel entgehen würden.

» Lesen Sie weiter: Warum dieses Buch keine Kunstexperten adressiert, sondern kunstinteressierte Laien





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