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GEOEPOCHE-Buchtipps: Der Zweite Weltkrieg - Teil 2

Weiterführende Literatur zum Thema, für Sie zusammengestellt und bewertet von der GEOEPOCHE-Redaktion.


Ausgabe Nr. 44 „Der Zweite Weltkrieg. Teil 2: 1943-1945“ ist die Fortsetzung von Ausgabe Nr. 43 „Der Zweite Weltkrieg. Teil 1: 1939-1942“. Daher finden Sie die Empfehlungen zur einführenden Literatur ausnahmsweise hier.

Warschau - Aufstand der Todgeweihten

Barbara Engelking & Jacek Leociak, The Warsaw Ghetto. A Guide to the Perished City (Yale University Press, New Haven and London 2009), 906 Seiten, ca. 56 Euro.

Ein “Guide” – und viel mehr als das. Das Monumentalwerk bietet einen bedrückenden, indes faszinierenden Überblick über das Ghetto. Detailliert rekonstruieren Engelking und Leociak dessen Entstehung, die deutschen und jüdischen Institutionen, die Deportation, schließlich das blutige Ende. Vor allem jedoch zeichnen die Autoren akribisch die Topographie des Viertels nach, reiches Kartenmaterial inklusive. Plastische Beschreibungen des Alltags zwischen Verelendung, Überlebenswillen und Widerstand werden ergänzt um Listen der Fabriken und Bunker, von Schwarzmarktartikeln und deren Preisen, der kulturellen Einrichtungen – es entsteht ein vollständiges umfassendes Bild, wie es selten einem Werk zu einem historische Gegenstand gelingt.

Marek Edelman, Das Ghetto kämpft. Warschau 1941-1943 (Harald-Kater-Verlag, Berlin, 2. Aufl. 1999), 97 Seiten, 8,50 Euro.

Der erste, noch 1945 auf Polnisch erschienene Bericht eines überlebenden Kämpfers. Seitdem hat die Forschung vieles revidiert, manche Voreingenommenheit Edelmanns bemerkt. Dennoch: eine unmittelbare, dichte Wiedergabe. Packend.

Israel Gutman, Resistance: The Warsaw Ghetto Uprising (Houghton-Mifflin, Boston 1994), 277 Seiten, 14,99 Euro.

Der israelische Holocaust-Forscher Gutman ist selbst ein Überlebender. Mit diesem Buch hat er die konzise, sauber gearbeitete, dabei äußerst lesbare Einführung für den interessierten Laien vorgelegt. Empfehlenswert.

Hans Erler et al. (Hrsg.), „Gegen alle Vergeblichkeit". Jüdischer Widerstand gegen den Nationalsozialismus (Campus, Frankfurt am Main 2003), 456 Seiten, 45 Euro.

Die Juden – wehrlose Opfer, die sich „wie Schafe zur Schlachtbank führen“ ließen? Seit den 1970ern wird dieses Klischee von der Forschung abgetragen. Der Band gibt einen Überblick. Er schildert eine beeindruckende Vielfalt von Widerstandsformen, den Kampf von Juden in den europäischen Untergrundbewegungen, den alliierten Armeen, schließlich ihre Rolle bei der Demokratisierung Nachkriegs-Deutschlands. Nicht zuletzt lässt er dem ZW Gerechtigkeit widerfahren – dem zweiten, oft vergessenen Kampfbündnis im Ghetto. Kritische Geschichtsschreibung im Dienste der Aufklärung.



Résistance - Die Armee im Schatten

Matthew Cobb, The Resistance. The French fight against the Nazis (Simon & Schuster, London 2009), 403 Seiten, 21,99 Euro.

Morgens um sieben kam Jean Moulins Sekretär mit den neuesten Untergrundzeitungen und geheimen Meldungen. Wenn die Post diktiert war, machte sich der Sekretär ans Verschlüsseln und Moulin ging zu konspirativen Treffen in die Stadt. Am Abend kamen sie noch einmal zu einer Besprechung zusammen. Die Arbeit im Widerstand war oft unheroisch, aber immer gefährlich, Zehntausende kamen dabei ums Leben. Anschaulich und spannend erzählt Matthew Cobbs die Geschichte der Résistance und viele Geschichten von couragierten Männern und Frauen im Frankreich unter deutscher Besatzung.


 (Foto von: Unrast-Verlag)
© Unrast-Verlag

Margaret Collins Weitz, Frauen in der Résistance (Unrast-Verlag, Münster 2002), 427 Seiten, 25 Euro.

