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Buddhismus: Buchtipps

Empfehlungen der GEOEPOCHE-Redaktion für eine vertiefende Lektüre


ALLGEMEINE DARSTELLUNGEN UND LEXIKA


Heinz Bechert und Richard Gombrich (Hg.), Der Buddhismus. Geschichte und Gegenwart (Beck, München 2002) 400 Seiten, 14,90 Euro. Vor etwa 2500 Jahren erlebte Siddharta Gautama, ein Prinz aus dem Ganges-Tal, eine religiöse Erleuchtung und formulierte daraufhin seine neue Lehre von Leid und dessen Überwindung. Von Nordindien aus verbreitete sich der Buddhismus bald in weiten Teilen Asiens, prägte Menschen und Kulturen und veränderte sich seinerseits je nach Region, zuletzt durch seine Popularität im Westen. Eine Einführung in die Geschichte einer so vielfältigen und komplexen Religion zu verfassen ist nicht einfach.


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Den Autoren dieses Sammelbandes gelingt es trotzdem sehr gut. Internationale Experten, zusammengeführt von dem deutschen Indologen Heinz Bechert und seinem britischen Fachkollegen Richard Gombrich, schreiben wissenschaftlich fundiert über den historischen Buddha, dessen Lehre und die wichtigsten historischen Entwicklungen, Strömungen und Traditionen. Das Buch ist übersichtlich nach den wichtigsten Verbreitungsgebieten gegliedert, behandelt ausführlich unter anderem Indien, Birma, Sri Lanka, Japan, Tibet und China. Es endet mit einem Kapitel über den "Buddhismus in der modernen Welt", das sich sowohl mit jüngeren asiatischen Erneuerungsbewegungen als auch mit dem Buddhismus im Westen beschäftigt. Ein Glossar ergänzt dieses gelungene und umfassende Überblickswerk, das allerdings manchmal schon etwas zu viel Wissen voraussetzt.


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Ursula Gräfe, Buddha (Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2005) 160 Seiten, 7,90 Euro. Eine der besten kurzen Einführungen in Lehre und Geschichte des Buddhismus hat die Japanologin Ursula Gräfe geschrieben. Gegliedert in drei Großkapitel schildert die Autorin das "Leben" des historischen Buddha, dessen "Werk" (die religösen Lehren, die erst nach Buddhas Tod fixiert und bald schon durch andere Texten ergänzt wurden) sowie die "Wirkung", die weitere Geschichte des Buddhismus bis heute, seine Verbreitung und sein Aufstieg zur Weltreligion. Gräfe schafft es, in gut lesbarer Sprache trotz Kürze ein umfassendes Bild zu zeichnen, das den jeweiligen historischen und regionalen Hintergrund miteinbezieht und auch die legendenhafte Aspekte der buddhistischen Historie deutlich macht. Sie schafft es zudem, selbst komplizierte religiöse Sachverhalte verständlich darzustellen - ohne zu trivialisieren. Ein sehr gutes Buch zum raschen Einstieg in den Buddhismus, angereichert durch Fotos, Karten und eine kurze Zeittafel.


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Damien Keown, Lexikon des Buddhismus (Patmos, Düsseldorf 2005) 316 Seiten, 16 Euro.

Franz-Karl Ehrhard und Ingrid Fischer-Schreiber, Das Lexikon des Buddhismus (Goldmann, München 1995) 272 Seiten, antiquarisch ab ca. 8 Euro.

Beide Nachschlagewerke bieten kompakte Informationen zu den wichtigsten Begriffen des Buddhismus. Während das umfangreichere Werk des Engländers Keown streng wissenschaftlich ausgerichtet ist, worunter gelegentlich die Lesbarkeit leidet, verstehen es die deutschen Forscher Ehrhard/Fischer-Schreiber, auch kompliziertere Zusammenhänge verständlich auszudrücken.



DER HISTORISCHE BUDDHA

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Hans Wolfgang Schumann, Der historische Buddha. Leben und Lehren des Gotama (Diederichs, München 2004; aktualisierte Neuausgabe) 320 Seiten, 14,95 Euro Schumann, promovierter Indologe, hat eine umfangreiche, immer wieder neu aufgelegte Darstellung Buddhas vorgelegt. Er schreibt mit Respekt für, aber nicht übertriebener Demut vor dem Religionsstifter und mit deutlicher Sympathie für Indien, seine Kultur und seine Menschen. Er trennt Fakten von Vermutungen und bloßen Spekulationen. Bei der Darstellung der Lehre, die rund die Hälfte des Textumfangs einnimmt, interpretiert er diese von einem strengen Theravada-Standpunkt aus.


