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Inhaltsverzeichnis
Die Ruhe vor dem Sturm
1937: Vier Jahre ist das NS-Regime nun an der Macht. Es hat den Rechtsstaat durch Terror und Willkür ersetzt, Juden und politische Gegner verfolgt und ermordet, den Versailler Vertrag gebrochen. Und dennoch ist die Zustimmung in der Bevölkerung hoch, ist der Widerstand, nicht allein wegen Geheimpolizei und Propaganda, minimal. Die Deutschen feiern Adolf Hitler dafür, dass er Ordnung und beginnenden Wohlstand gebracht hat, Arbeit und neues nationales Selbstbewusstsein. Und so trägt das Volk die Regierung auch, als die - nach kurzer Phase der Ruhe - ihren Kurs weiter radikalisiert. Als sie die Ausgrenzung der Juden verschärft, die Rüstung intensiviert und sich auf einen Kampf um die Weltherrschaft vorbereitet
Verführung und Gewalt
Hitlers Deutschland ist ein Unrechtsstaat. Doch obwohl die millionenfachen NS-Verbrechen offensichtlich
sind, regt sich bis zuletzt kein größerer Widerstand gegen das Regime. Warum?
Die Generalprobe
Am 26. April 1937 greifen Piloten der deutschen
"Legion Condor" das baskische Städtchen Guernica
an, zerstören den Großteil der Gebäude und töten
mehrere Hundert Männer, Frauen und Kinder. Deutschland
unterstützt im Spanischen Bürgerkrieg die
Truppen unter dem Putsch-General Francisco Franco.
Die Einsätze dienen der Luftwaffe zum Training
ihrer Piloten - für den Rest Europas sind sie eine
Vorahnung des kommenden Bombenkriegs
Germania
Schon nach kurzer Zeit an der Macht träumen die Nationalsozialisten von einem
"Tausendjährigen Reich" und wollen Deutschland für die Ewigkeit formen. Wohl nirgends
drückt sich dieser Größenwahn so deutlich aus wie in den Plänen, die Hitler für
Berlin entwerfen lässt: Zehntausende Häuser, ganze Viertel sollen Platz machen, jüdische
Bewohner vertrieben werden - für breite Prachtstraßen und gigantische Monumentalbauten,
die selbst die Pyramiden in den Schatten stellen. Die so geschaffene
"Welthauptstadt" soll auch einen neuen Namen erhalten: Germania. Und sie muss
all ihre Größe gründen auf einen brutalen Eroberungszug im Osten
GEOEPOCHE hat Hitlers düstere Vision der "Welthauptstadt Germania" umfassend digital rekonstruiert
Hofstaat in den Alpen
Der "Berghof" im
Berchtesgadener
Land
ist Hitlers zweiter
Regierungssitz. Und
ein Wallfahrtsort: Bis zu
2000 Verehrer täglich
pilgern in die bayerischen
Alpen, um einen Blick
zu werfen auf jenen vermeintlich
schlichten
Ort, an dem der "Führer"
neue Kräfte schöpft.
Tatsächlich aber ist das
Gebiet abgeriegelt und
schwer bewacht, unterhält
Hitler auf dem Obersalzberg
einen illustren
Hofstaat. Und zwischen
Treffen im Teehaus
und Spaziergängen vor
dem Bergpanorama
fällt er einige seiner
verhängnisvollsten
Entscheidungen
Freudentaumel der Unterworfenen
Das erste Ziel von Hitlers Expansionspolitik ist Österreich: Am 12. März 1938 marschiert die Wehr macht in den Alpenstaat ein. Und wird von der begeisterten Bevölkerung mit Jubel empfangen
Die Kunst und die Macht
Um ihre Herrschaft so fest wie möglich zu verankern, wollen die Nationalsozialisten
auch das Denken und Fühlen der Deutschen steuern, aus allen
überzeugte Anhänger machen. Propagandaminister Joseph Goebbels bringt
deshalb nicht nur die Medien, sondern auch die Kunst auf die Linie des
Regimes. Sein bevorzugtes Instrument der Manipulation: das Kino
Der Betrug von München
Unverhohlen bricht das NS-Regime den Versailler Vertrag: 1936 marschiert
die Wehrmacht ins Rheinland ein, zwei Jahre später wird Österreich annektiert. Kurz
darauf droht Adolf Hitler mit der Invasion der Tschechoslowakei, weil die dort
lebenden Sudetendeutschen angeblich diskriminiert werden. Britische und französische
Politiker fürchten nun einen europäischen Krieg und versuchen ihn auf einer
Konferenz in München noch abzuwenden - um fast jeden Preis
Vor aller Augen
Am 9. November 1938 eskaliert die seit Jahren andauernde
antisemitische Diskriminierung zu blanker Gewalt. In einem
sorgfältig inszenierten Pogrom lässt das NS-Regime jüdische Gotteshäuser
und Geschäfte verwüsten. Und Menschen misshandeln.
Hunderte Juden sterben. In Bremen leiden der 15-jährige Martin
Bialystock, seine Mutter und seine Schwester Todesangst
Abschied vom Frieden
Ein eigenartiger Sommer:
Während noch viele Menschen
an den Stränden sonnenbaden,
erhalten Tausende bereits ihren
Einberufungsbefehl. Das NS-Regime
bereitet den Angriff auf
Polen vor. Und allmählich schieben
sich die Vorboten des Krieges
in den Alltag hinein - bis der
Weltenbrand beginnt
Der Historiker Richard J. Evans über die Schuld der Deutschen. Und deren Verantwortung
Daten und Fakten: Der Weg in den Krieg
Fest etabliert, agiert das NS-Regime ab 1937 immer radikaler: Es raubt Juden den Rest ihrer bürgerlichen
Existenz, baut neue Konzentrationslager und betreibt eine Expansionspolitik, die Krieg anstrebt
Zur aktuellen Ausgabe präsentiert GEOEPOCHE eine Jahreschronik des "Dritten Reichs" (1933–1945)