Zeitreise ins Mittelalter (Philipp, 12 Jahre, 26.06.2005)

Ich saß an meinem Schreibtisch und dachte: "Was soll ich bloß für die Mittelalter-Zeitreise schreiben? Mir fällt rein gar nichts ein. Soll ich etwa sagen: Einmal Mittelalter und zurück??" Und noch bevor ich es zu Ende gedacht hatte, saß ich in einem Misthaufen. Zu allem Überfluss kam in diesem Moment auch noch ein Bauer und lud eine große Fuhre Mist auf mir ab. Er war ausgemergelt und klein und erschrak fürchterlich als er mich aus dem Mist aufstehen sah. Ich erklärte ihm, dass ich gerne mehr über das Leben im Mittelalter wissen wolle; er aber wich vor mir zurück und rief immer wieder: "Ein Hexenmeister! Ein Magier!" Ich versuchte ihm zu erklären, dass ich kein Magier sei, was er dann nach einer guten Viertelstunde mit Misstrauen akzeptierte. Er sagte, er heiße Sigibert.

Ich fragte ihn: ?In welchem Jahr leben wir denn?" Er antwortete: " Anno domini 1056 " Ich erinnerte mich: Das war das Hochmittelalter. Dann gingen wir ins Haus. Doch schon an der Tür blieb ich stehen, weil mir solch ein Gestank entgegenkam, dass ich fast nicht mehr atmen konnte. Außerdem konnte ich überhaupt nichts sehen. Erst nach ein paar Sekunden, als meine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, nahm ich wahr, dass es nur diesen einen Raum gab, in dem bestimmt 15 Menschen saßen, vom Kleinkind bis zum Greis, welche damals nur etwa 35 bis 40 Jahre alt wurden. Auch das Vieh war in diesem Raum. Im Übrigen war alles voller Rauch und Qualm, denn die offene Herdstelle produzierte nicht gerade wenig davon. Außerdem hatten die Hausbewohner alle Luken und Ritzen mit Stroh zugestopft, da es selbst jetzt, im Sommer, hier im Haus meiner Meinung nach viel zu kalt war.

Ich fragte Sigibert, ob ich mich irgendwo waschen könne. Er fragte mich daraufhin: "Warum? Wir wollen noch aufs Feld, da wirst du ohnehin wieder schmutzig." Ich fragte ihn danach erneut, ob er mir etwas über das Mittelalter erzählen könne. ?Hier werden die Mädchen nach 16 Jahren verheiratet und müssen acht oder mehr Kinder zur Welt bringen", gab er mir bereitwillig Auskunft. "Jede Geburt ist lebensgefährlich für Mutter und Kind. Komm jetzt mit aufs Feld, wir müssen noch arbeiten. Ich habe dir etwas über uns erzählt, nun möchte ich auch eine Gegenleistung dafür. Denn durch meine Geschichte ist uns kostbare Arbeitszeit verloren gegangen." Am späten Nachmittag kam ein Gewitter aus heiterem Himmel. Alle klagten und baten Gott, er möge sie verschonen. Später stellten wir mit fachmännischem Blick fest, dass fast ¼ der Ernte kaputt war.

Zu allem Unglück kamen abends auch noch eine Räuberbande, die von jedem Dorfbewohner 5 Taler forderte. Kinder weinten, Erwachsene schrieen herum, das ganze Dorf war in Aufruhr. Als die Räuber drohten, jemanden als ihren Sklaven mitzunehmen und einer mit seinem Dolch anfing, vor dem Gesicht eines Kindes herumzufuchteln, hielt ich es für besser, wieder nach Hause zu gehen. Bloß wie? Ich dachte: "Wenn es beim Herweg auch so geklappt hatte, warum nicht auch beim Rückweg?" Und so sagte ich auf gut Glück: "Einmal bitte nach Hause an meinen Schr... unter die Dusche", fiel mir im letzten Moment noch ein, da ich ja am Anfang des Tages unfreiwillig im Mist gebadet hatte. Und dann duschte ich erst mal gründlich. Mit Kleidung!

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