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Kennedy: Leseprobe: Zeitläufte - John F. Kennedy

TEXT: STEFAN SEDLMAIR und JENS-RAINER BERG
Kuba, Apollo, Rassenunruhen, Vietnam: Alle wichtigen Daten und Fakten über die Präsidentschaft John F. Kennedys im Überblick


Lesen Sie einen Auszug aus GEOEPOCHE Nr. 40 "John F. Kennedy"


Anfang 1960 gibt John F. Kennedy seine Kandidatur für das Präsidentenamt bekannt. Doch in der eigenen Partei hat der 42-jährige Senator von Massachusetts zunächst viele Widersacher (Foto von: John F. Kennedy Presidential Library & Museum)
© John F. Kennedy Presidential Library & Museum
Anfang 1960 gibt John F. Kennedy seine Kandidatur für das Präsidentenamt bekannt. Doch in der eigenen Partei hat der 42-jährige Senator von Massachusetts zunächst viele Widersacher

1917
29. Mai. John Fitzgerald Kennedy wird in Brookline, einem Vorort von Boston im US-Bundesstaat Massachusetts, geboren. Er ist das zweite von neun Kindern des katholischen Geschäftsmanns Joseph P. Kennedy und seiner Frau Rose, einer Tochter des einflussreichen Bostoner Politikers John F. Fitzgerald. Alle Urgroßeltern John F. Kennedys sind in Irland geboren worden und im 19. Jahrhundert ausgewandert.

1936
Kennedy beginnt ein Studium in Harvard; 1940 macht er seinen Abschluss im Fach Internationale Beziehungen. Während der Studienzeit bereist er Europa, besucht unter anderem das nationalsozialistische Deutschland und die UdSSR. Den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erlebt er in London, wo sein Vater – inzwischen Multimillionär und für eine politische Karriere aus dem Geschäftsleben ausgeschieden – seit 1938 als Botschafter dient.

1941
Oktober. JFK meldet sich freiwillig zur US-Marine. Zwei Monate später greifen japanische Fliegerstaffeln den amerikanischen Stützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii an. Die USA treten daraufhin in den Zweiten Weltkrieg ein.

1943
Kennedy wird auf seinen ersten Kriegseinsatz außerhalb der USA geschickt: als Kommandant des Schnellbootes „PT-109“ im Südpazifik. In der Nacht zum 2. August stößt das Schiff im Einsatz nordöstlich von Australien mit einem japanischen Zerstörer zusammen und sinkt. Kennedy gelingt es, einen Großteil seiner Mannschaft zu retten: Schwimmend erreichen die Männer eine mehrere Kilometer entfernte Insel, wo sie von Melanesiern gefunden werden. US-Zeitungen feiern Kennedy danach als Kriegshelden.

1944
12. August. Joseph P. Kennedy jr., Navy-Pilot und älterer Bruder von John, kommt bei einer Flugzeugexplosion über der englischen Küste ums Leben. Vater Joseph sr. hatte seinen ältesten Sohn für eine große politische Laufbahn vorgesehen, nachdem er die eigene Karriere als Diplomat 1940 wegen Auseinandersetzungen mit Präsident Franklin D. Roosevelt aufgeben musste. Nach Joe Juniors Tod fördert er nun systematisch den zweitgeborenen John.


1946
5. November. John F. Kennedy gewinnt als Kandidat der Demokratischen Partei einen Sitz als Abgeordneter im Repräsentantenhaus. Es ist der erste in einer ununterbrochenen Reihe von Wahlsiegen. Wie bei allen weiteren Erfolgen hat der Vater den Sohn massiv mit Geld unterstützt und seine weitreichenden Kontakte genutzt. In dem neuen Amt interessiert sich JFK kaum für die Belange seines Wahlkreises in Massachusetts, überträgt diesen Teil der Arbeit seinen Büroangestellten. Er selbst befasst sich lieber mit außenpolitischen Themen. In seinen Debattenbeiträgen im Parlament beschwört er vor allem den Kampf gegen den Kommunismus.

1949
29. August. Die Sowjetunion zündet ihre erste Atombombe und bricht damit das Nuklearmonopol der USA. Es beginnt das atomare Wettrüsten. Der Kalte Krieg und die nukleare Bedrohung werden die Außenpolitik der folgenden Jahrzehnte bestimmen.

1952
4. November. JFK wird zum Senator für Massachusetts gewählt. Er hat sich gegen den alteingesessenen Republikaner Henry Cabot Lodge jr. durchgesetzt. Der Senat, die zweite Kammer des US-Kongresses, besitzt in außenpolitischen Fragen größere gesetzgeberische Kompetenzen als das Repräsentantenhaus. Zugleich dient er Politikern wie Kennedy als Bühne, um sich landesweit Prestige zu erarbeiten.

