Das Erbe der drei Schwestern Prolog (Lasurit 29.05.2007)

Luft! Sie brauchte Luft! Nur noch ein kleines Stückchen, ein ganz kleines, dann konnte sie wieder auftauchen, aber bis dahin musste sie noch aushalten. Lasurit sah das kleine goldbraune Samenkorn, sah es ganz genau, es war ganz nah und doch so schrecklich weit weg. Das letzte Restchen Luft, was noch in ihr war musste einfach ausreichen, es musste einfach! Noch einen Schwimmstoß, dann hatte sie es erreicht.

Fest schlossen sich ihre schmalen Finger, die wegen dem Sauerstoffmangel ganz zittrig waren, um das Samenkorn. Nun hatte sie beide gefunden, beide fest in ihrer Hand. Sie schaute nach oben. Alles drehte sich und verschwamm hinter einem weißen Nebel, doch dann stieß sie sich mit aller Kraft, die ihr noch blieb, vom Grund des Beckens ab. Langsam glitt sie durch das Wasser nach oben und schließlich brach ihr Kopf durch die Wasseroberfläche. Luft strömte wieder in ihre Lungen. Füllte sie aus und belebte ihre ganzen Körper wieder.

Sie versuchte sich kurz zu entspannen, doch ihr Rock zog sie wieder nach unten, unters Wasser. Doch kurz darauf war sie wieder mit ihrem Kopf an der Luft. Die nassen Haare klebten ihr im Gesicht, dass sie kaum etwas sehen konnte. Fahrig fuhr sie sich übers Gesicht und schaute sich um. Ihre Finger zitterten immer noch. Frederick war weit hinter ihr, er suchte noch, suchte nach dem zweiten Samenkorn. Dann sah sie zum Ziel. Es waren nur noch ein paar Meter, ein paar furchtbar weite Meter, wenn man ein knöchellanges Kleid trug, dessen nasser Stoff an einem zerrte. Ein letztes Mal bündelte sie all ihre Kraft, die noch in ihrem Körper steckte, um diese letzten paar Meter zu schwimmen.

Das Ziel kam immer näher und ihr nasser Rock zog immer stärker und stärker an ihr. Gleich hatte sie es geschafft, gleich würde sie das Ziel erreichen, mit den beiden Samenkörnern, die sie immer noch fest in der Hand hielt. Noch ein letztes Mal drehte sie sich um. Sah, dass Frederick aufgetaucht war und zu ihr herüber sah. Sah, wie seine Augen kurz aufblitzten. Was in ihnen aufblitzte konnte sie nicht sagen. Dann sah sie zu ihren Schwestern rüber, die am Beckenrand standen, lächelte ihnen zu, sie hatte fast gewonnen. Doch ihre Schwestern lächelten nicht zurück. Auf ihren Gesichtern stand das pure Entsetzten.

Warum schauten sie nur so? Sie hatte so gut wie gewonnen! Plötzlich spürte sie, wie eine gewaltige Energiewelle über sie hinweg rollte. Über ihr, unter ihr, durch sie... Die Energie floss durch sie hindurch, drückte ihr den Atem ab, presste ihr Herz zusammen. Schien sie zu sprengee und gleichzeitig zu erdrücken. Alles war still geworden, sie hörte nichts mehr, auch vor ihren Augen verschwamm alles in grau.

Dann erlöschte das Licht in ihren Augen, ihr Herz stand still. Ihr Gesicht entspannte sich und langsam zog der schwere Stoff ihres Kleides sie unter Wasser. Immer tiefer sank ihr lebloser Körper, immer tiefer. Die Hand, in der sie die Samenkörner hielt, öffnete sich und die Körner glitten hinaus. Sie waren schneller als das Mädchen am Grund des Beckens angelangt. Sie waren schon unten und sie sank immer noch, tiefer und tiefer. Ihr schwarzes Haar hatten sich Sternförmig ausgebreitet und floss um ihr friedliches Gesicht, dass so blass und verletzlich wirkte. Immer tiefer sank sie, immer tiefer und tiefer, und sah dabei aus, wie ein Engel.

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