Elfengeschichte (Flamo, 20.06.2005)

Einige Bemerkungen vorab

Auf fast jedem Planeten gibt es verschiedene Welten, die übereinander oder manchmal sogar ineinander liegen und wie unterschiedliche Planeten mit gleichem oder ähnlichem Klima bewohnt werden. Man kann mit speziellen Raumschiffen von einer Welt in eine andere reisen, wenn man einige spezielle Formeln kennt die das Übertreten der Grenzen der Welten erlauben. Es ist ebenfalls möglich die eigene Welt teilweise oder ganz abzuriegeln, sodass bestimmte Lebensformen keinen Zutritt bekommen können. Dies haben die Elfen getan um sich vor den Menschen und anderen (eventuell für sie gefährlichen) Lebewesen zu schützen. Jede Welt, die zur Gemeinschaft des Universums gehört und die Aufgaben und Funktionen der Universumsregierung anerkennt, hat die Möglichkeit die erforderlichen Formeln zu bekommen, sofern die Welt von der Gemeinschaft akzeptiert wird und umgekehrt.

Noch ein paar Bemerkungen zur Zeitverschiebung: Zwischen den beiden hauptsächlichen Orten, an denen die Geschichte spielt, beträgt die Zeitverschiebung genau 12 Stunden.

Jetzt geht's los

Gabrielle lag in ihrem Bett und starrte an die Decke. Sie wusste, dass sie eigentlich schlafen sollte, aber sie konnte nicht. Immer und immer wieder schweiften ihre Gedanken ab, zu dem was sich heute Vormittag in der Schule ereignet hatte: Am Freitag in der zweiten Stunde hatten die 8a ihren Mathe-Test zurückbekommen und Gabrielle war die einzige gewesen, die eine ?1? bekommen hatte. Sie war sehr gut in der Schule und bei vielen Lehrern sehr beliebt. Mit den ständigen Anfeindungen und dem Neid der anderen Schüler hatte sie sich schon seit einiger Zeit abgefunden, auch wenn sie immer wieder enttäuscht darüber war, wie sich ihre Mitschüler ihr gegenüber verhielten.

Heute in der Großen Pause war es schließlich zu dem gekommen, was sie seit langem befürchtet hatte: Marco, der kräftige großmäulige Fiesling der Klasse, wollte seinem Neid und seiner Eifersucht auf Gabrielle Luft zu machen und beschloss, sie vor der ganzen Klasse so zu verprügeln, dass sie sich überhaupt nie mehr trauen würde gute Noten zu schreiben. Dass die anderen eingreifen würden bezweifelte er stark, da der Großteil der Klasse Gabrielle diese Abreibung aus lauter Neid gönnen würde und sich sowieso niemand mit ihm anlegen wollte. So kam es, dass Gabrielle von fast der gesamten Klasse in eine Ecke gedrängt wurde, in welcher der Lehrer sie nicht sehen konnte und von ihren Mitschülern eingekreist wurde, damit sie nicht weglaufen konnte. Und dann, in dem Moment als Marco die Faust hob, sah Gabrielle die Elfen, die sie schon seit Jahren begleiteten. Bis jetzt hatte sie geglaubt, sie habe sich die Elfen nur ausgedacht, sich die endlosen Gespräche über das Leben in der Elfenwelt nur vorgestellt, aber jetzt, da sie in Gefahr schwebte, erkannte sie, dass die Elfen sich ihr bis jetzt nur noch nicht gezeigt hatten.

Elfen sehen eigentlich genauso aus wie Menschen; sie sind zwischen 1,50m und 2,50m groß und haben äußerlich denselben Körperbau wie Menschen (Es gibt natürlich Ausnahmen, da auch Lebewesen anderer Planeten zu Elfen ernannt werden können - doch dazu später). Innen sehen Elfen anders aus als Menschen, das kommt daher, dass sie (z.B.) durch die Haut atmen; alles, was sie essen beinahe restlos im Körper aufnehmen; das Ausscheiden durch Abgabe eines geruchslosen Gases über die Haut erfolgt; dass sie spezielle magische Organe haben...... Elfen haben einige magische Fähigkeiten. Dazu gehört zum Beispiel, dass sie selbst entscheiden können, wann sie von wem gesehen oder nicht gesehen werden. Es ist beispielsweise möglich, dass Gabrielle die Elfen sieht und ihre Mitschüler die Elfen nicht sehen, weil die entsprechenden Elfen das so beschlossen haben. Untereinander können die Elfen sich aber immer sehen.

