Wenn Nerven krank sind

Manchmal spielen die Nerven für kurze Zeit verrückt. Wenn man aufgeregt ist, zum Beispiel. Doch Nerven können auch chronisch erkranken. Was Epilepsie, Parkinson, Alzheimer und Multiple Sklerose sind, erfahrt ihr hier
In diesem Artikel
Ist eine Heilung möglich?
4. Alzheimersche Krankheit

Nervosität

Nervös war jeder schon einmal. Wenn die Seele überfordert ist - durch Leistungsdruck, Selbstüberschätzung, Ängste -, macht sich das im Körper bemerkbar. Manche verspüren nur ein Kribbeln im Bauch. Andere bekommen zittrige, feuchte Hände, Schweißausbrüche, Herzrasen - oder ihnen wird sogar übel.

Solche Symptome bekommt man schnell in den Griff. Diese normale Nervosität vergeht, sobald die Situation, auf die sie sich bezieht, vorbei ist.

Manchmal ist es ernster

Nervosität kann aber auch körperliche Ursachen haben. Manchmal liegt eine ernsthafte Erkrankung vor, zum Beispiel der Schilddrüse, die viele Stoffwechselvorgänge im Körper reguliert. Hirnhautentzündungen, Medikamente, die man nicht verträgt, Vitaminmangel, Stoffwechselkrankheiten, Hormonstörungen oder Herzerkrankungen können ebenfalls Ursachen sein.

Natürliche Beruhigungsmittel

Oft helfen Kräuter und Gewürze gegen Nervosität. Bei wem was wirkt, muss jeder selbst ausprobieren. Gegen Magenbeschwerden hilft Kamillen- oder Melissentee. Kräuterbäder mit Melissenöl, Lavendel oder Baldrianextrakten beruhigen die Nerven. Johanniskraut, Hopfen, Passionsblume, Basilikum, Majoran, Rosmarin, Zypresse und Thymian haben ebenfalls eine entspannende Wirkung. Gegen Angstzustände hilft Kava-Kava. Außerdem sind jede Art von körperlicher Tätigkeit ratsam, aber auch lange schlafen, Ablenkung durch Hobbys und Entspannungstechniken wie autogenes Training.

Ernste Nervenleiden: 1. Querschnittslähmung

Zu einer Querschnittslähmung kommt es durch die Schädigung des Rückenmarks, wo der dickste Nervenstrang unseres Körpers verläuft. Meist passiert das durch Unfälle. Wenn die Nerven im Rückenmark durchtrennt werden, können sie den Unterkörper nicht mehr versorgen und die Betroffenen sind auf einen Rollstuhl angewiesen.

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Bei Querschnittsgelähmten ist das Rückenmark verletzt. Gelähmte wie der Schauspieler Christopher Reeve müssen im Rollstuhl sitzen

Ist eine Heilung möglich?

Aber Wissenschaftler haben inzwischen Experimente mit Nervenzellen durchgeführt, die Querschnittsgelähmten Hoffnung auf Heilung machen. Sie implantierten Versuchstieren Nervenzellen, die sie vorher aus Nerven in der Rippe entnommen und künstlich gezüchtet hatten. Mit Hilfe der Gentherapie brachten die Forscher das Wachstum und die Heilung der beschädigten Nervenzellen soweit voran, dass die vollkommen gelähmten Tiere ihre Hinterbeine bewegen konnten, zumindest ein bisschen.

2. Epilepsie

Epilepsie-Kranke haben von Zeit zu Zeit plötzlich auftretende Anfälle, die durch Störungen im Gehirn hervorgerufen werden. Wenn die Nervenzellwände dort instabil sind, kommt es in Gruppen von Zellen zu kleinen elektrischen Entladungen. Dann entstehen die Anfälle. Bei Schlafmangel, übermäßiger Atmung (Hyperventilation), Sauerstoffmangel, Alkohol- oder Drogenkonsum und Stress sind Epileptiker besonders gefährdet, einen Anfall zu bekommen.

