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GEOEPOCHE-Buchtipps: Mafia

Weiterführende Literatur zum Thema, für Sie zusammengestellt und bewertet von der GEOEPOCHE-Redaktion.


GESAMTDARSTELLUNGEN

James O. Finckenauer, Mafia and Organized Crime: A Beginner’s Guide (Oneworld Publications, Oxford 2007), 220 Seiten, 12 Euro.

Finckenauer, anerkannter Experte und Professor an der US-amerikanischen Rutgers University, hat einen sehr empfehlenswerten allgemeinen Einstieg ins Thema geschrieben. Ohne Vorwissen verständlich, präsentiert das Buch die wichtigsten Formen Organisierten Verbrechens samt Abriss ihrer Geschichte, stellt Erklärungsansätze vor, beschreibt die Auswirkungen dieser Kriminalität für die Gesellschaft, zeigt neueste Trends auf und befasst sich auch mit der Frage, warum die gewalttätigen, Schaden bringenden Gangster in der Populärkultur oft heroisiert werden. Mit Hinweisen auf weiterführende Literatur im Anhang. (Leichter Schwerpunkt auf den USA.)

Mitchel P. Roth, Organized Crime (Prentice Hall, Upper Saddle River 2010), 633 Seiten, 72 Euro.

Es gibt nur wenig seriöse und gut lesbare Gesamtdarstellungen zum Organisierten Verbrechen und seiner Geschichte – dieses Buch zählt dazu. Der US-amerikanische Professor für Kriminologie Roth hat den Band als Lehrbuch für Studenten entwickelt (weshalb jedes Kapitel mit Diskussionsfragen und einer Zusammenfassung endet), doch eignet es sich im Prinzip für jeden interessierten Leser. Roth gibt einen umfassenden, aktuellen, gut strukturierten Überblick zur Historie und Gegenwart des Organisierten Verbrechens weltweit und bindet dabei ebenso theoretische Grundlagen wie Anekdotisches ein. Kästen und viele kurze Kapitel machen die Lektüre einfach. Allerdings setzt Roth, bei aller Vielfalt, den Schwerpunkt mitunter stark auf den US-Kontext. Und er ist – bei der Fülle der thematischen und geographischen Aspekte kaum verwunderlich – nicht immer in allen Bereichen und Details präzise, etwa bei der Frühgeschichte der italienischen Mafia.


 (Foto von: Dorling Kindersley)
© Dorling Kindersley

Paul Lunde, Organized Crime. An Inside Guide to the World’s Most Successful Industry (Dorling Kindersley, London 2004), 192 Seiten, etwa 25 Euro.

Opulent bebildertes, großformatiges Überblickswerk, das sich ebenso der italienischen und amerikanischen Mafia wie unterschiedlichen Motorradgangs, ebenso den chinesischen Triaden und den japanischen Yakuza wie jamaikanischen Verbrecherbanden widmet. Trotz der bunten Aufmachung eine insgesamt überlegte Darstellung, mit vielen Kästen, die wichtige Personen oder Teilaspekte behandeln. Zuweilen aber historisch nicht ganz genau.

David Southwell, Geschichte des organisierten Verbrechens (Fackelträger, Köln 2007), 383 Seiten, 12,80 Euro.

Ins Deutsche übersetzter historischer Überblick eines britischen Journalisten, der sich lange Jahre mit Organisiertem Verbrechen beschäftigt hat. Gut lesbar und mit hilfreichen kurzen Abschnitten, die die wichtigsten Tätigkeitsfelder von Verbrecherorganisationen erklären, etwa Schutzgelderpressung, Kreditbetrug oder Gewerkschaftskorruption. Als deutschsprachiger Einstieg geeignet. Doch: Southwells Darstellung zerfällt oft in unverbundene, anekdotische Einzelteile, er nennt so gut wie nie seine Quellen und gibt auch keine Literatur an. Zudem spitzt er Aussagen mitunter unnötig zu und ist manches Mal ungenau.


