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Hotel LuxDer "Große Terror"Künstler unter Stalin

EMIGRANTEN - HOTEL LUX

Ruth von Mayenburg, Hotel Lux. Das Absteigequartier der Weltrevolution (Piper, München und Zürich 1991), 352 Seiten, antiquarisch ab 25 Euro.
Sieben Jahre lebte Ruth von Mayenburg, Frau des Euro-Kommunisten Ernst Fischer, im Hotel Lux. Detailliert und eindringlich beschreibt sie die klaustrophobische Atmosphäre in dem Hotel, das für viele seiner Bewohner zur Falle wurde. Eine tiefgehende historische Analyse der politischen Hintergründe stalinistischer Säuberungen liefert die Autorin nicht, dafür aber fesselt ihr Buch mit plastischen Schilderungen von Verrat und Schrecken unter den Exilkommunisten in den 30er Jahren und erhellenden Anekdoten über die kommunistische Prominenz von Walter Ulbricht bis Ho Chi Minh.

Reinhard Müller, Herbert Wehner. Moskau 1937 (Hamburger Edition, Hamburg 2004), 520 Seiten, 35 Euro.
Wenig gab der langjährige SPD-Fraktionsvorsitzende Herbert Wehner über seine Zeit im Moskauer Exil preis, wo er von 1937 bis 1941 im Hotel Lux lebte. Erst am Ende seiner politischen Karriere veröffentlichte er seine Erinnerungen „Zeugnis“. Hier beschrieb er sich als ein Opfer von Intrigen kommunistischer Genossen, das im stalinistischen Terror „anständig“ geblieben war – ein Selbstzeugnis, das lange Jahre bei Historikern Glauben fand.

Der Hamburger Historiker Reinhard Müller aber konnte nach jahrelangen Recherchen in Moskauer Archiven nachweisen, das Wehner keineswegs nur ein Opfer, sondern vielmehr Täter im Geflecht des stalinistischen Terrorapparats gewesen ist. Bereitwillig lieferte er dem sowjetischen Geheimdienst Informationen über abtrünnige deutsche Kommunisten. Seine Informationen trugen mit zur Verfolgung von dutzenden deutschen Emigranten bei. Müllers Buch ist nicht immer leicht lesbar, zeichnet aber akribisch Wehners Aktivitäten in Moskau nach und liefert anhand des Falls Wehner einen fundierten Einblick in den stalinistischen Verfolgungsapparat.


DER "GROSSE TERROR" - DIE FLÜSTERER


 (Foto von: Berlin Verlag)
© Berlin Verlag

Orlando Figes, Die Flüsterer: Leben in Stalins Russland (Berlin Verlag, Berlin 2008), 1036 Seiten, 34 Euro.
Bei den Recherchen zu diesem Buch haben der britische Historiker Figes und Mitarbeiter der Menschenrechtsorganisation „Memorial“ hunderte Familienarchive ausgewertet und mit hunderten Überlebenden gesprochen. So entstand ein beeindruckendes Großwerk, das den von Angst geprägten Alltag unter Stalin so umfassend zeigt und auslotet wie kaum ein anderes.


KÜNSTLER UNTER STALIN - DIE GROSSE UTOPIE

Hubertus Gassner und Alisa B. Ljubimova, Agitation zum Glück. Sowjetische Kunst der Stalinzeit (Edition Temmen, Bremen 1993), 165 Seiten, antiquarisch ab 20 Euro.
Zu Beginn der 90er Jahre zeigte die Ausstellung in der Kasseler Documenta-Halle rund 100 Werke aus den 1920er bis 1950er Jahren, die zum großen Teil erstmals in den Westen gereist waren. Der Katalog versammelt nicht einfach eine Ikonografie Stalinschen Personenkults, sondern belegt mit kunsthistorischer Akribie, wie sich im Lauf der Jahrzehnte die Darstellung des Alltags wandelte - von den himmelstürmenden "Neuen Menschen" der Jahre nach der Revolution zu den biederen, konservativen Idyllen der Nachkriegszeit.

Laurel E. Fay, Shostakovich, A Life (Oxford University Press, Oxford 2005), 488 Seiten, 19 Euro.
Die beste aktuellste Schostakowitsch-Biografie. Ein sehr ausgewogenes Werk, das in seiner Genauigkeit von der Öffnung der Archive nach dem Ende der Sowjetzeit profitiert.

Krzysztof Meyer, Dmitri Schostakowitsch, Sein Leben, sein Werk, seine Zeit (Atlantis Musikbuch, Zürich 1989), 624 Seiten, 19,95 Euro.
Der polnische Komponist und Pianist Meyer, Professor an der Kölner Musikhochschule und persönlicher Bekannter seines tragischen Protagonisten, fächert in dieser Biografie nicht nur das zerrissene Leben Schostakowitschs und das historische Umfeld auf, sondern zeigt auch - anhand zahlreicher Notenbeispiele - die musikalische Entwicklung des großen sowjetischen Komponisten. Dass das Buch trotz aller Präzision außerordentlich lesbar ist, erhöht seinen Wert noch um einiges.


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