Der Zeitreisebus (Smbdyclldlcs, 21.05.2005)

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Ab ins Mittelalter
Dem Scheiterhaufen entkommen

Ab ins Mittelalter

Eigentlich wollte ich ja gar nicht in dieses Schlossmuseum. Ich wusste doch, wie es sein würde. Stundenlanges Herumlaufen, langweilige Vorträge über irgendwelche vertrockneten alten Ritter, und nichts würde man anfasse dürfen. Doch was meine Eltern sich einmal in den Kopf gesetzt haben, ziehen sie gnadenlos durch.

Es kam dann genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte. Bis ich zu dieser Rüstung kam. Sie war sehr schön, mit einem prächtigen Schwert. Ich wünschte mir direkt, einmal in die Ritterzeit zu reisen. Da piepte es auf einmal, und der Sehschlitz der Rüstung spuckte eine Fahrkarte aus. "Zeitreisebus Linie 11 ins Mittelalter. Hin- und Rückfahrt Kind." "Was ist denn das für ein.........." Blödsinn wollte ich eigentlich sagen, aber es verschlug mir die Sprache. Ein roter Omnibus tauchte vor meinen Augen auf. Die Türen öffneten sich mit einem zischen. Ich stieg verwundert ein. Da schlössen sich die Türen, und der Bus fuhr los. Rasend schnell sauste die Zeit Rückwärts. Da hielt der Bus auch schon wieder. Ich stieg aus, der Bus verschwand.

Ich stand genau dort, wo ich davor auch gestanden hatte: Vor der Ritterrüstung im Schlossmuseum. Doch es hatte sich verändert. Die Bilder an den Wänden wirkten neuer, die Vitrinen waren verschwunden. Mein Blick fiel auf die Rüstung. Die Rüstung blickte zurück! Sie kam mit langsamen Schritten auf mich zu! "Wo kommst du her, so plötzlich aus dem Nichtse? Es scheint mir gar, als währe da schwarze Magie im Spiele! Sag mir, der ich Ritter Bertram von Bertshausen bin, in wessen Dienst stehst du? Ich erblickte gar manch großes Wunder, doch habe ich noch nie erblicket, das jemand einfach so in einem offenen Räume erscheinet." Sagte sie. "Das wüsste ich selber gerne." Sagte ich. "Eben hat dein Helm einen Fahrschein ausgespuckt, dann ist ein Omnibus erschienen, ich bin eingestiegen und hier bin ich nun." "Omnibus? Fahrschein? Was sind dies für Zauberdinge? Außerdem währe es angebracht, eine edlere Wortwahl zu treffen. Hat man dir in deinem Elternhause nicht beigebracht, wie man sich in Gegenwart eines Rittersmannes angemessen beträgt?" "Nun ja, im 21. Jahrhundert gibt es keine echten Ritter mehr." Sagte ich. Das weiterte Gespräch im Detail kann ich mir wohl schenken.

Dem Scheiterhaufen entkommen

Nach und nach erfuhr ich, wo und in welchem Jahr ich mich befand. Ritter Bertram nahm mich als Page bei sich auf. Noch am selben Tag machte ich Bekanntschaft mit den anderen Bewohnern des Schlosses. Es waren: Berta, die Gemahlin des Ritters, Eise, die Köchin, Rudolph, Richard und Rüdiger, die Knechte, Henrietta und Hildegard, die Mägde und schließlich Reinhard, des Ritters Knappe. Ich schlief in einer Dachkammer auf Stroh. In der Nacht, gegen l Uhr, kam Reinhard zu mir, weckte mich und sagte: "Du bist also aus der Zukunft zu uns gereist. Weist du, das dich das leicht auf den Scheiterhaufen bringen kann? Deshalb will ich dich auch warnen. Henrietta, die Magd ist gerade eben zum Dorf gelaufen und informiert der Pastor. Sie ziehen hierher, zur Burg." "Woher weißt du das?" "Ich soll Henrietta heiraten, deshalb erzählt sie mir Alles." "Aha." "Was bedeutet dieser Ausruf?" "Das ich verstanden habe." "Nun denn! Weißt du, wie du in deine Zeit zurückkehren kannst?" "Ungefähr. Warum fragst du?" "Weil ich mit dir gehen möchte." "Ach so. Also, ich denke, man muss es nur wollen. Du musst dir wünschen, in meine Zeit zu kommen." "Alles klar. Dann los. Ich habe meine Sachen bereits gepackt." "Gut. Und nun: feste wünschen!"

Alles geschah so wie letztes Mal. Aus einer Spalte im Holz kamen zwei Fahrkarten und der Bus erschien. Reinhard erschrak zuerst fürchterlich. "Welch ein Ungetüm!" rief er. Doch dann stieg er ein. Die Zeit lief wieder rasend schnell, nur Diesmal vorwärts. Dann waren wir wieder an der Abfahrtsstelle auf dem Dachboden. Wir rannten die Treppe runter und fanden dort meine Eltern. Komischerweise schienen sie nichts davon bemerkt zu haben, das ich weggewesen war. Alles weitere lief schnell ab. Da Reinhards Eltern ja längst verblichen waren, Adoptierten meine Eltern ihn und er lebte sich sehr schnell ein. Nur seine Herkunft blieb unentdeckt. Logisch, die Wahrheit glaubte keiner. Übrigens stellten wir fest, das er Riesenglück gehabt hatte. Die Burg war nämlich, so erfuhren wir aus Geschichtsbüchern, Ein Jahr nach seiner Abreise von Raubrittern eingenommen worden und alle die dort wohnten waren getötet worden. Also hatte ich ganz nebenbei ein Leben gerettet. Wenn ihr auch Lust bekommen habt, mit dem Zeitreisebus zu fahren, dann wisst ihr ja, wie es geht.

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