Zwei Menschen am Abend (Wishmaster 17.01.2009)

Sie sah ihn an.

Er sah sie an.

Hand in Hand, Schulter an Schulter standen sie auf einem Hügel und blickten in die untergehende Sonne. Der kalte Abendwind ließ sie frösteln, und ihre nackten Füße im Gras fühlten sich schon fast taub an.

Kann man etwas fühlen, wenn es taub ist?

Kann man die Stille hören, die Schwärze sehen?

Sie wusste es nicht. Und sie hatte sich noch nie Gedanken darüber gemacht. Der Anblick der Stadt unter ihnen kam ihr fremd vor. Der Himmel, in ein sanftes Gelb getaucht, war mit hellgrauen Wolkenschlieren bedeckt. Alles wirkte... abgedunkelt. Als hätte man einen Filter darüber gelegt. Sie fragte sich, ob diese höhere Macht da draußen Interesse an einem Weltfilter hatte.

Sie schüttelte den Kopf über ihre abstrusen Gedanken. Gab es nichts Wichtigeres?

Gab es keine Überlegungen, die sie zu Ende bringen musste?

Kein Gefühl, dass sie noch erleben musste?

Sie schloss die Augen und stellte sich vor, der Filter würde wieder verschwinden, die Sonne würde wieder scheinen, wie sie es immer getan hatte und nie wieder tun würde.

Angst.

Traurigkeit.

Panik.

Neugier.

Der Wind schwoll zu einem Sturm an, und jede Böe brachte die Apokalypse ein Stück näher.

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