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FameLab: FameLab-Finale: Vergessen Sie Bohlen!

Bühnenreife Wissenschaft vom Feinsten zeigten die Finalisten des FameLab-Finales 2012. Den ersten Platz errang Timo Sieber mit einem Blitzvortrag über molekulare Krebstherapie. Vom finale furioso in Bielefeld berichtet GEO-Chefredakteur Peter-Matthias Gaede

Text von Peter-Matthias Gaede
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Räumte den ersten Platz im Deutschland-Finale ab: Krebsforscher Dr. Timo Sieber vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
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Errang den zweiten Platz mit einem Vortrag über die "Mückenmafia": Iris Kröger vom Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung
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Gewinner der Herzen: Der Bielefelder Jan Marek Ache errang den Publikumspreis mit einem gereimten Vortrag über die Fortbewegungsart der Stabheuschrecke im Blätterdschungel
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Ausgezeichnet: die Gewinner des FameLab-Finales 2012
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Am Mikro: FameLab-Moderator Martin Knabenreich, Chefredakteur von Radio Bielefeld. Sein Gegenüber: Jan Marek Ache, Gewinner des Publikumspreises. Thema: die Intelligenz der Stabheuschrecke beim Bewegen ihrer Glieder. Und die Robotik
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Anna Stöckel, Neurowissenschaftlerin, Universität München. In der Hand und handgemacht: ein "Modem". Noch unsichtbar: der Grüne Messerfisch und sein siebter Sinn. Ein Beitrag zur Übertragungsleistung von Nervenzellen
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Boris Nikolai Konrad, Psychologe, Max-Planck-Institut München. Er lehrte, sich eine Landschaft mit Tieren vorzustellen, um sich alle bisherigen Bundespräsidenten in richtiger Reihenfolge zu merken. "Gedächtnis ist erlernbar!"
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Christian Mallas, Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie, Itzehoe. Regelung, Steuerung - was unterscheidet sie? Oder: Wann wird's zu warm, wann zu kalt? Und wann - mit Regelung! - wohltemperiert? Schwieriger, als man denken sollte
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Christopher Kyba, Leibniz-Institut für Gewässerökologie, FU Berlin. Listen to me, yeah! In fabelhaftem Englisch vorgetragen: eine Abhandlung über Lichtverschmutzung, Polarisation und die Sehfähigkeit des Dungkäfers
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Dorothea Helmer, Biochemikerin, TU Darmstadt. Titel ihres Auftritts: "Hollywood im Blutgefäß". Requisite: ziemlich deutsch. Thema: Initialzündungen im Immunsystem, Rezeptormoleküle - und wann es in ihnen um die Wurst geht
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Ina Leinweber, Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung, Berlin. Eigentlich sind Embryonen Aliens im weiblichen Körper, da sie auch "etwas vom Mann" haben. Wieso aber überwinden sie das Abwehrsystem der Frauen?
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Jesper Dramsch, Geophysiker, Universität Hamburg. Geht die Welt demnächst unter? Nö. Die Erdschichtenerkundung à la Dramsch gibt jedenfalls nicht den geringsten Anhaltspunkt für die Thesengenauigkeit angstlüsterner Apokalyptiker
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Matti Gralka und Johannes Zierenberg, Physiker, Universität Leipzig. Titel ihrer Performance: "Polymere Zellen und Goethe". Man kann, bewiesen sie, den Zusammenhalt von Zellen im Gewebe und die Fassung der Zellen durchaus schon singen
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Lars Ruthotto, Mathematiker, Universität Lübeck. Ein "Herz für Mathematiker" öffnete er innerhalb von drei Minuten mit dem Nachweis, wie vernünftig es für die Medizin ist, sich auf die klugen Rechner zu verlassen. Zum Beispiel für die Herzmedizin
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Matthias Rubart, Kosmologe, Universität Bielefeld. Was ist eine Galaxie, was Gravitation, was Schwerkraft? Ungefähr alles mit Bällen und Bändern zu illustrieren. Und die "Dunkle Materie"? Tja, wenn man das doch endlich genauer wüsste
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Volker Räntzsch, Chemiker, Institut für Technologie Karlsruhe. Wie lässt sich der neue Wunderstoff Graphen herstellen? Im Modellversuch ganz einfach: aus einem Bleistiftstrich. In der Realität etwas aufwändiger und teurer. Eine Sensation ist er trotzdem
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Die Juroren zeigten ganz offen, dass sie zur Vergnügungssucht neigten. Von links nach rechts: Markus Weißkopf, Geschäftsführer von "Wissenschaft im Dialog", Dr. Antonia Rötger, Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, Peter-Matthias Gaede, Chefredakteur GEO. Leider nicht im Bild: Katja Ridderbusch, deutsch-amerikanische Journalistin und Kommunikationstrainerin
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Die Wahl zum Publikums-Liebling: pro Kandidat eine Box mit Schlitz und Bild. Wahlberechtigt: 850 Zuschauer und -hörer. Aktives Wahlalter: unbegrenzt. Wahlbeteiligung: viel besser als in der Politik. Wahlverlierer: eigentlich niemand
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Kann man 850 Menschen, die an einem Samstagabend in eine ziemlich kalte Werkshalle gekommen sind, mit einem dreiminütigen Vortrag über die Bewegungskoordination von Stabheuschrecken von den Sitzen reißen? Man kann! Kann man 850 Menschen allen Alters, Schüler wie Senioren, mit Initialzündungen im Immunsystem und Dunkler Materie im All, mit der Sehfähigkeit des Dungkäfers und Regelungstechnik über zweieinhalb Stunden hinweg immer wieder zu orkanstarkem Beifall und spontanen Begeisterungsausbrüchen animieren? Man kann!