1953
12. September. Kennedy heiratet Jacqueline Bouvier. Die 24-jährige Journalistin entstammt einer katholischen Familie mit französisch-irischen Wurzeln und hat unter anderem in Paris Literatur studiert.

1954
Oktober. Senator Kennedy lässt sich wegen eines schweren Rückenleidens operieren, fällt nach dem Eingriff für kurze Zeit ins Koma und kann erst im Mai des folgenden Jahres wieder seinen Amtsgeschäften nachgehen. Der Politiker leidet unter zahlreichen chronischen Beschwerden, die zumeist geheim bleiben, etwa unter einer Unterfunktion der Nebennierenrinde, die auch das Immunsystem schwächt. Um seinen Rücken zu stützen, trägt er auch bei öffentlichen Auftritten ein Korsett.

1957
JFK erhält den renommierten Pulitzer-Preis für sein im Vorjahr erschienenes Buch „Zivilcourage“. Darin porträtiert er acht US-Senatoren, die durch ihr mutiges, moralisch integres Verhalten zu Vorbildern geworden seien. Der große Erfolg des Bestsellers steigert Kennedys Popularität in den USA und verleiht ihm die Aura eines Intellektuellen – auch wenn vermutlich sein Berater und Redenschreiber Theodore Sorensen intensiv an dem Buch mitgearbeitet hat.

1958
4. November. Bei seiner Wiederwahl als Senator erhält Kennedy 73,6 Prozent der Stimmen – sechs Jahre zuvor hatte er noch mit 51,5 Prozent gewonnen.


1960
2. Januar. Kennedy bewirbt sich als Kandidat der Demokratischen Partei für die Präsidentschaftswahlen im November und geht in den folgenden Monaten in die Vorwahlen gegen parteiinterne Konkurrenten. Am 5. April besiegt er etwa in Wisconsin Hubert Humphrey mit großem Stimmenvorsprung.

13. Juli. Auf dem Nominierungsparteitag der Demokraten erhält Kennedy deutlich mehr Stimmen als sein größter Rivale, Senator Lyndon B. Johnson aus Texas. Vielen Delegierten erscheint der Mann aus Massachusetts wegen seines guten Aussehens und seines gewinnenden, medienwirksamen Auftretens als der chancenreichere Kandidat. JFK profitiert zudem davon, dass er innenpolitisch keine eindeutige Position bezieht. Denn die Partei ist tief gespalten zwischen Liberalen aus dem Norden und konservativen Südstaatlern, als deren Vertreter Johnson antritt. Doch Kennedy gelingt es, fast alle Delegierten aus dem Norden, Osten und Westen für sich zu gewinnen. Den unterlegenen Texaner Johnson macht er zum Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten, um sich die Zustimmung der Wähler im Süden zu sichern.

8. November. 68,8 Millionen US-Bürger geben ihre Stimme bei den Präsidentschaftswahlen ab. Da der populäre Amtsinhaber Dwight D. Eisenhower nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren darf, hat die Republikanische Partei seinen Vizepräsidenten Richard Nixon nominiert. Kennedy gewinnt die Wahl. Bei den Wahlmännern, die nach einem komplizierten System durch die Stimmen der Bürger ermittelt werden und den Präsidenten küren, erlangt er mit 303 von insgesamt 537 eine deutliche Mehrheit. Bezogen auf die Gesamtzahl der landesweit abgegebenen Stimmen, erringt er allerdings nur einen äußerst knappen Vorsprung von 0,17 Prozent – nicht einmal 120000 Stimmen.

1961
20. Januar. John F. Kennedy wird als 35. Präsident der USA vereidigt. Er ist der erste Katholik, der dieses Amt antritt, und mit 43 Jahren auch der jüngste gewählte Präsident. Bei dem Festakt vor dem Kapitol in Washington appelliert er an die Bürger, opferbereit zu sein, sich zu engagieren, um gemeinsam ein besseres Amerika zu schaffen. Er selbst beruft Minister ungeachtet der Parteizugehörigkeit: Für die Ressorts Verteidigung und Finanzen nominiert er die Republikaner Robert McNamara und Douglas Dillon. Dem Justizministerium steht Kennedys erst 35 Jahre alter Bruder Robert vor.

