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Klaus Bachmann

Klaus Bachmann

Textredakteur

Zweifel hatte ich schon, ob das Projekt erfolgreich sein würde. Ob es uns gelingen würde, rund vier Dutzend Wissenschaftler aus der ganzen Welt davon zu überzeugen, am 1. Februar 2010 zu einer vorgegebenen Zeit zu notieren, was sie gerade taten, und dies dann auch im Bild festzuhalten (siehe "Ein Tag im Leben der Wissen- schaft", Heft 05/2010). Man stelle sich vor: Ein Vulkanologe in Indonesien, ein Garnelen-Experte auf den Fidschi-Inseln wird von einem ihm vermutlich unbekannten Magazin namens GEO aus Deutschland plötzlich per E-Mail gebeten, als Rädchen in einem großen Getriebe aufzutreten. Er hätte gut auf die Löschtaste drücken können. Aber kaum war die Anfrage unterwegs, kamen erste Zusagen. Manche erkundigten sich: "Warum gerade ich?" Einige ließen sich das Vorhaben am Telefon erläutern. Und auch wenn am Ende mehr als 600 E-Mails hin- und hergegangen waren, freundliche Mahnungen darunter, erwiesen sich die Adressaten als erstaunlich kooperativ.

Das ist eine Erfahrung, die ich als Reporter haufig gemacht habe. Das Gros der Forscher offnet seine Laborturen gern: Wie der amerikanische Okologe Stephen Hubbell, der sich mehrere Tage Zeit nahm, um mir seine Theorie der Biodiversitat auseinanderzusetzen. Oder wie der osterreichische Chemiker Thomas Loerting, der eigens Experimente aufbaute, um mir verschiedene Formen gefrorenen Wassers vor Augen zu fuhren. Es mag das Bedurfnis mitspielen, eine Arbeit offentlichkeitswirksam zu "verkaufen". Doch meist, so spure ich immer wieder, steckt die Begeisterung der Forscher fur ihr Thema dahinter. Und wenn sie merken, dass es ein Besucher genau wissen will, sich gut vorbereitet hat legen sie richtig los. Uberhaufen den Reporter mit Details, skizzieren elektrische Schaltplane in den Rechercheblock, fuhren eine Computersimulation nach der anderen vor. Dann gilt es, sie behutsam zuruckzulotsen von den verwirrenden Feinheiten zum großen Bild. Denn das muss der Autor fur seine Leser ja zeichnen. Mit der steten Herausforderung, den groben Strich fur den Uberblick mit den feinen Linien der Details zu kombinieren. Im Fall des "Globalen Wissenschaftstages" war dies nicht die Aufgabenstellung, es ging hierbei um Skizzen aus dem Leben der Forscher-Internationale. Aber ahnlich einem pointillistischen Gemalde ergeben schon die Andeutungen, wie ich finde, eine bemerkenswerte Momentaufnahme des Planeten Wissen.

Klaus Bachmann, 52, wuchs im unterfrankischen Marktheidenfeld auf. Nach dem Studium der Chemie in Wurzburg und Hamburg wechselte er in den Journalismus. Er absolvierte ein Volontariat bei der Deutschen Presse-Agentur, arbeitete anschließend fur das Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt. Seit 1991 ist er mit GEO verbunden: als Redakteur bei GEO WISSEN, danach als freier Autor. Im Sommer 2000 kehrte er in die Redaktion des "grunen" Heftes zuruck. Seine Themen beruhren haufig fundamentale Fragen der Wissenschaft: Was ist das Nichts? Ist das Universum unendlich? Oder: Sind Naturkonstanten wirklich konstant?