Sie jedenfalls konnten es, die 15 Deutschlandfinalisten des FameLab-Wettbewerbs, die am 31. März in Bielefeld auf der Bühne des Ringlokschuppens standen, um Erkenntnisse aus Kybernetik und Kosmologie zu präsentieren, aus Materialforschung und Biologie, aus Hirnforschung, Physik und Chemie; jeweils nur 180 Sekunden lang.


Hollywood, polymere Zellen und Mückenmafia

Sie waren aus Forschungsstätten in Lübeck und Karlsruhe gekommen, aus Potsdam und München, aus Darmstadt und Berlin, aus Itzehoe, Hamburg und Leipzig. 15 junge Frauen und Männer, die ihre Vorträge "Hollywood im Blutgefäß" nannten und "Polymere Zellen und Goethe", "Ein Herz für Mathematiker" oder "Mückenmafia". Und die Physik sangen und Robotik dichteten, die mit Nudelhölzern agierten und mit Handpuppen, mit Wurstersatz und Scherzartikeln; die Bälle ins Publikum schleuderten, um Zentrifugalkräfte zu demonstrieren; und Babyattrappen von sich warfen, um den Widerstand gegen Embryonalzellen anschaulich zu machen.


Wissenschaft von Verrückten? Natürlich nicht. Nur Wissenschaft, die mitreißen will. Und genau dies auf eine Art schafft, die in eher klassischer Vortragskunst geschulten Akademikern wohl den Atem raubte. Selbst dann, wenn es um Krebsforschung geht. Aus Thesenpapieren werden bei FameLab Feuerwerke, aus erkenntnistheoretischem Trockenobst wird bei FameLab eine blühende Wiese. Und aus jungen, begabten Wissenschaftlern aus Deutschland werden bei FameLab Erzähltalente mit Charisma. Um Erkenntnis und solide Fakten geht es, aber ganz besonders um eine möglichst attraktive Art, schwierige Materie auch Laien zu vermitteln - und sie zu einem Genuss für den Denkapparat zu machen.

Initianten: das "British Council", Großbritanniens Goethe-Institut, und das Wissenschaftsbüro der Bielefeld Marketing GmbH. Förderer: Wissenschaft im Dialog, der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Medienpartner und Sponsor: GEO, das durch seinen Chefredakteur auch in der Jury vertreten war.


Dem Deutschlandsieger winkt die Teilnahme an der "Cheltenham Science Week"

Als Deutschlandsieger 2012 wird Dr. Timo Sieber, beschäftigt mit molekularer Krebstherapie am Universitätsklinikum Hamburg, zur "Cheltenham Science Week" fahren, wo er mit den Landessiegern aus rund 20 weiteren Nationen um die internationale Krone in der Wissenschaftskommunikation kämpfen wird. Und dort wohl einmal mehr die Spezialisierung von Zellen erläutern wird, eine Zellfähigkeit, die er schon deshalb lobte, weil er selbst sonst nur "als matschiger Haufen" vor seinem Publikum stehen könne. Der zweite Preis, eine Reise in den "Wissenschaftssommer", ging an Iris Kröger vom Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, die eine dreiminütige "Tatort"-Ausgabe inszenierte, in der Wasserflöhe den Sumpf aggressiver Mücken austrockneten. Und den Publikumspreis erhielt der Bielefelder Biologe Jan Marek Ache, in einem Beifallsvulkan gefeiert für seine Fähigkeit, die Motorik von sechs Insektenbeinen und deren Bedeutung für die Avantgarde-Robotik in die Poesie großer Gebrauchslyrik zu kleiden.

Fortsetzung folgt 2013.




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