Helwig Schmidt-Glintzer (Hg.), Die Reden des Buddha (dtv/ Beck, München 2006; 2. Auflage) 160 Seiten, 6 Euro. Mit einem kurzen Nachwort versehene Auswahl von 37 Lehrreden Buddhas. Vorsicht jedoch: Auch ins Deutsche übertragen und gekürzt wirken jene vor zweieinhalb Jahrtausenden mehr oder weniger so gehaltenen und Jahrhunderte später schriftlich fixierten indischen Reden stellenweise langatmig, hermetisch, rätselhaft.


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Hermann Kulke und Dietmar Rothermund, Geschichte Indiens. Von der Induskultur bis heute (Beck, München 2006; Sonderausgabe) 512 Seiten, 19,90 Euro. Wer Buddha verstehen will, muss Indien verstehen. Dies ist ein gut geschriebenes Überblickswerk, von den frühesten menschlichen Spuren auf dem Subkontinent bis zur ambitionierten Atommacht unserer Tage.





KÖNIG ASHOKA


Wer sich auf wenigen Seiten kompakt und zuverlässig über Ashoka und dessen Zeit informieren möchte, sollte zum bereits erwähnten Standardwerk zur indischen Geschichte von Kulke/Rothermund greifen, das es seit kurzem zudem in einer preiswerten Sonderausgabe gibt (siehe "Der historische Buddha"). Weitaus mehr Information bietet:

Romila Thapar, Asoka and the Decline of the Mauryas (Oxford University Press India, New Delhi 1998) 374 Seiten, antiquarisch als Taschenbuch ab ca. 15 Euro.

Um das Leben des indischen Königs Ashoka, der im 3. Jahrhundert v. Chr. in seinem Großreich eine vom Buddhismus inspirierte Morallehre einführte, ranken sich zahlreiche, zum Teil ausschweifende Legenden. In diesem Buch der renommierten Historikerin Romila Thapar werden Dichtung und (wahrscheinliche) Wahrheit am sorgfältigsten voneinander geschieden. Unter allen, insgesamt zumeist etwas älteren Ashoka-Biografien ist diese daher die empfehlenswerteste. Die Neuausgabe des zuerst 1961 erschienenen Buches enthält ein ausführliches Nachwort, das den aktuellen Forschungsstand darstellt.

www.cs.colostate.edu/~malaiya/ashoka.html

Leider existiert keine moderne deutsche Übersetzung der legendären Felsen- und Säulenedikte König Ashokas. Dafür ist unter dieser Internet-Adresse eine Übertragung ins Englische zugänglich - gratis und ausdruckbar. Der Text wurde ediert von der "Buddhist Publication Society" auf Sri Lanka.



BAKTRIEN



 (Foto von: Cambridge University Press)
© Cambridge University Press

A.K. Narain, The Greeks of Bactria and India. In: The Cambridge Ancient History. Rome and the Mediterranean (Cambridge University Press, Cambridge 1989), S. 388-421, ca. 140 Euro oder in einschlägigen Bibliotheken.

Dieser Aufsatz versammelt auf gut 30 Seiten das wenige, das heute über den baktrischen König Menander, den Herrscher über eine indisch-abendländische Zwitterkultur, bekannt ist. Denn die zuverlässigsten Zeugnisse aus dieser entlegenen Geschichtsepoche des 2. Jahrhunderts v. Chr. sind schöne, aber wortkarge Münzen, die der Monarch prägen ließ.


Klaus Karttunen, India and the Hellenistic World (Finnish Oriental Society, Helsinki 1997) 448 Seiten, in einschlägigen Bibliotheken.

Wer über die Herrschaftsperiode König Menanders hinaus mehr wissen will über die faszinierende Begegnung von indischer und antik-hellenistischer Kultur, dem sei diese sehr fundierte und abgewogen argumentierende Studie des renommierten Historikers Karttunen ans Herz gelegt. Sie besticht zudem durch ihre Lesbarkeit.


John Boardman, The Diffusion of Classical Art in Antiquity (Thames & Hudson, London 1995) 352 Seiten, ca. 33 Euro.

Kurz nach der Zeitenwende entsteht in der Region Gandhara durch die Vermischung klassisch-antiker und traditioneller indischer Formen ein neuartiger Kunststil. Eine folgenreiche Entwicklung: Denn der Religionsstifter Gautama Buddha wird von Bildhauern nun erstmals - wie bei griechischen Göttern üblich - in Menschengestalt dargestellt. Mit ihren zahlreichen Abbildungen gibt die Studie des britischen Archäologen Boardman eine vorzügliche Darstellung dieser kulturellen Verschmelzung von Antike und Altem Orient.




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