Hätte Gabrielle nicht auch so schon so viel Angst gehabt, ihre überraschte Miene hätte sie gewiss verraten und das ist eigentlich auch nicht verwunderlich.

(Man muss sich das aber auch mal vorstellen: Man glaubt, sich jahrelang Fantasiegeschichten auszudenken und stellt plötzlich fest, dass das alles wahr und gar nicht ausgedacht ist, und obendrein erscheinen auch noch die angeblichen Fantasiegestalten und helfen einem aus der Klemme.) So aber dachte sich niemand etwas dabei.

Für deutlich mehr Aufsehen sorgte, dass Marco, ohne dass Gabrielle sich auch nur gerührt hatte, plötzlich zusammen knickte als habe er gerade einen äußerst kräftigen Stoß in den Magen erhalten, er selbst hätte es wohl eher als Stoß mit einem Rammbock bezeichnet, aber es war Kanh gewesen, ein Elf, der zusammen mit seiner Freundin Stella schon seit gut anderthalb Jahren bei Gabrielle wohnte und ein wachsames Auge auf sie warf (eine Elfe ist weiblich; ein Elf ist männlich). Und Kanh war eben der Kragen geplatzt und er hatte Marco jenen kräftigen Schlag in den Magen versetzt. Gabrielles Klasse wich erschrocken zurück. Marco rappelte sich auf und stürzte auf Gabrielle zu, als er aber diesmal aus dem scheinbaren Nichts eine heftige, und dennoch geräuschlose Backpfeife empfing und sich auf seiner Wange der Abdruck von fünf feinen, aber kräftigen Fingern abzeichnete, floh die ganze Klasse, einschließlich Marco, in heller Panik.

Gabrielle wandte sich Stella und Kanh zu und flüsterte: ?Danke.?, mehr fiel ihr im Moment nicht ein, doch dann lachte sie und sagte: ?Die Backpfeife war spitze, Stella!? ?Aber einer Elfe unwürdig?, meinte diese, ?genauso wie der Schlag in den Magen.? ?Mal kann man das schon machen.?, widersprach ihr Kanh trotzig, ?Und außerdem war es Notwehr, da darf man das.? Der Rest des Schultages verging wie im Flug und niemand in der 8a kam noch mal auf die Idee Gabrielle anzugreifen, weder mit Worten noch körperlich, ja es kam ihr so vor, als ob manche ihr sogar weiträumig aus dem Weg gingen und ängstlich verschreckt den Kopf abwandten, wenn Gabrielle sie nur ansah.

Inzwischen war es Abend geworden. Gabrielle war freiwillig ins Bett gegangen, was ihrer Mutter zwar sonderlich vorkam, aber sie nicht weiter verwunderte oder gar beunruhigte. Dazu gab es auch keinen wirklichen Grund, Gabrielle wollte lediglich nachdenken und die Ereignisse des Tages verarbeiten.

Die vielen Gespräche mit den Elfen kamen ihr wieder in den Sinn: Wie hatte sie jemals annehmen können, dass sie so viel Fantasie besaß, dass sie sich dermaßen viele Details zum Leben eines Volkes ausdenken konnte? Jetzt als sie die Wahrheit kannte erschien ihr die Annahme absurd, dass ein einzelner Mensch so viele Dinge zu einem Thema erfinden konnte. Es waren aber auch wirklich viele Informationen gewesen, die Gabrielle von den Elfen erhalten hatte!