Es könnte jedem von uns passieren

Aber jeder von uns kann epileptische Anfälle erleiden. Epilepsie zählt weltweit zu den häufigsten Nervenerkrankungen und kann in jedem Lebensalter vorkommen, meistens jedoch vor dem 20. Lebensjahr. Epileptische Anfälle können sehr unterschiedlich ablaufen und werden manchmal gar nicht als solche erkannt. Einige dauern nur wenige Sekunden, andere einige Minuten lang. Manchmal fallen die Betroffenen während des Anfalls um, werden ohnmächtig oder haben am ganzen Körper heftige Zuckungen.

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3. Parkinsonsche Krankheit

Die nach James Parkinson benannte Krankheit war früher als "Schüttellähmung" bekannt. Es ist aber keine Lähmung und auch das Zittern kommt nicht bei jedem Patienten vor. Meistens erkranken Menschen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren. Viele von ihnen zittern, wenn sie ruhig dasitzen, aber das lässt bei Bewegung häufig nach. Bei den Erkrankten versteifen die Muskeln und ihre Bewegungen werden immer weniger und immer langsamer.

Wie kommt es dazu?

Ursachen sind entweder kleine Einschlüsse, die sich in den Nervenzellen bilden, oder die Nervenzellen produzieren in bestimmten Regionen des Gehirns zu wenig Dopamin; das ist eine Substanz, die für die Informationsweiterleitung in den Nervenfasern wichtig ist. Parkinson kann auch durch giftige Substanzen oder eine Hirnverletzung entstehen. Die Erkrankten werden immer bewegungsunfähiger. Irgendwann sind viele von ihnen auf den Rollstuhl angewiesen oder können nur noch im Bett liegen.

4. Alzheimersche Krankheit

Bei dieser Nervenkrankheit sind die Betroffenen am Anfang nur zeitweise orientierungslos und wissen nicht genau, wo sie sich befinden. Später verwechseln sie Orte und Situationen. Zuletzt können sie manchmal sogar vertraute Personen nicht mehr erkennen. Ihre Konzentrationsfähigkeit nimmt immer stärker ab und irgendwann können sie alltägliche Handlungen nicht mehr zu Ende führen. Sie vergessen Dinge oder Situationen, die gerade passiert sind, erinnern sich aber noch gut an etwas, das länger zurückliegt.

Traurig für die Verwandten

Im Krankheitsverlauf sind die Menschen oft gereizt, neigen zu Wutanfällen und Angstzuständen, oder werden depressiv. Sie trauen selbst engsten Verwandten nicht mehr, das ist oft sehr schwierig und schmerzlich für die Angehörigen. Alzheimer-Kranke haben Probleme Gesprächen zu folgen. Manchmal können sie einzelne Worte nicht mehr verstehen und sich nur schwer ausdrücken. Außerdem sind sie in ihren Bewegungen eingeschränkt. Vereinzelt versagen sogar Körperfunktionen wie zum Beispiel die Blase.

5. Multiple Sklerose

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische Krankheit, die bisher noch als unheilbar gilt. Bei MS-Kranken sind die Nerven beschädigt, weil ihre Schutzhülle zerfällt. Abhängig davon, welche Nerven betroffen sind, können Geh- und Sehbehinderungen, Schwindel, Taubheitsgefühl in Armen oder Beinen, Schwächezustände, Sprechstörungen oder Lähmungserscheinungen vorkommen.

Wie verläuft die Krankheit?

An MS erkranken meist Menschen im Alter zwischen 25 und 40 Jahren und die Krankheit schreitet oft über Jahre in Schüben fort. Das heißt, sie kann jahrelang unauffällig verlaufen, dann geht es den Erkrankten plötzlich ganz rapide schlechter, und anschließend verschlechtert sich ihr Zustand wieder lange Zeit gar nicht. Die Ursachen der Krankheit sind noch unklar. Man weiß aber, dass viel Stress und schlechte Ernährung das MS-Risiko erhöhen können.

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