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GEO Magazin Nr. 06/02 Seite 1 von 1
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Archäologie:Das Pompeji der Bronzezeit

In der Nähe von Neapel haben Archäologen ein in Asche konserviertes Dorf entdeckt, das vor über 3500 Jahren bei einem Ausbruch des Vesuvs verschüttet wurde


Sie waren gemeinsam gestorben: ein Mann und eine Frau. Beide hatten die Hände schützend vor das Gesicht gelegt. Sie waren zwischen 1880 und 1680 v. Chr. bei lebendigem Leib begraben worden - von einer 70 Zentimeter starken Schicht Tuffhagel des Vesuvs. Ihre Skelette hatten Archäologen 1995 unweit des Städtchens Nola 25 Kilometer östlich von Neapel ausgegraben. Erst im vergangenen Jahr machten italienische Forscher eine spektakuläre Entdeckung, die mit dem Schicksal der beiden in Verbindung stehen mag: Bei einer Grabung auf dem Gelände eines geplantenEinkaufszentrums in Nola stießen sie in etwa zwei Meter Tiefe wiederum auf eine Ascheschicht, die ein ganzes bronzezeitliches Dorf verschüttet und konserviert hat - rund 1800 Jahre vor der gleichartigen Katastrophe im antiken Pompeji. "Es ist die hierzulande bei weitem besterhaltene bronzezeitliche Siedlung", sagt Ausgrabungsleiter Giuseppe Vecchio von der Sovrintendenza Archeologica di Napoli e Caserta.


"Die Menschen hatten keine Zeit mehr, ihre Sachen zu packen." Auf der tausend Quadratmeter großen Ausgrabungsfläche kamen zwei Brunnen, eine Tenne und drei ovale Hütten zu Tage. Von letzteren sogar die Wände, zwischen 1,30 und 1,50 Meter hoch. Deren Holzkonstruktionen sind zwar nicht erhalten, aber Asche und Schlamm, die an die Stelle des Holzes traten, haben deren Form bewahrt. Erstmalig können die Forscher nun die Bauweise bronzezeitlicher Behausungen studieren.


Die in Nola bestanden aus einem Holzgerüst mit Schilfbündeln oder Binsenmatten. Die größte jetzt ausgegrabene Heimstatt war 17 Meter lang, neun Meter breit und durch Trennwände in drei Räume aufgeteilt. In einem Viehgatter fanden sich die Skelette von neun trächtigen Ziegen. Auf den Wegen und Hüttenböden lagen verstreut Tierknochen, steinerne Pfeilspitzen, standen Töpfe voller Getreide.


Eine Vielzahl von Fundplätzen aus der gleichen Zeit lässt vermuten, dass die Gegend östlich des Vesuvs dicht besiedelt war. Doch während bei bisherigen Grabungen kaum mehr als eine Handvoll Keramikscherben zum Vorschein gekommen war, bietet sich den Wissenschaftlern jetzt die Möglichkeit herauszufinden, wie Menschen damals gewohnt und gelebt haben.


Aufschluss über Sozialstruktur und Eigentumsverhältnisse geben die Zäune, deren Reste im Umfeld der Hütten entdeckt wurden. Sie markieren deutlich Besitzverhältnisse. Ein kleiner Lehmofen in der am besten erhaltenen Hütte zeigt, wie damals gekocht wurde. In ihm fand sich auch ein Krug, noch aufrecht stehend und unversehrt, so wie ihn jemand vor knapp vier Jahrtausenden hinterlassen hatte.


Ein Fund gibt Wissenschaftlern und Restauratoren allerdings Rätsel auf: etwa 30 polierte Plättchen, gefertigt aus Eberzahn. Sie lagen zusammen in der kleinsten der drei Hütten, weisen Bohrungen an den Enden auf und lassen sich zu einer Art Kopfputz zusammensetzen. Doch wer trug diesen kuriosen zierlichen Hut? Eine weise Frau? Ein Schamane?


Unterhalb der drei Hütten haben die Wissenschaftler inzwischen ein noch älteres Dorf mit Behausungen und Artefakten freigelegt. Die notwendigen archäologischen Studien werden den Bau des Einkaufszentrums also wohl noch eine Weile verzögern.


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