Diese hatten sich diskret zurückgezogen, da ihnen klar war, dass kein Mensch von der Erde so ein Erlebnis ohne weiteres hinnehmen konnte. Außerdem waren Stella und Kanh schon von früheren Aktionen damit vertraut, dass die Menschen solche Dinge erst einmal verdauen mussten; also taten sie, was sie immer taten, wenn sie Gabrielle nicht gerade von der Elfenwelt erzählten: Sie suchten sich einen halbwegs bequemen Platz in Gabrielles Zimmer oder auf dem Dach und hielten Wache. Es war Vollmond, Stella und Kanh saßen ganz oben auf dem Dachfirst, beobachteten aufmerksam die gesamte Umgebung und sagten lange Zeit nichts. Schließlich fragte Kanh: ?Was meinst du, war es ein Schock für sie?? ?Das wäre so ziemlich das letzte, was ich von Gabrielle denken würde,? erwiderte Stella, ?nein, ich denke eher, dass sie sehr froh ist, denn du hast doch sicher auch schon gemerkt, wie schwer sie es hat, weil sie niemanden hat mit dem sie sich austauschen kann: Ihre Klassenkameraden haben vollkommen andere Interessen als sie und ihre Eltern arbeiten meistens sehr lange. Ich mache mir eher Sorgen darum, das es ziemlich Probleme geben könnte, weil ja sozusagen unsichtbare Wesen diesen Marco angegriffen haben.? ?Ach?, meinte Kanh, ?wir müssen die ganze Sache sowieso melden, dann kriegen wir Ärger, weil wir uns ins Leben in der Menschenwelt eingemischt haben und dann muss Nicolas die ganze Sache regeln und wir haben damit nichts mehr zu tun.?

Nicolas, der Botschafter der Erde, war dafür zuständig, dass die Bewohner der Erde magische Eingriffe von außen ganz schnell vergaßen oder sie gar nicht als solche erkannten, in den meisten Fällen bedeutete das, dass eine Gedächtnislöschung oder -Veränderung auf magische Weise durchgeführt wurde.

?Was die Einsamkeit von Gabrielle angeht,?, fuhr Kanh fort, ?so denke ich, dass du damit durchaus Recht haben könntest. Schließlich interessieren sich wirklich nicht viele in ihrem Alter für Politik und Philosophie.? ?Das stimmt,?, erwiderte Stella, ?Außerdem glaube ich, dass Gabrielle einfach viel über fremde Kulturen herausfinden möchte. Ich denke auch, dass es sie sehr bedrückt, dass sich die Menschen bekriegen. Darum findet sie unsere Welt sicher auch interessant und schön, weil es dort friedlich ist.? Kanh nickte nachdenklich. Damit war das Gespräch vorerst beendet und beide schwiegen wieder.

Gabrielle war irgendwann gegen 12 Uhr eingeschlafen, nachdem sie zu dem Schluss gekommen war, dass sie eigentlich noch nie hatte akzeptieren wollen, dass es die Elfen nicht gab. Jetzt wusste sie auch weshalb: Irgendetwas in ihr hatte instinktiv gewusst, dass es die Elfen wirklich gab. Die größte Frage für Gabrielle war aber nach wie vor, wie so etwas funktionieren kann; dass es möglich ist, dass sie sich mit den Elfen unterhalten konnte und sich dabei einbildete, dass alles Fantasie sei. Über diesem Gedanken war sie dann schließlich eingeschlafen.

Als sie am nächsten Morgen erwachte, hielt sie die Augen noch eine Weile geschlossen und überlegte, ob nicht alles ein Traum gewesen sei, was nach der zweiten Stunde am Freitag passiert war. Aber als sie die Augen öffnete und sah, dass Stella und Kanh in einigen Metern Entfernung auf dem Teppich saßen und geduldig abwarteten, wann sie wohl aufstehen würde, war sie so erleichtert, dass sie das Gefühl hatte, sie könne sofort abheben und zu den Wolken schweben (die an diesem Morgen zwar gar nicht am Himmel standen, aber egal). Sie fiel erst Stella und dann Kanh überglücklich um den Hals, so als habe sie Angst, dass die beiden Elfen gleich wieder verschwinden würden.

Zum ersten Mal erfuhr sie, wie sich Elfenhände anfühlten; nämlich geschmeidig und zart, aber zugleich kräftig und muskulös, auch wenn man ihnen das nicht ansah. Nach dieser überaus herzlichen morgendlichen Begrüßung stellte Gabrielle fest: ?Ihr seid irgendwie komisch, das hab? ich euch zwar schon tausendmal gesagt, aber ich verstehe nicht wie man solche Hände haben kann, wie kann eine Hand zart und kräftig zugleich sein?? Lachend erwiderte Stella: ?Das haben wir dir zwar auch schon tausendmal gesagt: Aber ihr Menschen seid trotzdem mindestens genauso komisch!? ?Vielleicht sollten wir diese überaus interessante Unterhaltung später weiterführen!?, schlug Kanh vor. Gabrielle nickte und ging erst mal ins Bad und danach zum Frühstück.

