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Inhaltsverzeichnis
Prolog: Das festgehaltene Licht
Die Erfindung der Fotografie und ihre rasche technische Verbesserung machen im Kaiserreich bis dahin Ungesehenes möglich: das Porträt einer Gesellschaft in zahllosen Einzelaufnahmen
Weltgewandt - und provinziell
Nach Jahrhunderten der Kleinstaaterei schließen sich die deutschen Fürsten 1871 zusammen, gründen das Deutsche Reich und rufen Preußens König Wilhelm I. zum Kaiser aus. Doch der neue Staat ist von Widersprüchen zerrissen: Zwar wird das Reich schnell zu einer modernen Industrienation, gleichzeitig leben große Teile der Landbevölkerung immer noch kaum anders als ihre Ahnen. Die Regierung schafft vorbildliche Sozialgesetze, verfolgt aber unnachgiebig die Arbeiterbewegung. Und das deutsche Parlament wird nach einem fortschrittlichen Wahlrecht bestimmt, doch in Wirklichkeit herrschen nach wie vor die traditionellen Gewalten: Monarchen, Adelige und Militärs
Beschleunigung prägt den Alltag der Deutschen im Kaiserreich. Immer schneller scheint das
Leben zu werden - vor allem in den rasch wachsenden Städten
Wege in eine neue Ära
Früher fuhren Kutschen, nun donnern Züge und Autos über Schienen und Straßen, über Stahlbrücken und durch Tunnel. Das Deutsche Reich verändert sich: Städte wachsen, riesige Kaufhäuser werden eröffnet und Fabriken entstehen, in denen Tausende Arbeiter im Takt der Motoren schuften. Reise- und Transportzeiten nehmen ab, seit die Bahn fast jeden Winkel des Reichs erreicht. Der Geschwindigkeitsrausch wird erst von Dampfmaschinen, dann von Elektromotoren angetrieben. Die elektrische Energie erobert nach und nach fast alle Lebensbereiche - mit Glühlampen, Straßenbahnen und Haushaltsgeräten, hergestellt von deutschen Elektrokonzernen, den größten ihrer Zeit
Das Risiko der Moderne
Die Industrielle Revolution verändert Deutschland von Grund auf:
Das um 1850 noch behäbige Agrarland wird binnen Jahrzehnten zu einer
hochmodernen Wirtschaftsmacht - mit allen Konsequenzen
Die Autorität der Pickelhaube
Das Deutsche Reich ist
eine moderne Nation: Hier gibt
es die wohl fortschrittlichste
Sozialversicherung
der Welt und ein
selbstbewusstes,
ökonomisch
erfolgreiches Bürgertum. Die straff
organisierte SPD wächst zur
größten parlamentarischen Kraft
heran und ist ein Vorbild für die
sozialistischen
Arbeiterparteien
in anderen Staaten. Doch gleichzeitig
ist die Hohenzollernmonarchie
auch das Land der Obrigkeitshörigkeit,
in dem der uniformierte Pickelhaubenträger
die absolute Autorität
verkörpert - und der Untertan
stets Folge zu leisten hat
Die Angst vor dem Absturz
Mit dem ökonomischen Boom der Gründerzeit macht
sich Zuversicht in Deutschland breit. Doch die schwindet
mit den ersten Wirtschaftskrisen - und weicht einer
unruhigen, zukunftsängstlichen Stimmung
Die Sucht nach Weltgeltung
Das Deutsche Reich ist die stärkste Militärmacht des Kontinents. Doch seinem Gründer Otto von Bismarck scheint sie gefährdet: wegen der Revanchebestrebungen des 1871 besiegten Gegners Frankreich und der Lage Deutschlands im Herzen Europas. Und so schmiedet der erste Reichskanzler ein Bündnissystem, mit dem eine Allianz potenzieller Feinde verhindert werden soll. Wilhelm II. hingegen, der 1888 Kaiser wird, will Herrscher eines Weltreichs sein. Seine Aufrüstung von Heer und Flotte brüskiert das Ausland - und bringt so zustande, was Bismarck stets hatte vermeiden wollen: eine überlegene Koalition gegen das Kaiserreich
Der Weg vom Krieg zum Krieg
Die großspurige Weltmachtsrhetorik sowie die äußerst ungeschickte Außenpolitik
der Regierung unter Wilhelm II. isolieren das Kaiserreich. Nur mehr Österreich-Ungarn
ist ein verlässlicher Alliierter. Als Wien 1914 nach dem Attentat auf den habsburgischen
Thronfolger in Sarajevo gegen Serbien in den Krieg zieht, machen andere
europäische Großmächte gemeinsam gegen die beiden Verbündeten mobil
Der erste Staat der Deutschen - Zahlen und Fakten