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GEO EPOCHE Nr. 38 - 08/09 - Stalin - Heft vergriffen - › Abonnieren

Stalin: GEOEPOCHE-Buchtipps: Stalin

Weiterführende Literatur zum Thema, für Sie zusammengestellt und bewertet von der GEOEPOCHE-Redaktion


GESAMTDARSTELLUNGEN – STALIN UND SEINE ZEIT


 (Foto von: Palgrave)
© Palgrave

Kevin McDermott, Stalin: Revolutionary in an Era of War (Palgrave, Basingstoke 2006), 240 Seiten, 67,99 Euro. Und Robert Service: Stalin. A Biography (Pan Books, London 2004), 715 Seiten, 12,99 Euro.

Es ist in den letzten Jahren wohl kaum so viel über eine historische Persönlichkeit geschrieben worden wie über Stalin. Nahezu alle Bücher über den sowjetischen Dikator drehen sich um die Frage, warum und unter welchen Umständen dessen fast 25-jährige Gewaltherrschaft möglich war. Der britische Historiker Kevin McDermott bietet auf knapp 200 Seiten einen sehr analytischen, auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhenden Überblick über Stalins Leben und seine Zeit. Wesentlich detailreicher und erzählerischer ist die Stalin-Biografie von Robert Service, faktengenau, verlässlich, mitunter aber auch etwas trocken zu lesen.

McDermott und Service sehen Stalin nicht als einen Tyrannen, dem es nur um persönliche Macht ging, sondern als überzeugten Marxisten, dessen Weltbild von einer Jugend im georgischen Gewaltmilieu an der Peripherie des Zarenreichs und durch die Erfahrung von Revolution und Krieg geprägt wurde. Sie porträtieren Stalin als Politiker, der sich selbst als Vertreter der proletarischen Klasseninteressen gesehen habe und bereit gewesen sei, die Revolution rücksichts- und skrupellos gegen vermeintliche innere und äußere Feinde zu verteidigen. Beide Bücher bieten den zurzeit besten umfassenden Einstieg zur Person Stalin.

Robert C. Tucker, Stalin as Revolutionary 1879-1929: A Study in History and Personality (Chatto & Windus, London 1974) 519 Seiten, 36,99 Euro.

Robert C. Tucker, Stalin in Power: The Revolution from Above 1928-1941 (Norton, New York 1990), 707 Seiten, 12,99. Robert Tuckers ältere zweibändige Biografie galt lange als das Standardwerk über den Diktator. In der hervorragend geschriebenen Darstellung versucht er Stalin, mit der Freudschen Psychoanalyse zu verstehen: Seine familiäre Gewalterfahrung hätten den späteren Diktator zu einer pathologischen, neidvollen, stets um Anerkennung ringenden Persönlichkeit werden lassen. Der Nachteil an Tuckers Werk: Es bricht 1941 ab und ist in einer Zeit entstanden, als die sowjetischen Archive noch nicht geöffnet waren. Sein psychoanalytischer Ansatz ist zudem heute sehr umstritten.



Simon Sebag Montefiore, Stalin. Am Hof des Roten Zaren (S. Fischer, Frankfurt a. M. 2005), 874 Seiten, 24,90 Euro.

So umfangreich wie ein russischer Roman und voller Details aus Briefen, Tagebüchern und persönlichen Gesprächen, bietet dieses Buch eine ungewöhnliche und zugleich beeindruckende Biografie des sowjetischen Diktators. Der Autor konzentriert sich dabei ganz auf Stalin selbst und seinen engsten Kreis – die Familie, Freunde und vor allem den Hofstaat aus Funktionären, mit denen er regiert. So entsteht das sehr persönliche und dadurch umso erschreckendere Porträt eines Mannes, der erst Hunderte Todesurteile unterschreibt, um anschließend beim Abendbrot die Schulaufgaben seiner kleinen Tochter zu korrigieren. Sehr lesenswert, allerdings wegen der vielen auftretenden Personen und der spärlichen Erklärungen zum politischen und gesellschaftlichen Kontext manchmal etwas verwirrend. Auch ist Montefiore nicht in allen Aspekten und Schlussfolgerungen zuverlässig.

Sheila Fitzpatrick, Everyday Stalinism: Ordinary Life in Extraordinary Times. Soviet Russia in the 1930s (Oxford University Press, New York 1999), 288 Seiten, 14,99 Euro.

Fitzpatrick, eine der profiliertesten Kennerinnen des Stalinismus, zeigt in ihrem hervorragenden Geschichtswerk über den Alltag in den urbanen und industriellen Zentren der Sowjetunion, wie die Stadtbewohner in den 1930er Jahren mit den täglichen Zumutungen, dem allgegenwärtigen Mangel und dem politischen Terror umgingen und welche Zukunftshoffnungen sie bewegten. Die Spannbreite der Menschen, die Fitzpatrick betrachtet, reicht von den aufgrund ihrer sozialen Herkunft Verfolgten und quasi Rechtlosen bis hin zu den Mitgliedern der neuen sowjetischen Elite, die Privilegien genossen und daher häufig dem Regime gegenüber loyal eingestellt waren. Da Stalins Herrschaft jedoch so unberechenbar war, konnten sich alle an denselben Orten wiederfinden: im Gulag oder den Folterkammern der Geheimpolizei.

Elena Zubkova, Russia after the War: Hopes, Illusions, and Disappointments 1945-1957, (Sharpe, Armonk 1998), 238 Seiten, 32,99 Euro.

Zubkovas Buch ist ein Pionierwerk über den Alltag in der UdSSR in der Phase nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Weltenbrand war für die sowjetische Bevölkerung mit extremen Härten, einer unvorstellbaren Zerstörung und Millionen von Toten verbunden. Viele betrachteten die Kriegszeit aber auch als Erleichterung, weil die Stalinsche Führung das Zwangssystem etwas lockerte und die Bevölkerung und die Herrschenden in der gemeinsamen Kraftanstrengung näher zusammenrückten. Zubkova schildert jedoch eindringlich, wie das Regime die Hoffnungen der Bevölkerung auf ein freieres Leben bereits kurz nach dem Krieg enttäuschte.


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