In Gabrielles Familie wurde der Tagesplan fast immer am Frühstückstisch ?erarbeitet?. So auch heute: Ihre Eltern wollten mit Gabrielles Schwester Sophia einkaufen gehen und anschließend in den Garten zum Gießen fahren. Das war Gabrielle nur recht, denn da brauchte sie nicht mitkommen, hatte den ganzen Vormittag das Haus für sich allein und konnte mit den Elfen quatschen.

Nachdem ihre Eltern losgefahren waren, hatte Gabrielle das ganze Haus für sich, von den Elfen mal abgesehen. Sie ging mit Stella und Kanh wieder nach oben -die beiden hatten während des Frühstücks etwas abseits gestanden und (wie gewöhnlich) Wache gehalten. Oben angekommen ließ sich Gabrielle in ihren Sitzsack plumpsen. Die beiden Elfen ließen sich wie üblich auf dem Boden nieder.

Nach kurzem Schweigen sagte Stella feierlich: ?Wir haben die Ehre und die Freude dir einen sehr interessanten Vorschlag machen zu dürfen.? ?Na, wenn du dich so geschwollen ausdrückst bin ich ja mal gespannt.?, erwiderte Gabrielle grinsend. ?Du weißt ja, dass wir uns nicht jedem x-beliebigen Menschen zeigen;?, begann Stella, ?da wir uns dir aber gezeigt haben, gibt es ein paar Persönlichkeiten in unserer Welt, die sich ganz gern ein eigenes Bild von dir machen würden.? ?Du meinst ich soll ...?, Gabrielle war sprachlos vor Staunen. ?Ja, du sollst uns in unsere Welt begleiten, falls du das fragen wolltest.?, antwortete Kanh lächelnd. ?Du musst aber nicht mitkommen.?, setzte Stella hinzu, ?Es ist nur so, dass wir uns sehr freuen würden, wenn du es tun würdest.?

Gabrielles Staunen verwandelte sich langsam in ein breites Lächeln; wie oft hatte sie den Erzählungen der Elfen gelauscht und sich gewünscht selbst einmal in die Elfenwelt reisen zu können. Doch dann sagte sie traurig: ?Ich würde ja sehr gerne mitkommen, aber das geht doch gar nicht. Ich muss doch zur Schule und meine Eltern würden sich sicher auch wundern, wenn ich plötzlich weg wäre und ...?

?Jetzt ist aber genug,?, sagte Stella mit gespielter Strenge, ?traust du uns nicht mal zu, dass wir so was ordentlich organisiert kriegen?? ?Pass auf,?, begann Kanh zu erklären, ?wir werden siebenmal neun Stunden in der Nacht in unsere Welt reisen. Du bekommst vorher ein Mittel, das den Schlaf ersetzt, dadurch wirst du nicht müde und die Schule wird auch nicht darunter leiden. Wir werden per Raumschiff fliegen und auf unserem Planeten mit den üblichen Mitteln weiterreisen, wenn es sein muss, da Raumschiffe mit nichtelfischen Wesen nur in der Hauptstadt landen dürfen.? Gabrielle war baff. Sie machte mehrere Male den Mund auf, aber sie kriegte kein Wort heraus. ?Wow!?, sagte sie schließlich. Allmählich war sie davon überzeugt, dass die Elfen die ganze Reise bestens geplant hatten. Auf ihre Frage hin, was denn wäre, wenn ihre Eltern nachts in ihr Zimmer kommen würden, antwortete Stella, dass ein elfischer Druide in Gabrielles Zimmer bleiben würde und im Falle eines Falles eine Art feste Fata Morgana von Gabrielle heraufbeschwören würde. Damit schienen die letzten Sorgen ausgeräumt zu sein, denn nun bestürmte Gabrielle die beiden Elfen mit Fragen: Wann würde es losgehen? Was sollte sie anziehen? Wo genau sollte es hingehen? U.s.w., u.s.w. Nachdem Gabrielles Wortschwall verebbt war, sagte Stella: ?Also, ich würde vorschlagen wir beginnen Montag und machen dann die folgenden sieben Nächte je eine Reise. Was du anziehst ist egal, weil du im Raumschiff eh Elfenkleidung bekommst. Wo es hingeht verraten wir dir immer am Tag vorher und wenn du noch irgendwas besonderes wissen musst, sagen wir es dir rechtzeitig.? Damit gab sich Gabrielle erst mal zufrieden.

