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Fotograf Marc Stache
Fachhochschule Bielefeld, Nordrhein-Westfalen

“Oh, Sweet Nothing”
Unsere moderne Welt ist überflutet und durchdrungen von bunten und verlockenden Bildern.
In jedem Augenblick entstehen neue, mit jedem Mausklick aus schon vorhandenen Weitere.
So füllt sich unsere Wahrnehmungswelt an der Oberfläche immer weiter an.
Doch da mehrheitlich lediglich der Glanz und die Oberfläche zählen, verliert die Realität in der Tiefe mehr und mehr an Substanz.

Klischees bedienende Rollen- und Beziehungsmuster wie beispielsweise in Werbung und Soaps führen zu einer mediatisierten Erfahrungswelt, wodurch die reale Welt mangels tatsächlich gelebter Erfahrungen immer mehr zu einem Spiegelbild der Fiktion wird, in der ursprüngliche Klischees, paradoxerweise, tatsächlich Realität werden.

So wie Walter Benjamin massenproduzierbaren Kunstwerken den Verlust einer, nur dem Original anhaftenden, Aura diagnostiziert, sehe ich das Leben durch die zunehmenden Möglichkeiten virtueller Erfahrbarkeit, eine immer stärkere Aushölung der Individualiät und insbesondere der schwindenden Bedeutung individueller Erfahrung, in seiner originalen Wahrhaftigkeit gefährdet.

In Huxleys düsterer Utopie “Schöne neue Welt“ leiden die Menschen nicht daran, “dass sie lachen statt nachzudenken, sondern daran, dass sie nicht wissen, worüber sie lachen und warum sie aufgehört haben, nachzudenken.” (Neil Postman, “Wir amüsieren uns zu Tode”,1985, S. 198)

Mediensucht gilt als Sucht der Moderne. Dies ist jedoch kein Phänomen weniger Einzelschicksale von Menschen, die über jegliches Maß hinaus fernsehen, Computer spielen, oder Chatten. Unsere ganze Gesellschaft ist längst in einer von ihr selbst geschaffenen Abhängigkeitswelt gefangen.

Meine Arbeit besteht aus 2 zusammenhängenden Teilen.
In einer Lichtinstallation werden, unter anderem, aus Fernsehsendungen abfotografierte Bilder und Bildausschnitte aus Werbeplakaten von einem Projektor an eine sich drehende Discokugel projeziert. Diese streut Ausschnitte der ursprünglichen Bilder, sowie unscharfe bunte Fragmente und weiße Lichtflächen an die Wände eines weißen Raumes.
Diese Installtion steht für die rauschenden, bunt-überladenden Bilder, die unsere Umwelt bestimmen. Der Besucher der Installation wird Teil einer ihn umgebenden schwindelerregenden Bilderflut.
Unterlegt ist die Installation mit einem für die Ausstellung angefertigten Musiktrack, bestehend aus einem treibenden Elektrobeat und verschiedenen Nuancen überladenen Rauschens.

Der Hauptteil meiner Arbeit besteht aus 8 Schwarz-Weiß-Fotografien.

Die Fotos zeigen leere Plakatflächen und Litfassäulen, leere Werbeschaukästen, um weißes Licht tanzende und sich verbrennende Motten,Symbole der Medienwelt und –nutzung und sie thematisieren das oberflächliche, substanzlose Konstrukt unserer Umwelt.

Die Leere, das weiße Nichts meiner Bilder steht dabei für die Summierung maximaler Konsum-Information und, in ihrer Überreizung, gleichzeitig, für deren Auflösung in einer maximalen, meditativ anmutenden Inhaltslosigkeit.

Der untergegangenen Kultur der Maya wird in ihrem Drang jedes noch so kleine Fleckchen zu bebildern ein “horror vacui” nachgesagt . - Einer Angst vor der Leere. -
So fürchteten sie, dass eine nicht gestaltete Fläche den Dämonen Wirkungsraum geben könnte.
Ähnlich befremdlich mag in unserer, an das ständige Vorhandensein einer rauschenden Bilderkulisse gewöhnten Gesellschaft, eine leere weiße Fläche wirken.
Für einige Betrachter mag sie sogar langweilig erscheinen, da augenscheinlich nichts passiert, nichts ist da was funkelt, nichts, das lockt und verlockt.

Dabei werden Momente der Stille, und mit Information unaufgeladene Orte, die Raum für unbeeinflusste, eigenständige Gedanken lassen immer seltener.

Homepage: http://www.MarcStache-Fotografie.de

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