SIZILIEN – DIE ENTSTEHUNG DER MAFIA

John Dickie, Cosa Nostra. Die Geschichte Mafia (Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, 7. Aufl. 2010), 576 Seiten, 9,95 Euro.

Das Standardwerk ist ein Bestseller – zu Recht. Dickie erzählt plastisch und analysiert schlüssig. Er kennt die Forschung und bettet seinen Bericht in sie ein, zeigt sich aber unbeeindruckt von jeder Relativierung: Für den Londoner Historiker und Romanisten ist die Mafia von Beginn an „eine verschworene Geheimgesellschaft, die die Kunst pflegt, Menschen umzubringen und ungestraft davonzukommen.“ Wohltuend deutlich.



Letizia Paoli, Mafia Brotherhoods. Organized Crime, Italian Style (Oxford University Press, New York 2003; Paperback 2009), 320 Seiten, 21 Euro.

Paolis komplexe, detailreiche Studie bietet Einsichten in das Phänomen Mafia auf hohem wissenschaftlichem Niveau. Zwar fällt der eigentlich historische Teil kurz aus. Doch liefert das Buch einen guten Überblick über Erklärungen und Interpretationen aus mehreren Jahrzehnten - streckenweise fast so spannend wie die Geschichte der Mafia selbst. Paoli widmet sich neben der sizilianischen „Cosa Nostra“ auch der ebenfalls im 19. Jahrhundert entstehenden kalabrischen „’Ndrangheta“.

Diego Gambetta, Die Firma der Paten. Die sizilianische Mafia und ihre Geschäftspraktiken (dtv, München 1994), 362 Seiten, gebraucht ab 19 Euro.

Es mag einseitig sein, die Mafia einfach als ein Unternehmen zu begreifen. Dennoch ist Gambettas Studie nach wie vor eine lohnende Lektüre. Der Soziologe, der mittlerweile in Oxford unterrichtet, lässt keinen Zweifel, worum es geht: um Geld und Macht. Eine faszinierende Wirtschaftsgeschichte der gar nicht „ehrenwerten“ kriminellen Gesellschaft von ihren Anfängen bis ins späte 20. Jahrhundert.

Gianluca Fulvetti, The Mafia and the „Problem of the Mafia“: Organised Crime in Italy, 1820-1970, in: Cyrille Fijnaut und Letizia Paoli (Hg.): Organised crime in Europe. Concepts, Patterns and Control Policies in the European Union and Beyond (Springer Netherland, Dordrecht 2006), 1074 Seiten, 96,25 Euro.

Lohnt einen Bibliotheksbesuch: Fulvettis kurzer Aufsatz bietet einen überaus konzisen Abriss zur Geschichte des Organisierten Verbrechens in Italien sowie einen kurzen Überblick über den Forschungsgang und die wichtigste Literatur.

Anton Blok, Die Mafia in einem sizilianischen Dorf 1860 – 1960. Eine Studie über gewalttätige bäuerliche Unternehmer (Suhrkamp, Franfurt am Main 1981), 364 Seiten, ab 12 Euro.

Nicht mehr ganz frische, im Ansatz teilweise überholte Studie. Aber eine faszinierende Lektüre: Der Kulturanthropologe Blok spürt der Frage nach, wie „die“ Mafia im Alltag funktioniert, was sie für ein konkretes Dorf und seine Bewohner bedeutet.

Tom Behan, See Naples and Die. The Camorra & Organised Crime (TPP, London 2002/2009), 324 Seiten, 16 Euro.

Wer einen Überblick zur Geschichte der „Camorra“ sucht, jener der sizilianischen Mafia ähnlichen, etwas älteren Verbrecherorganisation, die in Neapel entsteht, findet hier ein gutes, lesbares Werk.


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Mehr zu den Themen: Mafia, Buchtipp, Cosa Nostra, Yakuza, Triaden, Al Capone

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