Der Rest des Tages verging wie im Fluge, aber am Sonntag löcherte Gabrielle Stella und Kanh erneut mit Fragen und hätte beinahe vergessen, sich auf die Schule vorzubereiten......

Glücklicherweise erinnerte Stella sie rechtzeitig daran. Und Kanh machte ihr noch mal klar, dass die beiden Elfen in der Schule selbstverständlich nicht als Vorsager arbeiten würden. Was Stella mit den Worten quittierte: ?Schön, dass du es endlich begriffen hast, Kanh.?

Kanh antwortete nur mit einem widerwilligen Grummeln ...

Es geht los!

Am Montag fiel es Gabrielle ausgesprochen schwer, sich auf die Schule zu konzentrieren; immerzu musste sie an den kommenden Abend denken und war furchtbar aufgeregt. Als die Schule endlich zu Ende war, eilte sie so schnell nach Hause, dass Stella bemerkte: ?Nun renn doch nicht so, davon kommt der Abend auch nicht schneller!?

Zu Hause aß Gabrielle Mittag und erledigte ihre Hausaufgaben mehr oder weniger nebenbei. Als sie nach oben in ihr Zimmer gehen wollte, war sie außerordentlich erstaunt, vor ihrer Tür eine zusammengerollte und versiegelte Nachricht vorzufinden. Kanh, der davon scheinbar nicht im Geringsten erstaunt war, sagte: ?Mach sie auf, wahrscheinlich stehen noch ein paar Informationen für die Reise drin.? Gabrielle öffnete den Brief und las ihn durch. Die Nachricht lautete:

Liebe Gabrielle,

ich bin sehr erfreut, dass du uns demnächst besuchst.

Ich möchte dir hiermit

noch ein paar Informationen für diese Reise geben:

Du darfst siebenmal je neun Stunden in der Elfenwelt verbringen, von 20.30 Uhr bis 5.30 Uhr (MEZ).

In dieser Zeit wird ein Druide in deinem Zimmer warten und,

wenn nötig, eine Illusion von dir erzeugen.

Du wirst jedes Mal von einem Raumschiff abgeholt

und zuerst in die Hauptstadt geflogen,

von dort kannst du deine Reiseziele mit

den üblichen Verkehrsmitteln erreichen.

Der Name des Raumschiffes lautet ?Amundsen?

Mit freundlichen Grüßen

Nicolas, Botschafter der Erde der Menschenwelt

Das meiste war für Gabrielle nicht neu, nur ?Warum heißt das Schiff ?Amundsen???, fragte Gabrielle die beiden Elfen. ?Vermutlich weil Nicolas das so wollte.?, antwortete Kanh,

? ?Amundsen? ist ein Schiff der Botschaft, darum darf der Botschafter ihm auch den Namen geben. Nicolas stammt aus eurer Welt, er ist Norweger. Sein allergrößtes Talent sind Sprachen. Er kann ungefähr zehn Sprachen fließend und mehrere andere spricht er gebrochen oder in Ansätzen.?

?Ihr scheint euch ja ziemlich gut zu kennen.?, stellte Gabrielle fest. Kanh bestätigte dies und erklärte, dass er eine Weile in der Botschaft gearbeitet habe. Nachdem auch Stella die Nachricht gelesen hatte, ermahnte sie Gabrielle, auch ja immer pünktlich ins Bett zu gehen, damit es keine Komplikationen gäbe.