30. Januar. In seiner ersten Rede zur Lage der Nation vor dem Kongress skizziert JFK die Ausrichtung seiner Präsidentschaft. Das Land, das er nun regiert, hat – nach dem enormen Wirtschaftswachstum der Nachkriegszeit – zahlreiche Probleme: Der Wohlstand ist zum Teil extrem ungleich verteilt, in den Städten nehmen Armut und Kriminalität zu, das Wirtschaftswachstum lässt nach, die Preise steigen und die Arbeitslosenquote ist hoch. Seine innenpolitischen Ziele hat Kennedy bereits zuvor unter das Motto „New Frontier“ (sinngemäß „Neue Herausforderung“) gestellt: Er will unter anderem das Gesundheitssystem reformieren, das öffentliche Schulwesen ausbauen, den Wohnungsbau fördern, die Städte sanieren und den Armen mehr wirtschaftliche Sicherheit geben.

Der Kern von Kennedys Außenpolitik ist der unnachgiebige Kampf gegen den Kommunismus. Unter dem neuen Präsidenten beginnen die USA die größte Aufrüstung ihrer Geschichte in Friedenszeiten. Innerhalb der ersten drei Monate beantragt Kennedy eine Erhöhung des Verteidigungsetats um fast 13 Prozent. Und er ändert die Strategie: Nicht allein Drohungen mit massiver atomarer Vergeltung – wie sie die Eisenhower-Regierung vorsah – sollen den Kommunismus in Zukunft eindämmen, sondern, sofern nötig, einzelne Atomraketenangriffe und flexible militärische Einsätze von US-Soldaten überall auf der Welt. Auch für Lateinamerika fordert er bald einen Strategiewechsel: Die USA sollen hier allein durch wirtschaftliche Hilfe Einfluss nehmen, sollen demokratische Reformen fördern, statt wie bislang rechtsgerichtete Militärregimes zu unterstützen.

1. März. Der Präsident gründet das „Peace Corps“. Diese staatliche Organisation ermöglicht es US-Bürgern, sich in Entwicklungshilfeprojekten im Ausland zu engagieren. Ein Ziel neben der Völkerverständigung: Entwicklungsländer für die USA einzunehmen – und einen möglichen sowjetischen Einfluss dort zu mindern. Noch im August desselben Jahres reisen die ersten Freiwilligen nach Ghana. Tausende Aktivisten gehen in den folgenden Jahren nach Afrika, Asien und Lateinamerika, arbeiten als Lehrer, helfen Bauern, die Landwirtschaft umzuorganisieren. Das „Friedenskorps“ gilt (von Kennedy auch bewusst so inszeniert) als große Errungenschaft des jungen Präsidenten. Die tatsächliche Bedeutung der Hilfsprojekte bleibt allerdings begrenzt.

12. April. Der sowjetische Kosmonaut Jurij Gagarin umrundet als erster Mensch die Erde im All. Viele US-Bürger sehen darin einen Prestigeverlust. Zwar erreicht nur wenige Wochen später auch der erste Amerikaner den Weltraum – doch der Astronaut Alan Shepard kehrt am 5. Mai bereits nach 15 Minuten zur Erde zurück, ohne eine Umlaufbahn erreicht zu haben. Ein mit Gagarins Raumflug vergleichbarer Erfolg wird den USA erst im Jahr darauf gelingen: Am 20. Februar 1962 umrundet John Glenn die Erde dreimal.

17. April. Rund 1300 vom US-Geheimdienst CIA militärisch ausgebildete Exilkubaner landen in der Bahía de Cochinos („Schweinebucht“) an der kubanischen Südküste. Sie sollen einen Aufstand gegen das revolutionäre Regime auf der Insel auslösen. Denn durch den Sturz des Diktators Fulgencio Batista zwei Jahre zuvor haben die USA ihren Einfluss auf die Politik Havannas verloren; die CIA-Chefs fürchten nun, dass sich die Revolutionsregierung der Sowjetunion annähert. Deshalb hatten bereits unter Präsident Eisenhower Planungen für eine Intervention auf Kuba begonnen, allerdings ohne direkte Beteiligung von US-Soldaten.

Kennedy hat, gedrängt von Beratern, die Invasion gebilligt, obwohl sie seiner erst kurz zuvor angekündigten Lateinamerika-Politik widerspricht – der „Alliance for Progress“, einem wirtschaftlichen und sozialen Fortschrittsbündnis zwischen den USA und den mittel- sowie südamerikanischen Staaten. Als die Exilkubaner am 17. April landen, ist Fidel Castro bereits durch den sowjetischen Geheimdienst gewarnt; Oppositionelle hat er festsetzen lassen, kubanische Soldaten erwarten die Invasoren. Die meisten von ihnen geraten in Gefangenschaft. Kennedy übernimmt die volle Verantwortung für das militärische und politische Desaster. Seiner Beliebtheit in der Bevölkerung schadet das indes nicht.

Die vollständige Zeittafel finden Sie in der gedruckten Ausgabe von GEOEPOCHE Nr. 40 "John F. Kennedy"


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