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Die andere Seite des Paradieses

In der Medina: Als einer der letzten Gerber von Fés bearbeitet Simohamed El Ouzzani seine Felle noch mit Gips und Taubenmist. Doch Schmuggelware bedroht sein Geschäft. Die "360° - GEO Reportage" am Samstag (19. Februar) um 19.30 Uhr und Sonntag (20. Februar) um 14 Uhr



 © Medienkontor

Ein Film von Thorsten Niemann

Früher Morgen in der Medina von Fés – der schönsten und größten von ganz Marokko. In einer kleinen Wohnung sitzt Simohamed El Ouzzani mit seiner Frau Nadja beim Frühstück. Zeit zum Essen wird der schmächtige Mann mit den lebhaften, dunklen Augen an diesem Tag nicht mehr haben. Simohamed ist einer der letzten traditionellen Gerber von Fés und der beste, wie er selbst sagt. Es ist ein Knochenjob, doch Simohamed liebt ihn, zumal das traditionelle Gerberhandwerk Marokkos vom Aussterben bedroht ist.


Simohamed El Ouzzane gilt als einer der besten Gerber der marokkanischen Stadt Fés (Foto von: MedienKontor)
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Simohamed El Ouzzane gilt als einer der besten Gerber der marokkanischen Stadt Fés

Ein Markt für Tierfelle vor den Toren der marokkanischen Stadt Fés. Seit Tausenden Jahren blüht hier das traditionelle Handwerk. Berge von Fellen liegen aufeinandergestapelt, ein bestialischer Gestank erfüllt die Luft. Simohamed verarbeitet nur Ziegenfelle – lange dreht und wendet er jedes einzelne Fell, ob es seinen Ansprüchen genügt. Denn nur aus einem einwandfreien Fell kann auch ein ganz besonderes Leder werden. Wenige Stunden später steht der schmächtige Mann mit den kräftigen Oberarmen in ätzender Lauge in den Gerberhallen von Fés. Er benutzt keine chemischen Gerbmittel - darauf ist er besonders stolz. In einer Lauge aus Gips müssen die Felle etliche Mal gewaschen werden, bis alle Haare sich gelöst haben. Danach muss es in einer speziellen Lauge aus Taubenmist erneut gewaschen und danach getrocknet werden. Bis zu drei Monate dauert die Herstellung seiner Felle. „Sie sind weich wie Pfannkuchen“ strahlt der kleine Mann, wenn es endlich zum Verkauf seiner Leder geht. In nur zehn Minuten wird er alle Leder los – kaum jemand stellt noch solche hochwertigen Rohstoffe her. In einem Land, dessen Handwerk zunehmend vom Aussterben bedroht ist: Immer mehr Billigwaren aus China kommen über Schmugglerkanäle auch auf die traditionellen Märkte der Medina. Sehr zum Ärger der hier ansässigen Handwerker, die darin nicht nur den Verfall der Preise, sondern vor allem einen Werteverfall sehen. Für Simohamed ist es die größte Ehre, wenn Schuster Abdelilah für die Fertigung seiner berühmten marokkanischen Pantoffeln sein Leder verwendet. „Niemals würde ich mit einer Maschine arbeiten. Alles ist die Arbeit meiner Hände, meiner Finger“. Hinter den Mauern der Altstadt von Fés existiert eine alte Welt weiter, die sich auch durch die Globalisierung nicht modernisieren lässt.

360° - GEO Reportage ist in die Medina von Fés eingetaucht und hat sich an die Fersen eines bemerkenswerten Mannes geheftet.


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Wiederholungen:
sonntags um 14 Uhr


20.02.2011: Marokko, die andere Seite des Paradieses
27.02.2011: Eine Fähre nach Afrika


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Kommentare zu "Die andere Seite des Paradieses"

eberhard Hahne | 13.02.2014 13:59

Seit hunderten, nicht seit tausenden Jahren blüht das Handwerk in Fes. Fes ist 1200 Jahre alt. Die Felle werden nicht in Gips, sondern in Kalk enthaart (Lebatta). Beitrag melden!

RolandZ | 03.01.2013 18:44

Sehr gute Reportage.
Kennt jemand den Titel der Filmmusik? Beitrag melden!


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