Der Rest des Tages war nicht weiter erwähnenswert und schließlich kam der lang ersehnte Abend. Gabrielle schaffte es vor Aufregung kaum, etwas zum Abendbrot zu essen, aber sie war überpünktlich im Bett und schaute ungeduldig auf die Uhr. Schließlich, um punkt halb neun, erschien ein großes Raumschiff vor dem schrägen Dachfenster von Gabrielles Zimmer. ?OK?, sagte Kanh, ?der Kapitän des Schiffs hat mir gerade mitgeteilt, dass wir das Fenster öffnen sollen.? Gabrielle sprang auf und öffnete das Fenster. Am Raumschiff wurde eine Luke geöffnet und ein junger kräftiger Elf stieg durch das geöffnete Fenster in Gabrielles Zimmer. Er gab ihr die Hand und sagte: ?Ich bin Yr?akan, der stellvertretende Kapitän des Botschaftsschiffs ?Amundsen?. Es ist mir eine Freude dich kennen lernen zu dürfen.? Nachdem er auch Stella und Kanh begrüßt hatte, stieg ein kleiner weißbärtiger Druide aus dem Schiff. Er kreuzte die Hände auf der Brust und verbeugte sich zur Begrüßung, wie es in der Elfenwelt größtenteils üblich war und musterte Gabrielle, um sich dann auf dem Boden niederzulassen und probehalber eine perfekte Kopie von ihr heraufzubeschwören. Yr?akan forderte Gabrielle, Stella und Kanh auf, sich in das Raumschiff zu begeben, damit man die Reise beginnen könne. Also kletterten sie alle nacheinander in das Raumschiff, der Druide schloss das Fenster und das Raumschiff schwebte davon.

Gabrielle war fasziniert: Nachdem sie das Raumschiff betreten hatten, hatte sich hinter ihnen die Luke geräuschlos geschlossen. Sie befanden sich am Ende eines Ganges. Diesem folgten sie und erreichten einen größeren Gang, der das Schiff von vorn bis hinten durchzog. Sie folgten Yr?akan zum Cockpit. Die Tür ging geräuschlos vor ihnen auf, durch Gedankenkraft, wie Gabrielle ganz richtig vermutete. Das Cockpit war ein runder Raum aus dem man genau sehen konnte was draußen vor sich ging. Das wunderlichste aber war, das mittendrin eine Eiche wuchs, ihr Laub bedeckte fast die gesamten Wände des Raumes. Als sie eintraten erhob sich von einem der beiden Sitze des Cockpits eine relativ große und sehr schöne Elfe und begrüßte sie. Danach sagte sie zu Gabrielle: ?Mein Name ist Rowena. Ich bin Kapitän dieses Schiffes und freue mich sehr, dass du gekommen bist. Wenn du nichts dagegen hast, würde ich dir gerne das Schiff zeigen und dafür sorgen, dass du Elfenkleidung bekommst.? Gabrielle hatte nichts dagegen. Rowena strahlte eine freundliche Wärme aus und war ihr sofort sympathisch. Außerdem wusste Gabrielle, dass Elfen gewissermaßen das Gute selbst waren und man von ihnen nichts zu befürchten hatte.

Während sie mit Rowena durch das Schiff ging, bewunderte sie immer wieder, wie ruhig und beinahe still alles war. Rowena hatte ihr erklärt, dass das Schiff Energie durch einige Druiden bekam, die in einem Raum der Botschaft saßen und meditierten. Außerdem hatte sie ihr den größten Teil des Schiffes erklärt und gezeigt. Nun waren sie in einem Raum angelangt, der einer Schneiderei glich, und es war tatsächlich eine.

Hier wurde Gabrielle abgemessen und die Schneiderin sucht Elfenkleidung in Gabrielles Größe heraus. Was nicht passte, änderte sie um und Rowena zeigte ihr wie sie die Sachen, bestehend aus einer Hose, einer Art knöchellangem Kleid und einem Gürtel, anziehen musste. Danach vergingen nur noch wenige Minuten, dann wurden Kanh, Stella und Gabrielle gebeten sich auf eine spezielle Plattform zu begeben und von dort wurden sie mithilfe der Gedankenkraft der Druiden direkt in die Hauptstadt transportiert.

Das Gebäude, in dem sie landeten würde auf deutsch ?Gericht? heißen, war aber eigentlich noch viel mehr. Gabrielle bemerkte, dass es innerlich irgendwie dem Raumschiff ähnelte. Sie wurden von einer Gruppe Elfen empfangen, die sie in einen der angrenzenden Räume geleiteten.