Margaret Collins Weitz konnte in den 1980ern noch viele überlebende Widerstandskämpferinnen befragen – ihre Geschichten sind das Material für dieses Buch. Die Frauen waren als Kurierinnen unterwegs, halfen Flüchtlingen, verteilten Flugblätter, fälschten Papiere oder schrieben für Untergrundzeitungen. Marie-Madeleine Fourcade leitete einen der größten Agentenringe, Lucienne Guézennec arbeitete in einer illegalen Zeitungsdruckerei, Lise Lesèvre versorgte Partisanen, die Ärztin Suzanne Vallon schloss sich den Truppen von General de Gaulle an. Viele führte ihr Weg in die Folterzellen der Gestapo und in deutsche Konzentrationslager.

Julian Jackson, France. The Dark Years 1940-1944 (Oxford University Press, Oxford 2003), 688 Seiten, 22,99 Euro.

Wer tiefer in die Geschichte Frankreichs unter der deutschen Besatzung eindringen will, ist mit dem hochgelobten Buch des britischen Historikers Julian Jackson bestens bedient. Es beginnt mit den turbulenten Krisen der Dritten Republik, die den Boden für das Vichy-Regime bereiteten, schildert die Akteure und die Politik von Vichy ebenso wie das Leben in den Besatzungsjahren, die Résistance mit ihrer Vielfalt und ihren inneren Konflikten und die Befreiungskämpfe nach der alliierten Landung im Juni 1944. Im letzten Teil befasst sich Jackson mit den Mythen der Nachkriegszeit und der schwierigen Auseinandersetzung der Franzosen mit der Vergangenheit in den letzten Jahrzehnten.


Hamburg - Feuersturm

Jörg Friedrich, Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940-1945 (Propyläen, Berlin, 3. Aufl. 2002), 592 Seiten, 25 Euro.

Jörg Friedrich hat wohl als erster Historiker eine umfassende Darstellung des von der Royal Air Force und den US-Luftstreitkräften geführten Bombenkriegs gegen deutsche Städte veröffentlicht – und damit eine bis heute immer wieder auflodernde Kontroverse ausgelöst: Kritiker wie der Bielefelder Geschichtswissenschaftler Hans-Ulrich Wehler werfen dem Autor vor allem vor, dass er „auf die Einbettung des Luftkriegs in die Geschichte des Totalen Krieges’“, den Hitler-Deutschland im September 1939 begonnen hat, verzichtet, dass er durch seine oft martialische Sprache Ressentiments gegen Briten und Amerikaner wecke. Andere Autoren wie der Schriftsteller und Filmemacher Alexander Kluge loben Friedrichs „dichte Sprache“ oder betonen die grundlegende Bedeutung seines Buches, das eine Lücke in unserem kollektiven Bewusstsein schließe.

Hans Brunswig, Feuersturm über Hamburg. Die Luftangriffe auf Hamburg im 2. Weltkrieg und ihre Folgen (Motorbuch Verlag, Stuttgart 2003), 470 Seiten, 14,90 Euro.

Hamburg ist eine derjenigen Städte, die durch alliierte Bombardements am schwersten verwüstet wurden. „Feuersturm über Hamburg“ ist das Protokoll der Zerstörung. Hans Brunswig war Augenzeuge – und er war Einsatzleiter der Feuerwehr als im Juli 1943 weite Teile der Hansestadt in einem durch Brandbomben angefachten Feuersturm ein Raub der Flammen wurden und zehntausende Menschen starben. Für die Veröffentlichung hat der Autor zudem in Archiven recherchiert, Einsatzpläne ausgewertet, Luftschutzkarten studiert. So ist eine wahrscheinlich einzigartige Detailstudie über die Folgen des Luftkriegs entstanden – sachlich erzählt und dennoch berührend.


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Jugoslawien - In den Bergen des Balkans

Richard West, Tito and the Rise and Fall of Yugoslavia (Sinclair-Stevenson Verlag, London 1994), 436 Seiten, antiquarisch ab etwa 22 Euro.

Das umfassende Werk vermengt die Biografie Titos geschickt und anschaulich mit den politischen Entwicklungen in Jugoslawien. Dabei erklärt der Autor auch den historischen Hintergrund der Region, und befasst sich ausführlich mit dem Terror der Ustascha. Sehr gut: die Kapitel über die Zeit nach Titos Tod. Denn sie helfen zu verstehen, warum Jugoslawien nur wenige Jahre später erneut in einem grausamen Bürgerkrieg versank.

Stevan K. Pavlowitsch, Hitler’s New Disorder – The Second World War in Yugoslavia (Columbia University Press, New York 2008), 333 Seiten, 33 Euro.

So kompliziert der Krieg in Jugoslawien war, so schwierig liest sich mitunter dieses Buch. Aber es lohnt sich, wenn man die wechselnden Konstellationen im Bürgerkrieg und im Kampf gegen die Besatzungstruppen verstehen will. Wenn einem dann - was mit Sicherheit passiert - irgendwann der Kopf von Namen, Orts- und Zeitwechseln schwirrt, dann helfen die aussagekräftigen Karten und ein Blick in die ausführliche Chronologie oder das sehr gute Register.


