Die Vergangenheit (Maxime, 22.01.2006)

Bittere Tränen liefen mir das Gesicht herunter. Mein Haar war schon ganz nass vom vielen Regen, der an diesem Tag fiel. Ich saß da, mit den Knien in dem Matsch, der auf dem Bürgersteig lag.Blutüberströmt war Alex' Gesicht, dessen toter lebloser Körper auf der Straße, wo jetzt viele Schaulustige standen, lag.

Alex war tot.Mein bester Freund, mit dem ich viele Jahre lang an der Schule getobt, gespielt und gelernt hatte, mit dem ich gestritten, gelacht und geweint hatte. Doch nun liefen meine bitteren Tränen der Trauer über mein Gesicht, und nicht über unser beides.Ich schluchzte nur noch, und verfluchte die Welt, den Autofahrer, der Alex nicht rechtzeitig gesehen hatte, der scharf gebremst hatte, um ihn noch zu retten, ich verfluchte mich selbst, weil ich ihn nicht gewarnt hatte?

Doch es war schon zu spät.

Die Vergangenheit ließ sich nicht mehr ändern. Bei diesem Gedanken wurde mir speiübel.

Ich werde Alex nie wieder sehen...

Wieder brach ich in Tränen aus. Ein fremder Mann, der ein freundliches, nettes Gesicht hatte kam zu mir und fragte mich: "Junge, was ist los? Wieso weinst du? Du wirst dir noch eine Lungenentzündung einholen!" Ich nickte nur stumm und stand wortlos auf. Plötzlich sah der Mann mein weinendes Gesicht, und fragte: "War das dein Freund?" Ich nickte nur, dann musste ich wieder weinen. Der fremde Mann klopfte mir auf den Rücken. "Ja, lass es raus", sagte er, "du musst dich nicht schämen. Jeder Mensch der Welt erlebt das mal. Zum Beispiel ich?" Ich blickte auf. Er hatte auch einen wichtigen Menschen verloren? Mit einem wehmütigen Blick begann er: "Meine Frau hatte einmal dasselbe getan. Sie ist auch über die Straße gerannt, ohne auf die Autos aufzupassen? Sie wollte doch nur rüber zu mir? mich plagten auch Schuldgefühle, wie sicherlich dich auch. Ich dachte immer, ich wäre verantwortlich für ihren Tod, alles wäre meine Schuld?doch es ist das Leben. Niemand hat Schuld an dem Tod eines Menschen, außer vielleicht Serienmörder?jeder, der Gefühle hat, beweint einmal einen Menschen?so ist das nun mal." Er blickt mich wieder lange an, dann sagte er: "Erweise deinem Freund Respekt und verabschiede dich von ihm. Die Vergangenheit lässt sich nicht ändern, und was in der Zukunft geschieht, können wir nur abwarten. Aber das Hier und Jetzt können wir beeinflussen." Ich nickte, dann ging ich rüber zu Alex. Man hatte ihn schon auf einen Bahre gelegt und seine Wunden gesäubert.

Ich legte meine Hand auf seine Stirn und sprach leise: "Mein lieber Freund. Nun müssen wir leider Abschied nehmen. Du gehst ins Paradies, bei Gott oder wo weiß ich? aber du wirst immer bei mir weiterleben. In meinem Herzen." Die Worte kamen aus mir heraus, ohne dass ich es wollte. Doch sie gefielen mir. Ja, er wird für immer und ewig bei mir leben, und zwar an einem Ort, wo all meine Gefühle wohnen: in meinem Herzen."Ich werde dich vermissen", sagte ich, und mir kamen wieder Tränen in die Augen, "Aber in meinem Herzen wirst du für immer zuhause bleiben. Und irgendwann einmal, wenn auch die Zeit für mich gekommen ist, werde ich zu dir kommen. Versprochen." Ich nahm die Hand von der Stirn weg und ehe ich zurückging, drehte ich mich noch einmal um und sagte: "Auf wieder sehen, mein Freund."Der fremde Mann stand noch immer dort, wo ich ihn getroffen hatte. "Danke", sagte ich zu ihm. Der Mann lächelte nur und sagte: "Keine Ursache." Ich fragte ihn noch, ob er bei uns zu Hause als Dankeschön essen wollte, weil er sich vielleicht einsam fühlte, da seine Frau ja tot war, doch er lächelte nur wieder. "So allein", sagte er, "bin ich nun doch wieder nicht. Ich habe ja noch Kinder, um die ich mich kümmern muss. Und sie kümmern sich auch um mich." Er schüttelte mir die Hand und zog von dannen. Ich blickte ihm noch nach, und wischte mir eine Träne weg. An diesem Tage hatte ich etwas Wichtiges gelernt: Die Vergangenheit lässt sich nicht ändern, aber die Gegenwart. Und wenn man in der Gegenwart etwas tut, dann könnte es auch Folgen für die Zukunft tun. Wenn es etwas Schlechtes ist, dann wird vielleicht auch die Zukunft schlecht. Tut man etwas Gutes, wird dadurch auch die Zukunft gut. Aber die volle Kontrolle über das, was in Zukunft geschehen wird, hat man nicht. Man kann an einem Tag überrannt werden, es kann einem alles Mögliche geschehen. Also zählt am meisten die Gegenwart. Man soll jede Sekunde genießen. ENDE

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