Dort wurden sie untersucht, damit keine Krankheiten eingeschleppt würden. Danach wurden Stella und Kanh von einem wichtig aussehenden Elfen in einen anderen Teil des Gebäudes geleitet. Gabrielle sah ihnen fragend nach, doch der Elf der sie untersuchte, versicherte ihr, dass sie bald zwei alte Bekannte wiedertreffen würde, die sie heute begleiten würden. Nach der Untersuchung musste sie noch zwei verschiedene Flüssigkeiten trinken, die schlafersetzende und eine die ihren Organismus auf die natürlichen Gegebenheiten umstimmte, beide jeweils wirkend für neun Stunden.

Als Gabrielle das Gebäude verließ, traute sie ihren Augen kaum. Da standen Tajo und Isildur, die beiden Elfen, die sie als erste kennen gelernt hatte, im hellen Sonnenlicht und lächelten ihr entgegen. Die beiden waren damals gekommen um Gabrielle um Hilfe zu bitten und zu schützen. Gemeinsam mit ihrem Cousin und ihrer Schwester hatte Gabrielle den Elfen geholfen, die ?Schwarze Armee? zu besiegen. (Die Schwarze Armee ist ein Zusammenschluss der Feinde der Elfen, der in allen drei Zeiten einmal stattfand. In der Neuen Zeit hatte der Planet den Elfen mitgeteilt dass es einen Stein gäbe, der, wenn er von zwei sich mögenden Wesen, die keine Elfen sind, berührt wird, dieses Bündnis auflösen würde. Und diese zwei Menschen waren eben Gabrielle und ihr Cousin gewesen. Gabrielle hatte durch Tajo und Isildur von der Schwarzen Armee erfahren und bei dieser Gelegenheit auch die Elfen kennen gelernt. Seitdem sie die Elfen kannte, wurde sie immer von mehreren von ihnen begleitet und geschützt, denn die Freunde der Elfen sind natürlich auch die Feinde der Feinde der Elfen. Da aber für die Elfen jeder Verbündete aus einer anderen Welt wertvoll ist, wollten sie Gabrielle nicht der Bedrohung ihrer Feinde aussetzen. Inzwischen war Gabrielle mit mehreren Elfen gut befreundet und sie brachten sich gegenseitig viel aus ihren unterschiedlichen Kulturen bei. Auch wenn Gabrielle und ihr Cousin damals noch glaubten, dass alles nur Fantasie sei, werden sie bei den Elfen aufgrund dieser Hilfe sehr geschätzt.)

?Euch hätte ich ja nicht erwartet!?, rief Gabrielle und nach einer herzlichen Begrüßung fragte sie: ?Wisst ihr vielleicht wo Stella und Kanh hingegangen sind?? ?Vermutlich zur Gerichtsverhandlung.?, sagte Isildur, ?Sie haben doch deinen Klassenkameraden verhauen und das zählt als Einmischung in die Menschenwelt und ist verboten.? Als Tajo Gabrielles besorgten Blick sah, lachte sie und sagte: ?Keine Sorge, das wird schon nicht so schlimm werden. Schlimmstenfalls kriegen sie eben zwei Tage ?Menschenweltverbot?.? Damit waren Gabrielles Sorgen so gut wie beseitigt und lachend und scherzend schritten sie auf den Mittelpunkt der Stadt zu, den Palast des Großen Elfen. ?Was wollen wir denn da??, fragte Gabrielle. ?Du bist für heute angemeldet,?, antwortete Tajo mit einem Lächeln, leicht wie der Sommerwind, ?denn wenn jemand in der Elfenwelt zu Besuch ist, möchte der Große Elf ihn schon ganz gerne persönlich kennen lernen.? ?Heißt das ....??,begann Gabrielle, doch dann wurde ihr klar, dass es das hieß, denn mittlerweile waren sie an einem der vier großen Tore des Palastes angekommen. Die Tore waren Bögen aus sich biegenden Bäumen und waren über und über mit Blüten bedeckt. Gabrielle blickte ungläubig und staunend auf diese ihr unbekannten und geradezu überirdisch schönen Blüten. ?Wollen wir nicht reingehen??, fragte Tajo nach einer Weile. Gabrielle nickte stumm und sie betraten den Palast, der nur wenig dem glich, was wir Menschen uns unter einem Palast vorstellen ....

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