6. Juni 1944 - D-Day


 (Foto von: C. Bertelsmann)
© C. Bertelsmann

Antony Beevor, D-Day, Die Schlacht um die Normandie (C. Bertelsmann, München 2010), 637 Seiten, 28,00 Euro.

Der bekannte britische Militärhistoriker legt hier eine ausgewogene, spannende und auf dem aktuellsten Forschungsstand stehende Gesamtdarstellung jenes entscheidenden Tages vor - und der nicht weniger entscheidenden Tage danach, in der die Alliierten schließlich den Widerstand der Wehrmacht in der Normandie brechen.

Stephen E. Ambrose, D-Day, June 6, 1944: The Climactic Battle of World War II (Simon and Schuster, New York et al. 11. Aufl. 1994), 656 Seiten, antiquarisch ab ca. 2 Euro.

Noch ein Standardwerk, diesmal aus einer amerikanischen Feder. Ambrose, vor kurzem verstorbener und nicht gänzlich unumstrittener Historiker, gibt hier vor allem den mörderischen Erlebnissen der einfachen Soldaten Platz - manchmal zu viel. Denn das liest sich stellenweise leider wie Landser-Prosa und ist, da Ambrose praktisch jede Minute an jedem Strand der Normandie (und die diversen Fallschirmspringereinsätze) genauestens rekonstruiert, nur mit beiliegendem Atlas und einer Zeitleiste wirklich zu durchdringen.

Alex Kershaw, The Bedford Boys, One American Town’s Ultimate D-Day Sacrifice (Da Capo Press, Cambridge/Ma. 2003), 281 Seiten, 13,99 Euro.

Der Anti-Ambrose: Die eng fokussierte Schilderung des Schicksals jener drei Dutzend Farmerjungen einer Kleinstadt aus Virginia, die mehr oder weniger zufällig in der Hölle von Omaha Beach landen - und dort fast alle umkommen. Bewegend, weil es zeigt, wieviel Amerika für einen doch sehr „fernen“ Krieg zu opfern bereit war.


Operation „Bagration“

Steven J. Zaloga, Bagration 1944. The destruction of Army Group Center (Greenwood Publishing Group, Santa Barbara 2004), 96 Seiten, gebraucht ab 85 Euro.

Abhandlungen über Militäroperationen sind häufig kompliziert; sie ermüden durch Detailversessenheit. Zwar spart auch der amerikanische Historiker und Militärexperte Steven J. Zaloga in seiner Darstellung der „Operation Bagration“ – der sowjetischen Sommeroffensive des Jahres 1944 - nicht mit Einzelheiten. Aber er versteht es, die militärischen Feinheiten in eine verständliche Sprache zu übersetzen. Zudem beschränkt er sich nicht auf das Geschehen auf dem Schlachtfeld, sondern ordnet die von Historikern vergleichsweise wenig beachtete „Operation Bagration“ in den Gesamtkontext des Krieges ein – und zeigt damit das Ausmaß und die Tragik des aus deutscher Sicht aussichtslosen Kampfes. Nach der Lektüre von Zalogas Buch erscheint es noch unverständlicher, warum bisher kaum Monografien über die schlimmste deutsche Niederlage im Osten erschienen sind.

John Erickson, „Red Army Battlefield Performance, 1941-45: the System and the Soldier“, in: Paul Addison & Angus Calder (Hrsg.), Time to kill: The Soldier’s Experience of War in the West 1939-1945 (Pimlico, London 1997), 496 Seiten, antiquarisch ca. 28 Euro.

Keine Armee hat im Zweiten Weltkrieg mehr Soldaten verloren als die Rote Armee: Nach desaströsen Niederlagen stand die sowjetische Streitmacht im Spätherbst 1941 kurz vor ihrer Vernichtung. Doch drei Kriegsjahre später war sie der Wehrmacht derart überlegen, dass sie den Gegner im Sommer 1944 innerhalb von sechs Wochen auf breiter Front um mehr als 500 Kilometer zurück drängte. „In der Geschichte sind nur wenige Armeen so verwüstet worden wie die Rote Armee 1941 und haben nicht nur überlebt, sondern am Ende noch gesiegt“, schreibt der 2002 verstorbene Historiker John Erickson in seinem Aufsatz „Red Army Battlefield Performance, 1941-45: the System and the Soldier“. Erickson war einer der führenden Forscher über die Sowjetunion, und seinem Essay merkt man das in jeder Zeile an: Mit der für britische Historiker typischen Klarheit und Entschiedenheit beschreibt Erickson, wie die Rote Armee innerhalb weniger Jahre von einer maroden Revolutionsarmee zu einer modernen Kriegsmaschine umgeformt wurde. Absolut lesenswert, nur so ist der Verlauf des deutsch-sowjetischen Krieges zu verstehen.


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