Der Geruch von Regen (Anonym, 04.03.2006)

Ich stehe draußen

auf einer Wiese, so groß, so weit,

es kommt mir vor wie die ganze Welt.

Die Arme ausgebreitet,

den Blick nach oben gewandt,

hinauf zum Himmel,

stehe ich und schaue,

fühle, höre, schmecke,

und rieche.

Über mir sehe ich den weiten grauen Himmel,

voller Wolken, voller Traurigkeit.

Denn der Himmel weint.

Auf meiner Haut fühle ich Regentropfen,

streichen zart darüber,

fließen über meine Wangen,

meinen Hals hinab.

Ich schmecke sie auf meinen Lippen,

meiner Zunge.

Sie sind nicht salzig wie Tränen

oder wie das Meer,

sie schmecken nur ein wenig nach Erde.

Um mich herum höre ich

das leise Platschen,

wenn die Regentropfen sich

auf Ästen, Blättern, Grashalmen niederlassen.

Wenn die Wolken verschwinden,

wenn der Himmel nicht mehr trauert,

wieder die Sonne erscheint

und über mir wieder helles Blau strahlt,

dann rieche ich den Regen.

Wenn ich tief durchatme,

die feuchte Luft in meine Lungen sauge,

dringt der Geruch von Regen

in mich hinein.

Es riecht nach feuchter Erde,

nassem Gras,

nach der Feuchtigkeit in der Luft,

um mich herum,

die nach wie vor nicht ganz verschwunden ist.

Der Regen ist schon verschwunden,

der Himmel hat sich wieder beruhigt,

die Welt erstrahlt wieder

in hellem Sonnenschein,

aber der Geruch von Regen

lässt sich nicht so schnell vertreiben.

Er hängt in der Luft,

setzt sich in das Gras,

auf das Holz der Bäume,

solange bis die Sonne alles getrocknet hat.

Als ich auf die Wiese verlasse,

blinzele ich in helle Sonnenstrahlen,

fühle die Wärme der Sonne auf der Haut.

Doch wenn ich einatme,

rieche ich den Regen,

die Tränen des Himmels,

noch in der Luft um mich herum.

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