Inhalte des Heftes:
Inhaltsverzeichnis
Der Glanz des Glaubens
Nach Jahrhunderten der Dunkelheit, in denen nur
wenige Schriften oder Kunstwerke entstehen, beginnt
im Abendland um das Jahr 800 der Aufstieg zur
ersten Kulturhochblüte
seit der Antike. Maler und
Goldschmiede feiern in prächtigen Werken
vor allem die christliche Religion. Denn es
ist der tiefe Glaube, der die Menschen
des Mittelalters verbindet
Die Äbte von Conques: "Die Heilige Fides"
Um Pilger in ihr Kloster zu locken, stehlen Mönche aus dem französischen Conques
im 9. Jahrhundert die Gebeine einer antiken Märtyrerin. Ihre Beute umhüllen sie mit einer
goldenen Figur - einer der ersten bis heute erhaltenen Statuen der Christenheit.
Doch die Theologen bekämpfen den vermeintlichen Götzenkult
Die Königin des Himmels
Sie heilt Kranke, entscheidet Schlachten, hilft Notleidenden und
rettet die Frommen vor der Pest: Im Laufe der Jahrhunderte wandelt sich
die Gottesmutter Maria von der Gemahlin eines jüdischen Zimmermanns
zum Sinnbild der Schönheit, der Hoffnung und des Trostes. Keine
andere Frau stellen die Künstler des Mittelalters so oft dar wie sie -
und keinen anderen Menschen verehren die Gläubigen mehr
Zum Lobe des Herrn
Aus alleredelstem Stein
ist die Stadt Gottes, aus reinem
Gold, durchscheinend wie
Glas - so steht es in der Bibel.
Und so soll es auch auf Erden
sein: Im Wettstreit um das
schönste irdische Gotteshaus
schaffen die Baumeister
vom 12. Jahrhundert an mächtige
Kathedralen mit großen
Fenstergruppen, die alles
bis dahin Dagewesene in den
Schatten stellen. Der neue
spitzbögige Stil - die Gotik -
wird die Baukunst des
Abendlandes jahrhundertelang
beherrschen
Mönche von Helmarshausen: "Evangeliar Heinrichs des Löwen"
Als Herzog Heinrich von Sachsen und Bayern 1180 in einem Machtkampf gegen
Kaiser Friedrich Barbarossa unterliegt, verliert der Adelige fast alle Ländereien. Doch mit
einem Kunstwerk, das Mönche in seinem Auftrag anfertigen, lässt er weiterhin
seinen Anspruch auf Größe verkünden: durch ein Buch, das so prächtig und aufwendig
illustriert ist wie kein anderes zu jener Zeit in den deutschen Landen
Das Gefüge der Welt
Gott hat die Welt des
Mittelalters geordnet: Er
verleiht Königen ihre Macht,
er scheidet die Menschen
in Ritter, Mönche und Bauern.
Seine Gesetze wirken in
der Natur und der Mathematik,
er bestimmt den Lauf der
Jahreszeiten, seine Gebote sind
die Grundlage für Recht und
Moral des christlichen Abendlandes.
Und künstlerisch
begabte Handwerker halten
fest, meist im Auftrag hoher
Herren, wie es zugeht in
dieser Welt der Herrschenden
und der Beherrschten
Siena: Kapitale einer neuen Kunst
Im späten 13. Jahrhundert kommt es unter den Malern Italiens zu einer Revolution ihrer Weltsicht.
Einer der Hauptorte dieser Umwälzung ist Siena. Denn in der toskanischen Handelsmetropole
lösen sich die Meister von den Traditionen der bis dahin prägenden byzantinischen Ikonen. Sie
schaffen unter anderem gewaltige Marienbildnisse, die Mutter und Kind so menschlich zeigen wie
nie zuvor. Und geben erstmals Städte und Landschaften detailliert wieder
Die Seligen und die Verdammten
Leid und Tod sind im
Mittelalter allgegenwärtig. Sie
kommen mit den Kriegen,
den Hungersnöten
und Seuchen, dem
mühevollen Alltag. Doch das
Christentum verspricht Hoffnung,
die Erlösung von aller irdischen
Pein im Jenseits. Allerdings nur jenen,
die ein gottgefälliges
Leben führen,
die sich den überall lauernden
Mächten des Bösen versagen. Allen
anderen droht ein Ort, dessen
Qualen jede menschliche Vorstellung
übertreffen: die Hölle
Tilman Riemenschneider: "Heiligblutaltar"
Während in Italien die Renaissancekünstler bereits mit mittelalterlichen
Traditionen brechen, fertigt der deutsche Bildhauer Tilman Riemenschneider noch
Meisterwerke der Spätgotik. Um 1505 versieht er einen prächtigen
Altaraufsatz mit einer ungewöhnlichen Figurengruppe